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Full text of "Guiraut von Bornelh, der Meister von Trobadors. 1. Die drei Tenzonen nach sämtlichen Handschriften, 2. Drei bisher unbekannte, ihm zugeschriebene Gedichte herausgegeben von Dr. Adolf Kolsen"

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University of California. 


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I- H 





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BERLINER BEITRÄGE 

ZUR 

GERMANISCHEN UNI) ROMANISCHEN PHILOLOGIE 

VERÖFFENTLICHT VON DR. EMIL EBERING. 

TL 

f 

ROMANISCHE ABTEILUNG No. 1. 


Guiraut von Bornelh, 

der Meister der Trobadors. 

1. Die drei Tenzonen nach sämtlichen Handschriften, 

2. Drei bisher unbekannte, ihm zugesehriebene Gedichte 


herausgegeben 


von 


Dr. Adolf Kolsen. 


BERLIN 

C. Vogts Verlag 
1894. 


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C. Vogts Buchdruckerei, Berlin, Linkstrasse 16. 



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Herrn Professor Dr. Adolf Tobler 


in dankbarer Verehrung 


gewidmet. 




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Vorbemerkung. 


Drei von den der Bluteperiode der altprovenzalischen 
Poesie angehörenden Trobadors zeichnet Dante in seiner Schrift 
„De vulg. el.“ 2,2 durch besondere Erwähnung aus: Bertran 
von Born, den Dichter der „Waffen“, Arnaut Daniel, den 
Sänger der „Liebe“, und Guiraut von Bornelh, den Lob¬ 
redner der „Rechtschaffenheit.“ Sie, die sämtlich aus der¬ 
selben Gegend, dem Bistum Perigord, dem heutigen däparte- 
ment de la Dordogne, stammten und um dieselbe Zeit, zu¬ 
meist im letzten Drittel des 12. Jahrhunderts, dichteten, 
gelten noch heute bei den Kennern als die bedeutendsten 
unter ihren Kunstgenossen; es ist ihnen aber nicht allen 
die gleiche Aufmerksamkeit zu teil geworden. Bertrans 
Werke sind, soweit wir sie in einer Anzahl Handschriften 
Uberkommen haben, bereits dreimal textkritisch herausge¬ 
geben worden, nämlich 1879 und 1892 in Halle von Stimming, 
sowie 1888 in Toulouse von Thomas, die Dichtungen Arnauts 
hat Canello 1883 in Halle ediert, und eine neue Ausgabe 
derselben wird meines Wissens von Chabaneau fUr die 
Biblioth&que meridionale vorbereitet; was hingegen den poe¬ 
tischen Nachlass Guirauts anbetrifft, so sind zwar die in 
Bartschs „Grundriss“ unter Nr. 242 (S. 147—150) nach 
ihren Anfängen verzeichneten Lieder jetzt sämtlich nach je 
einer Handschrift oder auch nach mehreren an verschiedetaen 

1 Grundriss zur Geschichte der provenzalischen Literatur von Earl 
Bartsch, Elberfeld 1872. — Diesem Buche werde ich bei Benennung der 
Handschriften und Gedichte folgen. 

1 


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Stellen abgedruckt; einer kritischen auf dem gesamten gegen¬ 
wärtig zugänglichen handschriftlichen Material beruhenden 
Bearbeitung derselben hat sich aber noch immer niemand 
unterzogen. Dies muss um so mehr befremden, als doch 
gerade Guiraut, der den Ehrgeiz besass, die andern in der 
Dichtkunst zu Überflügeln, 1 und der selbst von seinen Liedern 
nicht wenig eingenommen war, * auch wirklich von je her 
fast allgemein für den allervorzüglichsten unter den prov. 
Minnesängern angesehen wurde. Er war zufolge den am 
Ende des 13. Jahrhunderts verfassten prov. Lebensnach¬ 
richten* „der beste Trobador unter allen, die vor ihm 
lebten und nach ihm kamen; deswegen nannten ihn den 
Meister der Trobadors und nennen ihn noch so 4 alle diejenigen, 
welche sinnreiche, mit Liebe und Weisheit geschmückte 
Aussprüche verstehen“; der Biograph des Peire von Alvernhe 
erwähnt, dass Guiraut dem Peire die Krone des Gesanges 
abgerungen habe, und mehrere Veranstalter von Lieder¬ 
sammlungen räumten Guirauts Gedichten in denselben den 
ersten Platz ein. In neuerer Zeit behauptet Fauriel, Hist. 
2,41: „Quant k Giraud de Borneil, c’est incontestablement, 
selon moi, malgrd ses döfauts, le plus distingu6 des trouba- 
dours, celui qui a le plus ennobli le ton de la po£sie pro- 
venqale, qui en a le plus id£alis6 le caractfere,“ und Chabaneau 
hebt Rdlr. 35,383 „la dignitä de sa vie, l’616vation de ses 
sentiments et la perfection de son art“ hervor und erachtet ihn 
für würdig, „Meister“ genannt zu werden, trotzdem Dante, 6 

1 49 IV. Per que deu esser mos chans Sobre'ls autres trobadors Per 
vos, domna , qu'ai amada , B. Lb. 66,30. 

2 62 III. a mas bonos chanzos S'ataing ries gnzerdos , Arch. 
33, 294, 44. 

8 s. Diez, L. u. W. (nach der 1. Aufl. citiert), S. 129. 

* 4 Auch Bernart Amoros nennt Guiraut von Bornelh w lo maestre u ; 

s. Jb. 11,12. 

6 Fast allgemein wird heute Dantes und Petrarcas diesbezfigliche 
Ansicht missbilligt; vgl. darüber Scartazzinis Anm. in seiner Ausg. von 
Dantes „Div. comm.“ 2, 540—542. 


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7 


Purg. 26, 118—120 und Petrarca, Trionfo d’Amore 4,40—42 
Arnaut Daniel Uber Guiraut gestellt habe. 

Guirauts Werke sind noch immer nicht ediert, obgleich 
man in den letzten Decennien nicht nur, wie gesagt, Bertrans 
und Arnauts Werke, sondern auch die mancher minder¬ 
wertiger Trobadors durch zeitgemässe Ausgaben wieder 
lesbar gemacht hat. 1 Bei solchem Stande der Dinge könnten 
Guirauts eigene Worte, die ursprünglich seiner Geliebten 
galten: 70 VI Per qem par necietatz Q’ieu chant, si no m'en 
uenia Ouizerdos o gratz; Per o, si lh plazia C’apellesper cor- 
tesia Sieus mos cans desamparatz, Aut los m’auria leuatz 
Arch. 38,382 b heute auch uns eine Mahnung sein, dem 
vernachlässigten Verdienste wieder einmal zu seinem Rechte 
zu verhelfen. Jedenfalls wird man den Wunsch nicht un¬ 
berechtigt finden, nunmehr auch die Dichtungen des Guiraut 
von Bornelh in einer dem Original nach Möglichkeit nahe¬ 
kommenden Form wiederhergestellt zu sehen und für sie 
die von ihrem Verfasser 4 selbst so sehr ersehnte Verbreitung 
aufs neue anzustreben. 

Allerdings dürfte, wer Guirauts Gedichte zu edieren 
unternimmt, bei Ausführung dieser Aufgabe nicht geringe 
Schwierigkeiten zu bewältigen haben; sagt doch schon der 
auvergnatische Geistliche Bernart Amoros, der im 13. Jh., 
also nicht lange nach Guiraut, lebte, „que truep volgra esser 
prims e sutils hom qi o pogues tot entendre, specialmen de 

1 Ein Verzeichnis der von 1848—1892 veranstalteten Sonderaus¬ 
gaben giebt Stimmin'g, Prov. Litt, (in Oröbers Grundriss II b), S. 15 
Anm. — Gegenwärtig werden, wie ich höre, des Aimeric von Pegulhan 
Gedichte durch Naetebus textkritisch bearbeitet, Bonifaci Calvo soll von 
Pelaez, Raimbaut von Vaqueiras von Crescini und Sordel von de Lollis 
ediert werden. 

2 Vgl. II 25—28. (Die voranstehenden röm. Zahlen bezeichnen die 
hier edierten Gedichte, während dio nachstehenden die Strophen angeben; 
die voranstehenden arab. Zahlen stimmen mit den Gedichtnummern in 
Bartschs Grundriss unter Nr. 242 überein, die nachstehenden deuten die 
Verse an.) 


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las charnos d'en Oiraut de Bomeil“ Jb. 11, 12; Fauriel, Hist. 
2,85 nennt Guiraut „celui des troubadours qui est habitu- 
ellement le plus 61ev6 et le plus difficile ä comprendre“ und 
2,186 '„le plus difficilo & traduire,“ und auch Chabaneau 
Rdlr. 27,159 spricht von den passages „peu clairs ou möme 
fort obscurs,“ die besonders in den Gedichten des Guiraut 
von Bornelh begegneten. Wer sich nun darüber wundem 
oder es gar als eine Vermessenheit auslegen sollte, dass ich, 
ohne die von Amoros gehegte Furcht qu'ieu non pejures 
l'obra zu teilen, mich anheischig mache, eine Herausgabe 
der Werke des Guiraut in Angriff zu nehmen, dem möchte 
ich mir zu bemerken erlauben, dass der hier gemachte An¬ 
fang doch verhältnismässig recht unbedeutend ist, und dass 
erst ein etwaiges Gelingen dieses kleinen Versuches mich 
zur Fortsetzung des Unternehmens veranlassen könnte. 
Jedoch hoffe ich, dass schon diese Arbeit keine ganz ver¬ 
gebliche gewesen sein wird, selbst wenn sie nur ein weniges 
zur Kenntnis des Dichters beigetragen und für ihn und seine 
Werke einiges Interesse erweckt haben sollte. 

Die Anregung zu dieser Schrift ging von Herrn Prof. 
A. Tobler aus, welcher im Sommer-Semester 1891 seine Schüler 
wiederholentlich auf die Werke des Guiraut von Bornelh hin¬ 
wies und mir, als ich im Herbst desselben Jahres in das 
Berliner Romanische Seminar einzutreten wünschte, das 
Gedicht „Svus quer coselh, bei' ami' Alamanda“ nach den 
sechs zur Zeit im Drucke vorhanden gewesenen Versionen 
textkritisch zu bearbeiten auftrug. Schon bei der An¬ 
fertigung dieser Probearbeit gewann ich den Dichter lieb; 
ich suchte, soweit der dermalige Zustand der Texte und 
meine Kenntnis der Sprache dies gestatteten, auch in die 
übrigen Dichtungen Guirauts einzudringen, und beschloss, 
zunächst jene Tenzone, nunmehr nach sämtlichen bekannten 
Handschriften, zugleich mit den übrigen der nämlichen 
Gattung angehörigen Gedichten, in welchen Guiraut als 
Unterredner auftritt, herauszugeben. Als ich aber von den- 


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jenigen in dem prov. Codex von Saragossa enthaltenen, 
Guiraut zugeschriebenen Liedern, welche Mild y Fontanals 
Rdlr. 10, 229/30 augenscheinlich mit Liedern aus Bartschs 
Grundriss nicht hatte identificieren können, Abschriften 
erhielt und zu meiner Freude sah, dass drei derselben in 
der That incognita seien, hielt ich es für angebracht, diese 
zugleich mit den Streitgedichten der Oeffentlichkeit zu über¬ 
geben. Dem Besitzer jener Handschrift, dem Herrn Prof. 
Pablo Gil y Gil, Dekan der philosophischen Fakultät zu 
Saragossa, fühle ich mich für die grosse Zuvorkommenheit, 
mit der er mir die Benutzung der betreffenden Stücke er¬ 
möglicht hat, zu grossem Danke verpflichtet. 1 Von den 
sonstigen Manuskripten konnte ich N 2 , den aus Chelten- 
ham in den Besitz der Berliner Kgl. Bibliothek Uberge¬ 
gangenen „Codex Phillippicus No. 1910,“ persönlich ein- 
sehen; was die noch ungedruckten Texte aus den in 
Cheltenham, Florenz, Mailand, Modena und Paris befind¬ 
lichen Handschriften betrifft, so sah ich mich auf die Be¬ 
nutzung von Kopiecn angewiesen, die mir von verschiedenen 
Seiten bereitwilligst zugestellt wurden. Herr Prof. Appel 
in Breslau sandte mir 242, 14 D und 69 DR, Herr Michel 
Deprez, Conservateur du d6partement des manuscripts an 
der Pariser Bibi. Xat., —22 und 69 K, Rev. T. Fitz Roy 
Fenwick in Cheltenham —69 N (=Codex Phillippicus 8335), 
Herr Dr. C. Frati in Modena —22 D, Herr Dr. S. 
Morpurgo in Florenz —22 Q, 69 Qa, sowie andere hier 
noch nicht zur Verwendung gelangte Texte und Herr Prof. 


1 Bisher bietet nur die Diss. von M. Kleinert, Vier ungedruckte 
Pastorellen des Serveri von Gerona, Halle 1890, Texte aus dieser Hds. 
Wie Canello, A. Daniel S. 84, nenne ich den Codex nach seiner gegen¬ 
wärtigen Heimat „S r M , Chab., H. L. 10, 209 bezeichnete ihn mit „Gil,“ 
Crescini, Per gli studi romanzi, Padova 1892, S. 46, Anm. 4 mit „h,“ 
doch wird letztere Bezeichnung auch für die Hds. Phillips 1910 ver¬ 
wendet, für die ich zur Vermeidung von Irrtümern die gleichfalls durch 
Canello in Aufnahme gekommene Benennung N 2 beibehalte. 


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Pio ßajna in Florenz (infolge gütiger Vermittlung des 
Herrn Antonio Ceriani, Prefetto della Bibliotcca Ambrosiana 
in Mailand) — 69 G. Allen diesen Herren bin ich für die 
mir mit so grosser Liebenswürdigkeit geleistete Hilfe herz¬ 
lich verbunden. 

Schliesslich drängt es mich, auch an dieser Stelle 
meinem hochverehrten Lehrer, dem Herrn Prof. Adolf 
Tobler für das mir fortgesetzt bewiesene freundliche Wohl¬ 
wollen, sowie für die gütige Förderung, die Er dieser 
Arbeit hat zu teil werden lassen, meinen herzinnigen Dank 
auszusprechen. 


Einleitendes. 

Zur Biographie des Guiraut von Bornelh. 

Ausser den in Bartschs Grundriss S. 62 angeführten 
prov. Hdss. ABEIKfia enthalten auch die uns inzwischen 
bekannt gewordenen N 2 (in Berlin) und S‘ (in Saragossa) 
die Biographie des Guiraut von Bornelh, welche nach 
einzelnen Hdss. in Raynouards Choix 5, 166, im Parnasse 
Occitanien S. 123, in Mahns Werken 1, 184, in Brinckmeiers 
Blumenlese (Halle 1849) S. 74, bei Devic et Vaissete, 
Histoire de Languedoc 10, 222 in der, unter dem Titel 
„Biographies des troubadours“ auch separat erschienenen, 
von Chabaneau verfassten Note 38, nach A in den Studj di 
fil. rom. 3,8 von Pakscher und nach B eb. S. 673 
von C. de Lollis, sowie in Mahns Biographieen 1 S. 1 
( 2 S. 13) abgedruckt ist. Wiedergegeben ist sie auch 
von B. Varchi im Ercolano ed. P. dal Rio, Firenze 
1846, S. 232, von Brinckmeier, die prov. Troub. (Halle 1844) 
S. 163 und die prov. Troub. als lyr. und polit. Dichter 
(Göttingen 1882) S. 61, von Balaguer im 3. Bde. der 
Historia de los trovadores, von Canello, Am. Daniel, 
S. 38—9, von Giovanni Galvani im Novellino provenzale 


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(Scelta di curiositä letterarie No. 107) S. 12 und von Mary 
Lafon, Hist. litt, du midi de la France, Paris 1882, S. 94. 

Ausführlichere razos zu einigen Gedichten Guirauts 
stehen nicht nur, wie man bisher annahm (cf. Rdlr. 19,275), 
in N*, sondern auch in S* fol. 60 ff. und zwar in ange¬ 
messenerer Reihenfolge. Den bei Chabaneau, H. L. 10, 
222—3 abgedruckten Erläuterungen 

1 2 3 4 5 6 entsprechen 

in N® 3 4 2 6 5 1 und 

in S f 1 3 4 2 5 6. 

Ueber Guiraut von Bornelh ist bisher an folgenden 
Stellen gehandelt worden: Nostradamus, Vies des plus 
c61£bres et anciens po&tes provensaux S. 145, wozu 
Crescimbeni, Istoria della volgar poesia 2, 98 u. 226, 
Chasteuil, Rdlr. 28, 76 und Bartsch, Jb. 13, 49 zu ver¬ 
gleichen wären, Bastero, Crusca provenzale S. 84, Millot, 
Hist. litt, des troub. 2, 1, Emeric-David in der Hist. litt, 
de la France 17, 447, Fauriel, Hist. 2, 40. 85. 115. 126. 
186, Diez, L. u. W. 1 S. 129 (*S. 110) und Restori, Lette- 
ratura provenzale, Milano 1891 (Manuali Hoepli CV), S. 66. 

Von den Lebensverhältnissen des Dichters eine mög¬ 
lichst erschöpfende Darstellung im Zusammenhang zu geben, 
dürfte erst nach Rekonstruierung aller seiner Gedichte 
möglich sein. Da jedoch Guiraut schon in den wenigen 
hier vorliegenden Texten sich als Mensch, Liebhaber, 
Freund und Dichter offenbart, so wird vielleicht, was die 
Besprechung derselben zugleich mit den aus anderen Ge¬ 
dichten herangezogenen Stellen zur Biographie ergeben 
wird, bereits hinreichen, um das Bild des Dichters we¬ 
nigstens annähernd gewinnen zu lassen. 

Guirauts poetischer Nachlass. 

Bartsch zählt im Grundriss unter No. 242, Guiraut 
von Bornelh, 81 Nummern aul. Von diesen ist 21 identisch 
mit 20, die auch anderen Trobadors zugeschriebenen Ge¬ 
dichte 3, 7 und 81 gehören, wie Gröber in den Rom. 


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Studien 2, .698 Anm., 663 und 599 zeigt, Guiraut von 
Bornelh, 50 ist nach ihm (eb. S. 448) „auf alle Fälle Peire 
Vidal zu überweisen,“ für den auch nach O. Schultz „die 
Briefe des Trobadors R. de Vaqueiras an Bonifaz I.“ Halle 
1893, S. 127, historische Gründe mehr sprechen. Betreffs 
der Sirventese 38 und 52 (= 16 und 15 der Hds. P) 
möchte ich den durch ihre Stellung in der Hds. hervorge¬ 
rufenen Bedenken Gröbere (S. 448) noch solche sachlicher 
Art hinzufügen. Von Beziehungen Guirauts zu Moruello(I.) 
und dem Markgrafen (Bonifaz I.) von Monferrat ist uns sonst 
nichts bekannt; ausserdem würde Guiraut wohl kaum, wie 
das der Verfasser von 38 in der 2. Tornada thut, irgend 
jemand um eine Gabe angebettelt noch, wie das bei 52, 
das mit dem ihm unzweifelhaft gehörigen 51 in Veremass 
und Reimendungen Ubereinstimmt, der Fall wäre, sich 
einer und derselben Melodie zweimal 1 bedient haben. End¬ 
lich dürfte der unter 61 verzeichnete Descort, welcher in 
CR* S* dem Guiraut, in R® aber dem Guilhem Augier 
attribuiert ist, eher Guilhem als Guiraut zuzusprechen sein, 
und zwar aus folgenden Gründen: 

1) Die gegen das Ende des Gedichtes genannte 
marqueza de Menerba, wahrscheinlich identisch mit der von 
R. von Miraval einmal erwähnten Markgräfin von Minerve. 
in welcher Diez, L. u. W. 383 u. Anm., die Gattin des in 
einer Urkunde vom Jahre 1201 vorkommenden Vizgrafen 
Esquiu de Menerba, Chabaneau H. L. 10, 275 Anm. 1—2 
die Frau des Guilhem de Menerba erblickt, ist schwerlich 
von Guiraut als seine Geliebte besungen worden, da sich 
einerseits in den sicherlich von Guiraut herrührenden 
Gedichten keine Spur von ihr findet, andererseits aber, 
was von der geliebten Dame gesagt wird, sich, wie 
man später sehen wird, alles allein auf die Gas- 
cognerin Escaruenha zu beziehen scheint. Dagegen 


1 9 . darüber auch Maus, Peire Cardenals Strophenbau, S. 61. 


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könnte jene marqueza de M. wohl dieselbe Dame sein, 
welcher Guilhem Augier den Hof machte. Dieser lebte zu 
ihrer Zeit und in ihrer Nähe (s. H. L. 10, 355a); ihr Name 
kommt zwar sonst nirgends in seinen Dichtungen vor, aber 
ebensowenig findet sich daselbst ein anderer Name der Ange¬ 
beteten. 

2) Der papagais , der in der Tornada von 61 angeredet 
wird, begegnet sonst nirgends bei Guiraut, wohl aber bei 
Guilhem, z. B. in 205, 2 (MG. 579). 

3) Guilhem scheint eine besondere Vorliebe für die 
Dichtungsart der Descorts gehabt zu haben; finden sich 
deren doch unter seinen wenigen Gedichten noch zwei, 
nämlich 205, 3 und 5, während unter den bedeutend zahl¬ 
reicheren Dichtungen Guirauts Gedichte dieser Gattung 
sonst nicht anzutreffen sind. 

4) 61 VIII zeigt, wie schon Appel ZfrP. II, 220 be¬ 
merkt, gleiches Versmass mit Guilhems 205, 3 II. 

Scheiden wir nun aus den 81 bei Bartsch unter No. 
242 verzeichneten Gedichten No. 21, 38, 50, 52 und 61 
aus, so bleiben noch 76 Nummern übrig, welche als Er¬ 
zeugnisse Guirauts zu betrachten sind. 

Von anderen Gedichten soll nach Bartsch (ZfrP. 7, 
590) B. Gr. 29, 11, das in A dem Arnaut Daniel, in D* 
und N* aber unserem Dichter zugeschrieben wird, hinter 
242, 42 eingereiht werden; jedoch sind Bartschs Gründe 
hierfür nicht stichhaltig- genug. Ueberdies dürfte wohl der 
saris hom de letras, wie die Biographie Guiraut nennt, und der 
er auch nach 57 VII Am me sui totz acordatz Que uiatz 
Tom a l mestier de ls letratz Arch. 33, 333a, 67, sowie nach 
80 IV sai mais de Cato ß. Chr. 103, 34 gewesen ist, die in 
Str. VI des Liedes stehenden Worte Ben conosc ses art 
d’escriure u. s. w. (Canello, A. Daniel S. 99) kaum gesagt 
haben. Dagegen hat Gröber (Rom. Stud. 2, 385) das 
Lied B. Gr. 323, 1, auf dessen Urheberschaft nach Appel, 
P. Rogier, S. 97 Guiraut von Bomelh und Peire von 


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14 


Alvernhe „gleich begründete Ansprüche“ haben, für Guiraut 
gänzlich gerettet. 

Endlich kommen noch die hier edierten Unica aus der 
Hds. S* in Betracht; kann man deren Echtheit nicht ge¬ 
radezu beweisen, so wird sich doch auch kein triftiger Grund 
darbieten, dieselbe in Abrede zu stellen. Rechnen wir sie 
mit hinzu, so besitzen wir zur Stunde 80 Gedichte des 
Guiraut von Bornelh. 

Die Dichtgattungen. 

Betrachtet man jene 80 Gedichte auf die Arten hin, 
denen sie angehöreD, so ergiebt sich folgendes: 

44 und 46 sind Romanzen (44 genauer eine Pastorelle), 
64, in T fol. 86a zugleich mit 4 anderen Liedern fälschlich 
den Tenzonen eingereiht (cf. Gröber a. a. O., S. 522), ist 
eine Alba, 80 ein Devinalh, 23, 26, 30, 32, 55, 73, 75, 77 
und VI sind allgemein moralische oder moralisch - religiöse 
Sirventese, 1 2 denen sich 67 und 323, 1 zugesellen, wenngleich 
diese sich selbst „Vers“ nennen; 6, das sich auch als „Vers“ 
bezeichnet, 15, 24 und 41 sind politische Sirventese (Kreuz¬ 
zugslieder), 56 und 65 persönliche Sirventese (Planh) und 
27 ist ein sirventes joglaresc.* Von den übrigen sind die 
sich selbst als Verse gebenden 5, 11, 25, 29, 37, 51 (mit 

1 Ueber diese Dichtgattung handelt E. Levy, Guilhem Figueira, 
Berl. Diss. 1880, S. J5—21 und kommt, Tobler folgend, S. 21 zu dem 
Schluss: „Sirvtntes heisst Lied eines strveti, der im Dienste und Interesse 
eines Herrn, weiter einer politischen Partei, einer das öffentliche Leben 
betreffenden Frage singt.“ Vgl. jetzt darüber auch Stimming, Prov. Litt, 
in Gröbere Grundriss II b, S. 22—24. 

2 Die von Tobler geüusserte, von Wittboeft, Sirventes joglaresc 
( A. u. A. 88) S. 4 wiederholte Ansicht, der „s. j.“ sei »ein Gedicht, ver¬ 
fasst im Interesse eines Joglar“ wird von 0. Schultz LgrP. 1891, Sp. 
237 bestritten, dagegen von Jeanroy, Rev. des Pyrdnöes 1893, S. 14 als 
diejenige Hypothese, welche die grösste Wahrscheinlichkeit für sich 
habe, gutgeheissen. J. sieht in den betreffenden Dichtungen „des sortes 
de lettres de recommandation presentdes sous une forme qui les rend&it 
plus piquantos.“ 


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15 


vizio), 58, 59 und 78, sowie 1, 8, 19, 20, 45, 54, 60, 68, 71, 
72 und 74 am besten als Verse zu bezeichnen. Kanzoncn 
nennen sich 2, 4, 7, 9, 62 (mit 8 Str.) und 81 (mit nur 
männl. Reimen); ihnen reihen sich an 10, 12, 18, 16, 17 
(8 Str.), 28, 34, 35, 42, 43, 48, 49, 53, 57, 63, 70, 79, V 
und wohl auch 76, von dem zwar bisher nur die in H be¬ 
findlichen 2 , / 2 Str. gedruckt sind, das aber auch in S‘ sich 
findet und, nach dem Citat in Ravnouards Lex. rom. 2, 
177a zu schliessen, in C wohl vollständiger steht als in H. 
IV hat nur 4 Strophen und ist daher eine Halbkanzone; 
3 und 66 sind Kanzonen in Gesprächsform, und 18, 31, 
33, 36, 39, 40 und 47 lassen sich wohl am angemessensten 
als Sirventes-Kanzonen bezeichnen; 14, 22 und 69 endlich 
gehören der Dichtungsart der Tenzone zu. Demnach 
rühren von Guiraut von Bornelh her: 

2 Romanzen, 1 Alba, 1 Devinalh, 11 allgemein moral, 
oder moral.-relig. Sirventese, 4 politische Sirventese, 2 per¬ 
sönliche Sirventese, 1 sirventes joglaresc, 20 Verse, 25 Kan¬ 
zonen, 1 Halbkanzone, 2 Kanzonen in Gesprächsform, 7 Sir¬ 
ventes-Kanzonen und 3 Tenzonen. 


Die 6 zu edierenden Gedichte. 


1. Die 3 Tenzonen. 

Von dialogischen Gedichten, deren äussere Form der¬ 
jenigen des prov. Streitgedichtes 1 entspricht, sind 3 auf uns 
gekommen, in denen Guiraut von Bornelh 4 als Partner auf- 
tritt: 242,14 (=287,1), 242,22 (=324,1) und 242,69. Ob 
dieselben auch ihrem Inhalte nach Tenzonen sind und, wenn 


1 Ueber diese Dichtungsart s. Stimming, Prov. Litt. a. a. 0. S. 
24, sowie die eb. S. 26 angegebenen Abhdlgn. 

* In einer von John Rutherford, The Troubadours, tbeir loves and 
their lyrics, Lond. 1873, S. 49 ins Engl, übers. Tenzone ist nicht, wie 
es dort heisst, Guiraut von Bornelh, sondern Guiraut Riquier Interlokutor 
des üuilhem von Mur, 


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16 


dem so ist, welcher Art dieser Dichtgattung sie angehören, 
muss die Betrachtung jedes einzelnen von ihnen lehren. 
Ihre Besprechung wird in derjenigen Reihenfolge stattfinden, 
in welcher sie wahrscheinlich 1 entstanden sind. 

I (242,69). 

Dichter and Zofe, 
a) Inhalt.® 

I. Guiraut, heftig erregt darüber, dass seine Geliebte 
ihm, angeblich wegen seiner Untreue, ihre Gunst entzogen 
habe, bittet deren Zofe Alamanda um Rat in seiner Be¬ 
drängnis. 

II. Diese macht ihn darauf aufmerksam, dass er sich, 
wenn er von ihrer Herrin geliebt werden wolle, vor allem 
ihren Launen anbequemen müsse. 

IH. Der Dichter meint, ihm könne nicht angesonnen 
werden, wozu eine Dienende sich allenfalls verstehen könnte. 
Befolgte er ihren Rat, so würde er erst recht unglücklich 
werden. 

IV. Nach Alamandas Ansicht werde er durch Demut 
alles, durch Trotz nichts erreichen. Sie wollte ihm zum 
Wohlwollen der Geliebten wieder verhelfen, wenn er nicht 
selbst durch sein Verhalten sie daran hinderte. 

V. Guiraut führt dagegen an, er habe, nachdem seine 
Freundin ihm ohne jeden Grund wiederholentlich nicht Wort 
gehalten habe, zeigen wollen, dass er sich auch noch ander¬ 
weitig Liebesgunst erwerben könne. Ueber die Vorwürfe 
und Zumutungen seiner Ratgeberin ist er derartig erbost, 
dass er ihr Grobheiten sagt und sie sogar für den Fall, 
dass sie so zu reden fortfahre, mit Schlägen bedroht; Dame 
Berenguera hätte ihm besser geraten. 


1 8. den Abschnitt: „Datierung der drei Tenzonen.“ 
* vgl. Zenker, die prov. Tenzone S. 86. 


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17 


VI. Die Zofe erklärt ihm, dass er durch Schmähreden 
die Liebe seiner Freundin doch wahrlich nicht wiederge¬ 
winnen werde; glücklich würde er sich schätzen können, 
wenn es ihrem wiederholten Drängen gelänge, ihre Herrin 
noch einmal zur Aussöhnung mit ihm zu veranlassen. 

VH. Jetzt erst erkennt Guiraut wieder, wie wichtig 
ihm der Beistand der Zofe sei. Er entschuldigt sich bei 
ihr wegen der in seiner Erregung begründeten Unhöflich¬ 
keit und bittet sie, ihn dadurch, dass sie ihm, gleichsam 
aus eignem Antriebe, ihre Herrin wieder geneigt mache, 
vor dem sonst sicheren Untergange zu bewahren. 

VIII. Alamanda bedauert, dass sie bisher in seiner 
Sache noch nichts habe erreichen können. In der That 
würde sich auch ihre Herrin, nachdem er sich nicht ent- 
blödet habe, vor aller Augen einer andern ihr wenig eben¬ 
bürtigen Person den Hof zu machen, viel vergeben, wenn 
sie ihm ihre Gunst wieder bezeugte. Dennoch verspricht 
die Zofe unter der Bedingung, dass Guiraut von nun an 
jeden Zank vermeide, ihn zum gewünschten Ziele zu führen. 

IX. Der Dichter ersucht Alamanda darauf, die Dame 
seiner unbedingten Ergebenheit zu versichern. 

X. Die Zofe erklärt sich dazu bereit, warnt ihn aber 
davor, sich die Gunst der Geliebten, wenn er dieselbe wieder¬ 
erlangt haben würde, aufs neue zu verscherzen. 

Inhaltlich ähnlich sind B. Gr. 87,1, 372,4 und das in 
der Hds. L als conselh bezeichnete Gedicht 409,3.* 

b) Das Liebesverhältnis des Dichters. 

Für das Verständnis des Zwiegesprächs, wie auch für 
die Biographie des Dichters im allgemeinen ist es von 
Wichtigkeit, Uber das Liebesverhältnis Guirauts Genaueres 


1 Man vgl. ferner die bei Napolski, Ponz de Capduoill, S. 29, 
Canello, A. Dan., S. 208, VT, Arg., 0. Schultz, die prov. Dichterinnen, 
S. 34 za 9—10 und Crescini, Per gli studi romanzi, S. 71 angefllhrten 
ähnl. Fälle von Vermittlungen bei den Trobadors. 


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zu erfahren. „Leider fehlt es an Angaben, um aus ihnen 
einen Liebesroman zu entwickeln,“ sagt Diez, L. u. W. 189, 
im Jahre 1829. Inzwischen sind aber in den Hdss. N* und 
S* Erläuterungen zu Gedichten Guirauts aufgefunden worden, 
von denen diejenigen, welche sich auf seine Liebe beziehen, 
hier Platz finden mögen, um hernach an der Hand der Ge¬ 
dichte Guirauts auf ihre Glaubwürdigkeit geprüft zu werden. 

Es sind dies 

1. Die razo zu unserem Gedichte Srus quer 
und 2. diejenige zu Oes aisi de.l tot no'm lais 

Nach N* sind sie bereits, wenn auch nicht ganz korrekt, 
viermal gedruckt: 

1. von Constans Rdlr. 19, 279 und 276, 

2. in dem Bulletin de la soci£t6 hist, et archöol. du 
P6rigord 11, 170, 

3. von Chabaneau H. L. 10. 222/3 und 

4. in Chabaneaus Biogr. d. Troub. S. 15. 

Nach S' sind die Erläuterungen noch nirgends wieder¬ 
gegeben. 

Da die beiden Fassungen beträchtlich von einander 
abweichen, so scheint es am ratsamsten, sie gesondert neben 
einander mitzuteilen. 


N a fol. 23. 

Guirautz deBornelh siamava 
una domna de Gasconha que 
avia nom n’Alamanda d’Es- 
5 tanc. Mout era prezada 
domna de sen e de valor e 
de beutat et ela si sofria los 
precs e 1’ entendemen d’en 


S‘ fol. 60. 

Vertatz es qu’en 
Guirautz de Bornelh amava 
una domna de Gasconha que 
era apelada n’Alamanda. 

Fort era prezada 
e de sen e de valor e 
de beutat e sofria los 
precs d’en 


4Hds.de Stanc; 5 Hds. presiada; 2 Hds. Qiraut; 7 de fehlt in 
8 precs ist in der Hds. verwischt, Hds. der Hds.; 
entendiiuen; 


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Guiraut per lo gran enan- 
10 samen qu’elli fazia depretz e 
d’onor e per las bonas chan- 
sos qu’el fazia d’ela, don 
ela s’en deleitava mout, per 
qu’ela las entendia be. Lonc 
15 temps la preget, et ela com 
bels ditz e com bels onra- 
mens e com belas promisios 
se defendet da lni corteza- 
men, que anc nolh fetz 
20 d’amor ni’lh det nula joia 
mas u sol gan, don el vis- 
quet lonc temps gais e joios, 
e pueis n’ac mantas triste- 
sas, can l'ac perdut; que 
25 madomna n’Alamanda, can 
vi qu’el la preisava fort 
qu’ela li fezes plazerd’amor, 
e saup qu’el avia perdut lo 
gan, ela l’encuzet de l gan, 

30 dizen que mal l’avia gardat, 
e qu’ela no lh daria mais 
nula joia ni plazer no lh 

9 Hds.Girautz; lOHds. pre$, Chab. 
(H. L.) dretz (wohl nur ein infolge 
Umspringens des p entstandenerDruck- 
febler); 12 don] Hds. ond; 13 die letzte 
Silbe von deleitava ist in der Hds. 
verwischt; 14 Hds. entednia; 18 da] 
Cbabaneau: de (doch s. Diez, Gramm. 
2, S. 36); Hds. corteizamen; 21 sol] 
Hds. son; 26 Hds. preissava; 29 l’en- 
cuzet] Hds. s’en cuszet, Constans 
nnd Chab. s’en corozet; 30 Hds. dignn; 

31 mais fehlt Const. u. Chab.; 


Guiraut per lo gran esenha- 
men qu’el li fazia 

e per los bos chan- 
tars qu’el fazia de lei, don 
ela se delechava fort per 
so com be los entendia, 

eilh 

se defendet da lui ab pa- 
raulas e ab promesas mout 
corteza- 

men, que anc no ac da 
lei 

mas u sol gan, don el vis- 
quet lonc temps joios, 
mas pois n’ac gran triste- 
sa e dolor, car el lo perdet. 
E can madon’Alamanda 


o saup, 

ela lo blasmet e repres fort 
delgan,dizen que mal l’avia 
gardat, e que mais no li daria 
alcu joi ni esper da lei alcun 

12 don] Hds. on; 14 Hds. 
come; 32 Hds. niu espers; 

Anm. zu N 2 15 — 17. üeb. d. Vor¬ 
kommen d. Präp. com im Prov. s. 
Diez Gramm. 2, 482. 

Anm. zu N 2 26. preisar steht 
nicht im Lex. Rom. Es entspr. d. 
frz. Vb. presser, das Littre v. 13.Jh. 
an nachw., wie hier verw. in folgd. 
Beisp.aus d. 15. Jh.: Et lespressoit 
fort qu’ils lui \ oulussent donner... 
Comm. 3,3. 


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faria mais d’amor e que 
so qu'ela li avia promes li 
85 desmandava, qu’ela vezia 
be qu’el era fort lonh eisitz 
de sa comanda. Can Gui- 
rautz auzi la novela ochai- 
zon elcomjatque ladomnali 
40 dava, mout fo dolens e tritz 
e venc s’en ad una donsela 
qu’el’avia, que avia nom 
Alamanda si com la domna. 
La donsela si era mout 
45 savia e corteza e sabia tro- 
bar ben et entendre; e 
Guirautz silh dis so que 
la domna li avia dit, e de- 
mandet li coselh a la don- 
50 sela que el deviafar, e dis: 

„Sims quer coselh, bei’ 
ami’ Alamanda.“ 

(N* fol. 20.) Guirautz de 
55 Bornelh si avia amada una 
domna de Gasconha que 
avia nom n’Alamanda d’Es- 
tanc, et ela li avia fait 


37 fids. 8iia; 38 das o am Anfang 
von orheizon ist in der Hds. verlöscht; 
41 Hds. ven; 49 Constans: don[cJelln; 
die Hds. schreibt aber selbst deutlich 
doncella; 67 Hds. de stancs (vgl. Equi- 
cola, Libro di Natura d’amore, Ve- 
negia 1664, p. 330 „Nolanna di Stanes 
di Guascogna“); 68 Hds. faich, Const. 
faits, Cbab. faitz; 


endrech d’amor e que tot 
so qu’ela li avia promes li 
desmandava, car be vezia 
que trop s’era lonhatz da 
so comandamen. E can 
Guirautz auzic 
lo comjat, 

el fo fort dolens e iratz 
e venc s’en a una donsela 

que era apelada Ala¬ 
manda atresi com sa domna. 
Aquesta donsela era fort 
corteza e savia e sabia be 
trobar e entendre e sabia 
letras. E li contet so que 
sa domna li avia dich e li 
demandet coselh en u sieu 
chantar qui (es escritz en 
aquest libre e) comensa aisi: 
„Si-us quer coselh, bei’ 
ami’Alamanda ... sui iratz“ 
En Guirautz no poc far ne 
dir tan qu’el pogues tornar 
en la grasia de madon’ 
Alamanda, car ela era mout 
felona vas lui per so qu’ela 

47 Hds. letra; 63 In der Hds. 
steht hier die ganze I. Str.; 64 
Hds. Giraut; 


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21 


plazers, et avenc si qu’ela 
60 si penset que sa valors avia 
trop deisendut, car avia so 
qu’el volc, volgut; e silh 
det comjat e'lh estrais 
s'amor per 
65 


tat don ela fo mout blas- 
mada, car el era om des- 
70 mezuratz e malvatz. Don 
Guirautz de Bornelh re- 
mas tritz e dolens (N* fol.22) 
longa sazo per lo dan de 
si e per lo blasme qu’elh’ 
76 avia, que no si covenia 
qu’elan fezes son amador. 


si volia partir da lui, don 
ela li trobet l’ochaizo de*l 
gan. Don Guirautz, si tot 
U fo greu, s’en partic e 
sapchatz que madon’Ala- 
manda no li det comjat sol 
per lo gan, si tot en trobet 
ochaizo, car ilh o fes per 
so que pres per so drut 
tal don ela fo fort blas- 
mada, car el era om fort 
malvatz e crois. Don Gui¬ 
rautz de Bornelh re- 
mas mout tritz e dolens 
longa sazo per lo dan 
de si e per lo blasme de 
lei, car ilh avia fach ama¬ 
dor de tal qui no lh covenia. 


69 car steht in der Hds.; Const. 63 Hds. sapralz; 70 Hds. Girant; 
u. Chab. schreiben aber dafflr con. 72 Hds. moutz; 76 Hds. di tal. 

Dass die prov. Erläuterungen zu den Trobadorliedem 
in der Regel recht unzuverlässig und daher nur mit grosser 
Vorsicht zu benutzen seien, sagt u. a. Jeanroy in den An- 
nales du Midi 2, 442. Auch die hier mitgeteilten StUcke, 
welche sich einerseits an Guirauts Gedichte derartig an¬ 
lehnen, dass sie wörtliche Anklänge an dieselben aufweisen 1 2 , 
andrerseits aber Angaben enthalten, welche in den Werken 
des Dichters keine Stütze finden, werden mehrfacher Be¬ 
richtigung und Ergänzung bedürfen. 


1 Die Worte detmandava (Z. 36) in N* u. 8*. fort lonh eiritz de 
za comanda (Z. 36) und estrais s’amor (Z. 63) in N* erinnern lebhaft 
an 14—6. 

2 


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22 


Die Nachricht, dass Guiraut. von Bornelh eine Gas- 
cognerin Alamanda d’Estanc geliebt und besungen habe, 
steht im Widerspruch zu Guirauts Worten in 44 IX: Toza, 
n’Escaruenh’es guitz De pretz, que m det companhieira 
Cortez ’ e fin’ amairitz M W. 1,200. 

Diese Verse sind nicht etwa dahin aufzufassen, dass 
Escaruenha den Dichter zur Tugend angeleitet habe, indem 
sie ihm eine höfische Gefährtin und echte Liebende ver¬ 
schaffte. Guiraut liess sich nämlich seine Geliebte von 
niemand zuweisen, sondern lernte sie zufällig kennen: 13 I—II 
E quant estei en aquels bels jardis, Lai m'aparec la bella 
Flors de lis E pres mos huels e sazic mon coratge Si que anc 
pueis remembransa ni sen Eon aic mas quant de lieys en cui 
m’enten. Ilh es selhu per cui ieu chant e plor 1 MW. 1 , 184 
und 20 VI a l'issen d’us ortz Mi mostret una sortz Q’ieu 
fos a liei comans Qem det sas maus ses gans, Don s’onret 
mos manteus E mos aneus; Puois qan fui d’aqui sors, Tomei 
ua8 liei de cors, Gab bos precs mi retrais■■■ Mains bens, qe 
puois m'estrais, Ern dis: Amicx, ben siaz e celatz (1. ece- 
latz = encelatz), Que ia per mi nön seretz galiatz Arch. 51, 6a. 
Vielmehr wird anzunehmen sein, dass Guiraut, nachdem er 
seine Dame in Str. III u. IV desselben Gedichtes eine fals' 
abetairitz, volatieira und camiairitz genannt und in Str. III 
die Aeusserung gethan hat: De bon'ami' ai nescieira Que 
fos fin’ e vertadieira, nun plötzlich deshalb Reue empfindet; 
er fühlt, dass er trotz der von ihr erlittenen Unbilden doch 
keine andere als sie werde lieben können, und will die ihr 
soeben zugefügten Beleidigungen wieder gut machen, indem 
er gleichzeitig der Hirtin jede Hoffnung auf Erfüllung ihrer 
Wünsche benimmt. Jene Worte werden also wohl bedeuten: 
Esc. ist Führerin des Wertes, denn sie gab mir (nämlich 


1 Dies© Verse mögen Castelvetro vorgeschwebt haben, als er in 
den Considerazioni 193 die ähnliches besagenden Verse des Arnaut Daniel 
dem Guiraut v. Bornelh zuwies (s. Canello, A. D. zu XV 9). 


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in sich) eine höfische Gefährtin und echte Liebende; als sie 
mich wahrhaft liebte, hat sie mich zur Tugend angehalten, 
noch jetzt ist ihr Einfluss in mir wirksam (daher es guitz 
de pretz) und zwar, wie der nächste Vers Per que'l mal(s) 
me fug a tieirä zeigt, derartig, dass das Uebel mich gänzlich 
flieht, dass also Guiraut in den Stand gesetzt ist, allen 
schlimmen Verlockungen zu widerstehen. Aza'is, Les troub. de 
B6z. S. 84 und Cornicelius So fo e'l temps S. 99 entnehmen auch 
diesen Versen jedenfalls die Thatsache, auf die es uns allein 
hier ankommt, dass Escaruenha Guirauts Geliebte war; 
ersterer findet, dass der Dichter sich abwende, „en pronon- 
Qant le nom de sa dame“, letzterer sagt, der Gedanke an 
Escaruenha mache Guiraut von ßornelh für das zudringliche 
Entgegenkommen einer Hirtin unempfänglich. 

Die von Cornicelius ausR.Vidals Novelle Abrils issV e mays 
intrava, B. Dkm. 169,17 erwähnte Ma dona n'Escarronha ist 
nach Bartschs Anm. zu dieser Stelle (B. Dkm. S. 332) 
„ohne Zweifel dieselbe Dame, die Arnaut von Marsan in 
seinem ensenhamen de la donzela rühmt.“ A. von Marsan 
nennt die Escaruenha dort (B. Lb. 139,41) „La gensor de 
Gascuenha“; hinsichtlich ihrer Heimat stände also nichts 
im Wege, in jener Escaruenha auch die Freundin Guirauts 
zu sehen, welche nicht nur nach der razo aus der Gascogne 
stammte, sondern auch nach den wohl als Wortspiel aufzu¬ 
fassenden Worten des Dichters selbst: 4 VII Lai on pretz 
floris e grana, Volgra trobar quvm portes Mo sonet e no 
müdes A mon ioy (Joy?) e non dieses Que m euges engasconir 
MG. 198. 

Was die Personder beiR. Vidal vorkommenden Escaruenha 
betrifft, so vermutet O. Schultz ZfrP. 12, 544, sie sei identisch 
mit Escaronha, der Gemahlin des Bernard Jourdain, Herrn von 
l’Isle-Jourdain, der vor 1189 starb. Auch diese Dame 
würde die von Guiraut gefeierte Escaruenha sein können. 
Sie ist etwa 1125 geboren — ihr und Bernard Jourdains 
Sohn Jourdain machte schon 1161 selbständig Schenkungen 


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24 


an das von seinem Vater 1143 errichtete Kloster (s. H. L. 
6, 10) — und überlebte ihren gegen 1189 gestorbenen Gatten 
(s. H. L. 6, 143). Guiraut, der, nach den höhnischen Be¬ 
merkungen, welche der von ihm Ubertroffene Peire von Al- 
vemhe in seinem vor 1173 1 entstandenen Schmähgedichte 
über ihn macht, zu schliessen, gegen J170 schon einen ge¬ 
wissen Euf als Dichter erlangt hatte, hat etwa 1165 zu 
dichten begonnen. Unsere bei der Datierung der drei Ten- 
zonen anzustellende Berechnung wird für den ernsten Bruch 
mit der Geliebten annähernd das Jahr 1168 ergeben. Ist 
das richtig, so mag Lied 5, in welchem sich das Liebesleid 
des Dichters bereits ankündigt — 5 VI Que per us prims 
entendedors Me toi paors E frevoltatz, Quar no cug esser ben 
amatz, Mans gabs, mans ditz, mans fagz ginhos, Per que fora 
bautz e joios MW. 1, 190 —, im Jahre 1167 und, da er 5 
gemäss Str. II E per o ben a mais d'un an Qu’om me 
pregava qu’ieu cantes (eb. 189) über ein Jahr nach Beginn 
seiner Dichterlaufbahn gedichtet hat, Lied 13, das nach 
seinem Inhalte zu den ersten poetischen Erzeugnissen Gui- 
rauts gehört, im Jahre 1165 entstanden sein. Allerdings 
scheint Guiraut jünger als Escaruenha gewesen zu sein. 
In La Combes Dict. de vieux lahgage fran<jois, Supplöm. 
Paris 1767 S. XVIII findet sich über einem „Guiraut de 
Berneth (so!), l’un des plus anciens Poötes“ betreffenden 
Artikel Lacurnes die Zahl 1138. Diese Zahl könnte viel¬ 
leicht das Geburtsjahr des Dichters bezeichnen; Guiraut 
wäre dann freilich erst mit etwa 27 Jahren Trobador ge¬ 
worden, was jedoch damit im Einklang stände, dass er 
ja, wie das obige Ci tat aus 5 II lehrt, nicht aus eigenem 
Antriebe, sondern erst auf das Ersuchen andrer hin sich 
dem Versemachen zuwandte; er hätte dann aber auch bereits 
in dem von uns vor 1173 2 , etwa auf 1170 anzusetzenden 
Liede 17, Str. II sagen können: A (Ai Hds.A)! Tantas 

1 s. Appel, Peire Rogier S. 10. 

2 s. den Abschnitt c 5 der Besprechung der Tenzone II. 


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25 


uetz m'a trag nescis parlars Joy d’entre'ls mans, per qu'esdevenh 
liars MG. 216, denn zu ungefähr 32 Jahren konnten sich 
wohl die ersten grauen Haare bei ihm schon eingestellt haben. 

Ausser dem Namen Escaruenha, der nur an der be¬ 
kannten Stelle vorkommt, finden auch die Yerstecknamen 
Senker (43 IV V, 63 III, 78 IV, 79 HI), Bels Senker (1 
IV, 5 I, 29 VI, 45 VHIi 47 VII, 78 I), Segurs (43 V, 53 I, 
79 III), Flors de lis (13 I) und vielleicht auch Jois (4 VII) 
bei Guiraut zur Bezeichnung der Angebeteten Verwendung. 
Alle diese Namen bezeichnen jedoch höchst wahrscheinlich 
eine und dieselbe Person; dies geht nicht nur aus den sich 
immer gleich bleibenden Aeusserungen des Dichters Uber seine 
Geliebte hervor, sondern auch daraus, dass er immer wieder 
versichert, nur diese eine Dame allein wahr zu lieben (s. die 
Anm. zu IV 21/3) und keine ausser ihr zu besingen: 31 IV 
Q'ieu non chantera Per autra ni cridera Salutz ni mans, Ma 
d'aqesta serai comans; Tantuuoillsa seignoria Arch. 51, 14b u. 
35 VI Eses donna serai tant quant uiu sia (1. uiuria?)-, Si uos non 
ai, e q'ieu ses donna sia MG. 837, auch niemals vor ihr einer 
anderen gehuldigt zu haben: 35 I Gen m’estaua e suau e 
en paz Lo iom c'amor(s) entret en mon corage; Qu’eu non 
amaua ni non era amatz Nvm sentia d'amor mal ni dampnage. 
Ara non sai q’i s'es ni s'e(n)deue, Q'eu am cella qe il no 
m'ama re MG. 837. 

Woher kommt es denn nun aber, dass der Verfasser der 
razo die Geliebte des Dichters gerade Alamanda heissen und 
dass die Redaktion N 2 dieselbe aus Estanc sein lässt? 

Zunächst ist wohl aus dem Umstande, dass die Pasto¬ 
relle, welche den Namen „Escaruenha“ enthält, nur in 
3 Hdss., C, R und S', auf uns gekommen ist, zu schliessen, 
dass sie wenig verbreitet und daher auch dem Verfasser 
der razo oder seinen Gewährsmännern unbekannt war. 
Zwar ist das Gedicht zufolge der Str. III Qu' era« me soi 
departitz D'una fals’ abetairitz, Que m fa camiar ma carrieira; 
E fora m capdels e guitz, Si no fos tan volatieira M. W. 1, 


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26 


199 bald nach dem Bruche mit der Geliebten gedichtet; 
es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass Guiraut es erst, 
als er nichts mehr zu erhoffen, also auch nichts mehr zu 
verlieren hatte, bekannt gegeben habe; denn abgesehen da¬ 
von, dass er den von Jeanroy, Orig, de la poösie lyr. en 
France, S. 34 gekennzeichneten Zweck, seiner Dame seine 
unerschütterliche Treue und so seine heisse Liebe zu be¬ 
weisen, durch ein an Beschimpfungen der Freundin reiches 
Gedicht nicht hätte erreichen können, würde er sich wohl 
auch gehütet haben, sich durch das Schlimmste, dessen sich 
ein Liebhaber schuldig machen konnte, nämlich durch Preis¬ 
gabe des Namens der Angebeteten, deren Liebe auf immerzu 
verscherzen. Hatte sie ihn doch dringend um Verschwiegen¬ 
heit gebeten (s. 20 VI, cit. S. 22) und so sehr zur Geheim¬ 
haltung ihres Namens verpflichtet, dass er es lange nicht 
wagte, einen Boten an sie zu schicken: 

11 V Ben lo'i volria mandar, Sitrobava messatgier: Mas 
si 9 n fas autrui parlier, Jeu tem qu'ella'm n’ochaizo; Quar non 
es ensenhamens Qu’om ja fass ’ autrui parlar D'aisso que sols 
vol celar MW. 1, 196. Vor allem, sagt er selbst, müsse ein 
treuer Liebhaber diskret sein: 71 V Sei es drutz truanz 
Que non es celanz Sa dompna ni se Arch. 34,399a, und eher 
würde er sterben wollen, als irgend jemand über seine Dame 
näheren Aufschluss geben: 13 IV Ja non (1. no % n) laissetz 
per mi ni per amor, Fals lauzengierfs] complitfz] de malvestat, 
E demandatz cui ni quals es Vonor (1. es qvüonor oder quäl 
eu o.? 1 ), S’es loing o pres, qu'aisso'us ai ben emblat; Qu'ans 
fos ieu mortz qu'en aital mot falhis MW.l, 185. 


1 Diez, L. u. W. S. 135 übersetzt: „und fragt, wem und wie be¬ 
schaffen die Ehre sei, ob nah oder fern“; das gäbe keinen rechten Sinn, 
abgesehen davon, dass bei Guiraut das Wort onor seines flexivischen s 
dann nicht entraten könnte. Aehnlich wie Diez, übersetzt Porenbowicz, 
Antologia prowansalska, Warszawa J889 S. 98 ins Polnische, und 
auch bei Kannegiesser, Ged. d. Troub., Tübingen 1852 S. 130 lautet die 
Stelle „und fraget, wie es sich verhalte mit der Ehre nah und weit“. 


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27 


Seine vertrautesten Freunde, selbst Sobretotz 1 , sollten 
in dieser Hinsicht nichts von ihm erfahren: 5 V und VIII 
E lonh me de mos plus privatz, Tan dubti que locs e sazos 
Membles quäl que mot perilhos . . . Quascus si gart, si com 
ieu fatZj Tan be, Sobretotz, que neis vos No sabetz quals es 
ma rasos MW. 1, 190/1; 47 V versichert er: Mas iewm 
sui ben gardatz Que no % n sia encolpatz; Qe non es uius ni 
natz Oui anc en fos priuatz Arch. 33, 314b 77 und bittet 
die Geliebte in 31 VI um die Erlaubnis, nur 6inem Freunde 
sich anvertrauen zu dürfen: Mas preiar uolgra , si'l plagu&s, 
Lids per cm sui en ioi tomatz, Que fos nostra bona amistatz 
Per un amic saubuda; Qe plus n’er car tenguda, Car ien 
Dirai souen So don no m'alegrera, Mentre que sols estera. 
Conors es grans E iois, qan troba fis amans Ab cui solatz 
e ria; Que qui no pot qec dia Dir a s'amia son talan, Couen 
q'aia per cui lo'ill man Arch. 51, 14—15. 

In 28 II sagt Guiraut: E dirai qui es ni don? Non 
ieu , que leugidramen Faill e mespren Qurs fai ianglos A sazos 
Arch. 33, 330a, 14. 

Gedicht 28 ist sicherlich viele Jahre nach der Pastorelle 
und nach dem Bruche mit der Geliebten, d. h. nach 1168 
(s. S. 24) entstanden, allem Anscheine nach erst 1189, als 
Guiraut im Begriffe stand, mit König Richard und vielleicht 
auch, wie er wohl hoffte, mit König Alfons in den 3. Kreuz¬ 
zug zu ziehen; dies zeigt, ausser dem noch nicht recht 
herzustellenden Geleit, die Str. VI E port presen Ad rd 
n J Amfos De mos sos; Cautra manentia Non ai mas de dir 
Q'ieu Vesper ofrir Mas; car es pros E mante Pretz, mi coue 
Q'ieu Vest ia aclis, S , er[a] outramaris Arch. 33, 331, 72. 


1 „Sobretotz“ ist also nicht, wie z. B. Balaguer, Hist, de los trov. 
III 268 u. 274 („su amada“ „Sobretodas“) meint, ein Verstecknamen ftlr 
die Geliebte, sondern bezeichnet den Freund des Dichters, der nach der 
razo (H. L. 10, 223a u. Anjn. 3) Bamons Bern&rtz de Rovigna gewesen 
sein soll. 


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28 


Wie hätte Guiraut in der Str. II dieses Gedichtes die 
oben citierten Worte sagen können, wenn die den Namen 
der Geliebten nennende Pastorelle damals schon bekannt ge¬ 
wesen wäre? Hat aber der Dichter zur Verbreitung des Ged. 44 
(der Past.) nicht nur nichts beigetragen, sondern sie selbst 
verhindert, so erklärt es sich, dass dasselbe auch unter den zur 
Abfassung der Erläuterungen vorliegenden Liedern fehlen 
konnte. Vielleicht hatte aber der Verfertiger der razo eine Re¬ 
daktion des Liedes vor Augen, welcher die Tornadas fehlten, 
wie ja sehr häufig Gedichte ohne die Geleite vorgetragen und 
aufgeschrieben wurden; dann hätte der in der 1. Tom. stehende 
Name der Escaruenha auch so ihm leicht entgehen können. 
Schliesslich ist es auch möglich, dass er das Gedicht un¬ 
verkürzt besass und den Namen übersah; denn flüchtig 
scheint er bei der Niederschrift der Mitteilungen verfahren 
zu sein. So stimmt die 6. razo (H. L. 10, 223 b) wenig mit den 
durch das betreffende Gedicht (55) selbst gegebenen That- 
sachen überein. Die Beraubung seines Hauses durch den 
Vizgrafen Gui von Limoges sollte den Dichter zu dieser 
Dichtung veranlasst haben, und doch scheint mir aus Str. 
VHI gerade hervorzugehen, dass sein Haus von den Uebel- 
thätera verschont worden ist: D'aitan me puesc vanar Qu'anc 
mos ostaus petitz No fon d'els envazitz MW. 1, 203, und wenn 
es in der Erläuterung heisst el se volc penar de recobrar 
solatz e joi e pretz e si fetz aquesta chanson que diz: Per 
solatz reveillar, so ist auch das, genau genommen, nicht 
richtig, denn der Dichter sagt in Str. I: Per solatz revelhar, 
Quar es trop endormitz, E per pretz, qu’es fayditz, Aculhir 
e tomar, Mi cuyei trebalhar; Mas er m'en sui giquitz, Per 
so quar sui falhitz, Quar non es d’acabar MW. 1, 201. 

Kannte nun der Urheber der razo den Namen 
Escaruenha als den der Geliebten Guirauts nicht, was bewog 
ihn dann, sie Alamanda zu nennen? Der Name Alamanda 
ist mir in Guirauts Gedichten nur einmal begegnet und 
zwar in der Anfangszeile des Gedichtes, um das es sich 


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29 


hier handelt. Hier mögen dann auch die Worte bei’ ami’ 
Älamanda zu Missverständnissen Anlass gegeben haben. 
Das Lied ist uns in 14 Hdss. erhalten, auch seine Melodie 
findet sich noch in der Hds. R.; sicherlich ist es sehr be¬ 
kannt gewesen und viel gesungen worden, sonst hätte 
Bertran von B.orn, als er es nachahmte, nicht sagen 
können, er dichte e'l son de n'Älamanda (ed. Stimming, 
13, 25, ed. Thomas, Poäsies pol. IV 25, S. 18). Wie nun 
Thomas im Glossar S. 163 diese Älamanda, die doch die 
Zofe der Geliebten Guirauts war, als dame cäldbräe par 
Ouiraut de Borneilh bezeichnet, so hat auch der Schreiber 
der Hds. V oder sein Vorgänger die Dienerin als Guirauts Dame 
angesehen (s. die Varia lectio zu I 49 und 50) und mit 
ihm sicherlich viele, welche sich entweder selbst durch die 
Art, wie Guiraut die Älamanda anredete, dazu hatten ver¬ 
leiten lassen oder solchen, die dazu bereits verleitet waren, 
darin Glauben schenkten. So konnte wohl allmählich die 
Meinung Platz greifen, dass des Dichters Freundin Älamanda 
geheissen habe; diese Nachricht übernahm dann der Ver¬ 
fasser der razo, der gewiss den Wunsch hatte, über die¬ 
jenige Person, welche in den Gedichten des „Meisters“ die 
Hauptrolle spielt, näheres zu berichten, aus Mangel an 
anderen sichereren Mitteilungen und schrieb darauf von der 
Zofe, sie habe Älamanda geheissen „ebenso wie die domna “. 

Die Bemerkung, die Dame Guirauts sei aus Estanc 
gewesen, lässt sich durch die Gedichte njcht belegen; da 
sie sich in S‘ nicht findet, der Schreiber dieser Hds. sie 
aber bei ihrer Wichtigkeit wohl kaum fortgelassen hätte, 
so scheint sie im Original der Erläuterungen nicht gestanden 
zu haben. Vielleicht hat sie später jemand hinzugefügt, 
der etwa die Worte de joi nt'estanc in 59 I oder pens de 
vos en estam in 59 V in verderbter Fassung vor sich hatte 
und missverstand, indem er darin die engere Heimat der 
Gascognerin, das ebenso wie l’Isle-Jourdain im heutigen 
Dep. Gers gelegene Estanc, zu erkennen glaubte. — Mög- 


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30 


lieh wäre es allerdings auch, dass die Familie der Escaruenha 
in dem nahen Estanc ebenfalls Besitzungen hatte und man die 
Dame Guirauts deshalb als aus Estanc stammend bezeichnete. 

Hinsichtlich der Schilderung der Geliebten stimmt die 
razo mit den eigenen Angaben des Dichters überein. So 
wird lo sens e'l pretz e la beutatz derselben in 25 HI, wie 
auch sonst häufig, gepriesen; ganz besonders wird aber ihr 
geistreiches Wesen an verschiedenen Stellen gewürdigt: 
12 IV V Mout es grans la proez ’ e'l sens Qu’il a , que fis 
sabers Vadutz .... Sobre totz bos ensenhamens Aitan fort es 
sos pretz crezutz E'l sieus sens per melhor tengutz, Ni ja no 
Ven er fag(s) eontens; Qu’ilh a pniatz Los aussors gratz, 
Qu’a'lfhjs pus senatz Es, so sapehatz, Greus la meitatz A 
retraireWN. 1 , 195, ferner 2 IV Fis serai ses tot iauzimen E gais 
per lo malfrejtraire, Entro'm uoilla refaire Ma dompna chiu- 
sida, Francha et eissernida, De bella paria, Ab cui estai Jois 
ab cor gai, Enseignamens Ab pretz uerai, Sens e cortezia 
Arch. 51,25 b und 66 IV Quo'l (1. Que'l) sieufs) bel(s) cors 
avinens Es assazats e manens De tots bos ensenhamens E 
de cortezia MW. 1, 200. 

Der Versprechungen, die sie ihm machte, thut Guiraut 
vielfach Erwähnung; hier seien nur angeführt 1 IV V: Per 
o, si sos ditz averes Mos Bels Senkers, Vira e Vesmais, Qu’ieu 
n'ai sofert, mi fora jais E forsa e valors e socors; E deuria 
s y en plus coitar, Car no n deman ni n vuelh d'alhors. E s’ieu 
de far Li fos avars, Don m'agues mandat ni somos, Assatz 
Vaportera razos Que ja covens no m'atendes; Mas s'ieu li sui 
verais, penses Si's tanh que s volva ni's biais MW. 1,188 
und 53 IV Membre il cum m'aßzet un ser A l sieu maner 
So don me sui puois conortatz, E, s'aisi'l platz, Per Vamistat, 
q'ieu‘1 tenc, li iur Q’ieu de ben amar non pemr Arch. 33,321b. 
Ausser dem in der razo genannten Handschuh erhielt er 
von der Geliebten auch einen Kuss(?): 17 VI El bes qe t fetz 
— si n eras e’l fuoc ars, Poz lo'ill grazir? — fo doncs mas 
us baisars? Arch. 51,5b und einen Ring: 60 IH Bona dompna, 


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31 


lo uostr * aneus, Qmm detz, mi fax tant de socors Qm lux 
refraigni mas dolors, Qan lo remir, e tarn plus leus Ous estor- 
neus, Puois sui per lui aissi ausatz Que non cuidetz lanssa 
ni dartz Mespavm ni aders ni fers Arch. 51,19b. Wie der 
Besitz des Handschuhs, der allgemein als Liebespfand galt 
(ygl. 46 V Qu'ieu vi que per un guan , Si lor fos mviatz, 
Se mesclav * us bamatz, Que durava tot Van MW. 1, 207 und 
40 IV V Ben uolgrad cmogues, Anz c'ab lui s'agazaill Ni l 
don gans ni fermaill . . . e fo sazos Que per un gan Er'hom 
bautz e ioios Arch. 33, 318b 67; 319a 88), den Dichter 
glücldich gemacht hatte — s. 42 IV Mas per o l'autr'an, 
Qan perdiei mm gan, Wanaua chantan Mieilhs e plus ades, 
E si m'm canges, Jeu fora encolpatz, Qar le (1. lo) dos nil 
gratz No m'era vedatz MG. 847 —, so beklagt er den Ver¬ 
lust desselben als die Hauptursache seines Liebeskummers: 
33 V Em fez lomar (1. loinar), Tan mi promes De clams 
e dHras e de plaingz, Si com auetz auzit comtar; Qu[i]e'm 
solia (Tun gan clamar, Qe m m fm de gran damnatge guitz; E 
pueis la maVabeitaritz Camiet me datz Arch. 34,398 a und 79 
HI: Ua 9 qe fort bon anar as A'l meu semblan , E per o rnern- 
bre't de 9 l gan, Dm mos Segurs Fetz auol bragaigna (1 .bar- 
gaigna), Qed seus ries pretz sobeiras Nes tomatz fragilz e 
uas E Jauol paruenza, Per q'es morVe descazuda, Sid cors 
flacs m fet'm no's muda Arch. 34,400a. 

Die Gründe, welche den Bruch veranlasst haben, sind 
durch die razo im ganzen richtig dargelegt; auch da wird 
ja schon angedeutet, dass der Verlust des Handschuhes der 
Dame nur einen willkommenen Anlass gegeben habe, ihre 
bereits eine Zeitlang gehegte Absicht, sich von Guiraut los¬ 
zusagen, zu verwirklichen. Was sie bewog, das Verhältnis 
mit Guiraut zu lösen, war zunächst seine vermeintliche 
Untreue, die sie ihm in I 4. 59 u. 60 vorwirft. Guiraut 
giebt allerdings in I36u. 37 zu, andere Freundschaften an¬ 
geknüpft zu haben, dies aber nur vorübergehend und zum 
Schein, lediglich in der Absicht, seine Geliebte eifersüchtig 


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32 


zu machen; im Übrigen aber beteuert er fortwährend seine 
Unschuld und versichert seine Dame seiner unverbrüch¬ 
lichen Treue (s. d. Anm. zu IV 21—23). Sodann scheint 
er ihr durch seine Leidenschaftlichkeit und Zudringlichkeit 
lästig geworden zu sein; dies zeigt sich 4 II: Peccatz Icrtn 
fetz encobir MG. 198, sowie 29 IV: Mas Vorgoil, S’eufeJ so- 
bredeman, Abais Vavinenz cors gentils Ab merce Rdlr. 25, 210, 
geht aber auch aus seiner diesbezüglichen Reue, seinem 
Versprechen, von nun an genügsamer und anspruchsloser 
sein zu wollen, und seiner gänzlichen Unterwerfung unter 
ihren Willen hervor: 29 VI u. VII Q'era-m toil De mal e 
d’engan E serai ferms amics humils, . . . mais no voü qe‘m 
bais Mos bels Segniers, si’l(s) fiz plazßjers Loc(s) non deman- 
dav’e lezers. E qui’l n’er primers drogomanz Qe’m toil 
d'nutr amista(t) e’m lais, Gresca’l benanans’e poders, Q’eu non 
voil baisars ni jazers Rdlr. 25, 210 f. + 33, 216; 36 II Mal 
me sui menatz; Serai doncs suffrens, Ja m’en ueigna lens Bes 
e gauzimens Arch. 33, 312, 22; 70 V Pro sui ben menatz, 
Svm deigna soffrir ni'l platz Q'en mos ehantars l’apel mia. 
Per dieu, ben sui fatz E die gran foillia; Per cal razon so- 
friria Qe’m fezes tant sos priuatz? E doncs — qe’m n'aeon- 
seillatz? Arch. 33, 332 b und 7 VI Dona, pus als no’m uoletz 
far, sofrissetz qu’ie’us uis e’us pregues MG. 205. Den bei weitem 
wichtigsten Anlass zu ihrer Trennung scheint aber die ge¬ 
ringe Herkunft Guirauts gegeben zu haben. Die Biographie 
nennt ihn hom de bas afar und er selbst klagt in 35 II non 
di (1. ai) lo poder qellz (1. qe’m?) coue A lei servir Arch. 
33, 307 b und dazu 49,68. Er spricht wiederholentlich von 
den zwischen ihnen bestehenden Rangesunterschieden, so 
51 III Lo somnhe dis a mon senhor, Qu'a son amic lo deu 
hom dir, Et el narret lo m’en am er E dis me que no'm pot 
falhir Que de l’aussor paratge Conquerrai tal amigu’en patz, 
Quan be m’en serai trebalhatz, Qu'anc hom de mon linhatge 
Ni de maior valor assatz Non amet tal ni'n fern amatz MW. 
1, 186, und fürchtet, dass diese vornehmlich sein Liebesglück 


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83 


zerstören werden: 44 IV qui que s’ajost Ab ric’amor, non er 
per Orist, . . Ses dam MW. 1, 199 und 17 III ualra'm ia 
söbramars? Non ies, tant es auta e richa Arch. 51, 5 a. 

Am Anfang hatte er allerdings darin, dass er ihr nicht 
ebenbürtig war, keinen Hinderungsgrund gesehen — vgl. 
59 VH Qu'eu vi l’or’e vos la vitz, Non euidera us amiranz 
Mi nogues: dem los maudiga! B. Chr. 108 —, um so mehr 
war er hernach enttäuscht, als er sich durch Leute von 
niederer Gesinnung verdrängt sah: 37 IV Farai doncs uas 
Amor orguoill, Si’ll die qe'm teigna a desonor Qu’il seru 
mieills un galiador Gami qe’il suifise uerais? Arch. 33, 329a, 
28 und 59 VI Pustd’en son oil e cranc, Qui’us me cuid'aver 
forducha B. Chr. 108. 

Als ihm nun seine Angebetete die Freundschaft auf¬ 
sagte, geriet er in grosse Aufregung (s. I 2. 7 und 8) und 
wandte sich in seiner Not um Rat an die donsela Ala- 
manda (I 1). 

c) Dichtgattung und Autorschaft. 

Keine der 14 Hdss., in denen das Gedicht steht, ent¬ 
hält eine Angabe Uber die Gattung, der es zugehöre; in 
denjenigen Manuskripten, welche die Dichtungen nach ihren 
Arten geordnet enthalten, ist es den „Liedern“ eingereiht: 
in D, dessen fol. 1—118 Lieder und fol. 143—151 Tenzonen 
aufweisen, steht es auf fol. 11 und 12 und in I, in dem 
sich die Lieder auf fol. 11—150 befinden, auf fol. 23. Daher 
ist es denn auch in Bartschs Verzeichnis unter 242,69 nicht 
als Tenzone bezeichnet, und Maus, Peire Cardenals Strophen¬ 
bau S. 21, sowie Thomas a. a. O., S. 18, Anm. halten es 
für eine Kanzone. Hingegen nennt es Chabaneau (H. L. 
10, 328a) Tenzone, ebenso Zenker, die prov. Tenzone S. 
48 u. 85, Knobloch, die Streitged. im Prov. und Afz. S. 15, 
Selbach, Streitgedichte S. 54, Jeanroy a. a. O., S. 293/4, 
Stimming zu BBorn 2 6,25 und Appel, Chrestomathie S. 129, 
und dies mit Recht, denn nicht nur der Form nach ist es 


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34 


ein Streitgedicht, sondern auch seinem Inhalte gemäss kann 
es für solches gelten, da, wie Diez, Poesie der Troub., S. 
114, 187/8 bemerkt, auch blosse Zwiegespräche über per¬ 
sönliche Verhältnisse, bei denen zuweilen ein bitterer Wort¬ 
wechsel stattfindet, den Tenzonen beizuzählen sind. 

Trägt man nun auch kein Bedenken mehr, in dem 
Gedichte eine Tenzone zu sehen, so gehen doch hinsichtlich 
der Frage, ob die Tenzone eine fingierte oder eine wirk¬ 
liche sei, d. h. ob Guiraut das Ganze allein oder ob er die 
Strophen mit Alamanda abwechselnd gedichtet habe, die 
Meinungen auseinander. Appel führt in seiner Chrest. S. 
129 das Gedicht als fingierte Tenzone auf; dagegen zählt 
es Knobloch S. 15 zu den wirklichen Tenzonen, Selbach 
S. 38, obwohl er nach seiner Bemerkung S. 56 die razo 
noch nicht kannte, und Zenker S. 48 nehmen gleichfalls für 
die Entstehung des Gedichtes das persönliche Zusammensein 
der Dichter an, Barbieri (s. Mussafia, Sitzungsber. der phil.- 
hist. Klasse der Wiener Akad. d. Wissschft., Bd. 76 S. 209) 
reiht Alamanda allein auf Grund dieses Gedichtes den tro- 
bairitz ein, und Chabaneau (H. L. 10, 320a u. 327 b), sowie 
O. Schultz, die prov. Dichterinnen, S. 9 und 19 nehmen 
keinen Anstand, die 2., 4., 6. und 8. Str. nebst der 2. Torn. 
als von Alamanda selbst herrührend zu betrachten; auch 
Stimming zu BBorn 4 7,73 citiert Worte der „Alamanda“. 

Wenn nun auch die Hdss. in der Ueberschrift nur 
Guiraut als Verfasser des Gedichtes vermerken, so genügt 
doch dieser Grund keineswegs, um Alamanda ihren Anteil 
an der Autorschaft gänzlich abzusprechen; denn „il arrive 
souvent que le nom seulement de l’un d’eux soit donn6“, 
sagt Jeanroy S. 291/2 von den Tenzonendichtern, und „c’est 
l’usage presque constant des Chansonniers franqais.“ Es 
lassen sich aber für die persönliche Teilnahme der Zofe an 
der Abfassung des Gedichtes auch noch verschiedene Gründe 
geltend machen: 


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35 


1. Allem Anscheine nach ist Alamanda eine Dichterin 
gewesen; denn 

«) Chabaneaus Vermutung (H. L. 10, 328 Anm. 1), 
die Tenzone Bona dona , tan vos ai fin eoratge B. Gr. 461,56, 
welche bei Selbach S. 102 und bei O. Schultz, Dichterinnen 
S. 29 gedruckt ist, sei ein von Alamanda und ihrer Herrin 
verfasster Dialog, der sich auf Guirauts Liebespein beziehe, 
findet ihre Bestätigung in dem zu Guirauts eigenen An¬ 
gaben passenden Inhalt, an welchen sich auch Bemerkungen 
wie die von Guiraut in 39 I gemachte Ja m vai revenen 
D'un dol e d’un’ira Mos cors, quar aten Per sod hon coven 
Amnen e jai, Per qu'ieu chantarai; Qu’ogan non ehantera, 
Pos vergiers ni pratz No m'adui solatz Ni chans per plais- 
satz , Que l'auzelet fan Vas lo tom de Van MW. 1, 192 recht 
gut anschliessen, ferner aber auch darin, dass Guirauts Ge¬ 
liebte in der That, Guirauts Worten in 40 VI zufolge No 
m'es uis ben egaill Com desir e badaül E uiua cossiros E 
qu’ella chan D'autrui dol sas (dolsas M.) chansos Arch. 33, 
319a, 104, gleichfalls gedichtet zu haben scheint; 

ß) wenn Bertran von Born in dem unserer Tenzone 
nachgedichteten Sirventes (B. Gr. 80, 13, Stimming, S. 151, 
25j sagt: Conselh volh dar ed son de n'Alamanda, so ist 
darin wohl nicht nur ein Hinweis auf das unter dem Namen 
der Alamanda bekannt gewesene Gedicht zu erblicken, wie 
Bartsch, ZfrP. III 409 ff., Thomas, Bertr. de Born S. 18, 
Anm. u. Witthoeft, Sirv. jogl. S. 54 meinen. Vielmehr 
scheint Bertran, wie Uc von San Circ „ed son d'en Armut 
Plagues“ (457, 21, 4) und „en aquest so d’en Gui“ (457, 42, 
1). Peire Bremon „ed so de ser Gui “ (330, 20, 1) und Guilhem 
von Berguedon „en est so velh antic Que fetz n'Ot de Mon- 
cada “ (210, 7, 3; s. Chabaneau, H. L. 10, 369a) zu dichten 
vorgeben und damit auf die von ihnen nachgeahmten Dichter 
hinweisen, gleichfalls mit jenen Worten andeuten zu wollen, 
dass er sich der von der Dichterin Alamanda verwendeten 


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36 


Strophenform bedient habe 1 . Sind auch Singweise und Reime 
von Guiraut, als dem ersten Interlokutor, geschaffen worden 9 , 
so hätte doch Bertran immerhin nur e'l son de n'Alamanda 
Rat erteilen können, da ja Alamanda die Ratgeberin, 
Guiraut dagegen der Empfänger des Rates gewesen ist. 

2. Guiraut spricht selbst davon, wie sehr er in seinen 
Liebesangelegenheiten fremden Rates bedürfe; so heisst es in 
dem im zweiten Jahre seines Dichterberufes (s.Str. II, cit. S. 24) 
entstandenen Lied 5, Str. VII: Er dir an tug qu’ieu dis ogan 
Qvüa tot turne qui ben ames Agr ’ ops un bon amic trobes, On 
de re no s'anes dubtan; Quar us no sab de que ni quan 
Li er ops qu'om lo cosselhes, Per qu y ieu die qu'a'ls fis ama- 
dors Es valedors Cosselh(s) privatz MW. 1,190. Da er aber, 
wie wir S. 26/7 sahen, keinem seiner Freunde von seinem 
Liebesverhältnis auch nur die geringste Mitteilung zu machen 
sich getraute, so blieb ihm nichts anderes übrig, als die 


1 Wenn von dem Gedichte des Mönchs von Montaudon Fort m'e- 
noja (B. Gr. 305, 10) die razo in R besagt, es sei el so» de la Bossa 
verfertigt, und nach Philippson, Mönch von Mont.. S. 96, Klein, Mönch 
von Mont., S. 103 und Maus, a. a. O. S. 19 diese Bemerkung auf BBora 
37 als Vorbild hinweist, weil dieses Gedicht wegen seines Refrain Wortes 
rassa unter diesem Namen bekannt gewesen sei, so wäre es auch hier 
nicht ausgeschlossen, dass auf den Urheber der Vorlage selbst angespielt 
werden sollte, der ja auch nebenbei Rassa hiess, denn Bertrans de Born 
si s'apellava Rassa ab lo comte Jaufre de Bretanha (Stimming BBorn, 
S. 121). 

2 Tenzone I und III könnten Selbach für seine Behauptung (8. 100), 
dass es in der That originale Strophenformen von Tenzonen gebe, den 
von Appel, LfgrP. 8,78 verlangten Beweis an die Hand geben, da Guir. 
sich kaum je, indem er andere nachgeahmt hätte, mit fremden Federn 
geschmückt haben würde, wozu er (s. S. 6 u. Anm. 1) auch zu stolz gewesen 
wäre; sehr abfällig beurteilt er solche Eingriffe in fremdes geistiges 
Eigentum in 67 V: us s' en fazta clamaire De’ls ditz , don autr'era laire % 
Com fes de la gralha paus MW. 1,197. Andrerseits wird Ged. VI mit 
Bezug auf 437,10=76,2 Appels Worte, „dass unsere Unkenntnis des 
Vorbüdes noch nicht für die Originalität der Strophenform entscheidet,* 
bestätigen. 


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wohl von ihrer Herrin eingeweihte Zofe um Rat und Ver¬ 
mittlung anzugehen. 

3. Was den Stil, den Inhalt und die Lebhaftigkeit der 
Wechselrede angeht, so würde zwar das sechsmalige que in 
der 1. Str., düe parenthetische Stellung des y. 19, die 
Anakoluthie in v. 21—23, das Auslassen der den Ein¬ 
wand einleitenden Worte nach v. 27 und die bittere Ironie 
der Alamanda in v. 32 auch in einer fingierten Tenzone 
denkbar sein; auffallender für eine solche wäre aber 
der Umstand, dass der Dichter der Zofe in v. 37/8 für den 
Fall, dass sie nicht schweige, Schläge anbietet, was doch 
voraussetzen lässt, dass sie in seiner Nähe sei und zu ihm 
spreche. In einer fingierten Tenzone hätte er auch Worte, 
durch welche ihm die Gunst der donsela, an deren Für¬ 
sprache ihm ja gerade so viel gelegen ist, für immer ver¬ 
loren gegangen wäre, gewiss nicht stehen lassen, da hätte 
er auch sein unhöfliches Betragen nicht mit der schnell 
wechselnden Stimmung des Liebhabers (s. 52/3) entschuldigen, 
und ebensowenig hätte ihm von Alamanda verziehen und 
Unterstützung zugesagt werden können, wenn dieselbe nicht 
jene Grobheit seiner augenblicklichen, von ihr selbst beob¬ 
achteten Erregung zu Gute gehalten hätte. 

4. Zur Zeit des Bruches, der unser Streitgedicht ver- 
anlasste, lebte Guiraut am Orte seiner Geliebten, also auch 
in Alamandas Nähe; dies ergiebt sich aus 49 II u. DI: 
Al car si saubesson üh Quan sai valgr’us paues cortils Mais 
c’ab eh us palaitz grans. Mout m'es lor solatz estrans, Eparra 
me deshonors, S’ai eh tom e m’encontrada. Qui m’o lauza, 
be noni vol, E tu, vars cors, qu'o volguist Que tan clar’amors 
rovilh, En re no fist que gentih B. Lb. 66, 11, sowie aus 
35 V: De h lausengiers me tenc molt per pagatz — Zo qe 
no’n fa hom mais, de mi Vengage — Car m'an faidit de l 
pah on estaz; Q'en tan m'era lo uer(s) deufs) d’agradage, 

Q’eu fora morz; qe fins amics, qan ue Zo ch’ama fort, e altra 

8 


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pro no'i te, Mor de desir, don uoill mais qe m’aucia Amor(s) 
cai (1. f ai=sai) loing qe lai, si non l’auia Arch. 33, 308 a. 

6. Ist auch das Zeugnis der razo nicht unbedingt 
entscheidend, so zeigt es doch zum mindesten, dass man 
schon zur Zeit der Abfassung derselben gegen die Annahme 
von Alamandas Autorschaft für die betreffenden Strophen 
keine Bedenken hatte. Auch bei Raimon Vidal, der seiner 
Novelle So fo e’l ternps c’om era iays Guirauts Liebesver¬ 
hältnis zu Grunde gelegt zu haben scheint 1 , wenngleich er 
die Schicksale desselben später mit denen andrer Trobadors 
verquickt haben mag — so z. B. spielen die 7 Jahre unbe- 
lohnter Liebe (v. 121, 191, 243 etc.) bei Gaucelm Faidit (H. L. 
243 b) eine Rolle —, geht der Ritter die Zofe persönlich um 
ihre Vermittlung an. 

Nach alledem möchte ich mich der ja auch mehr ver¬ 
tretenen Ansicht derer zuneigen, welche in dem Dialoge 
eine wirkliche Tenzone sehen. 

d) Metrisches. 

Das Gedicht besteht aus 8X8+2X2 Versen oder aus 
4 Strophenpaaren ( coblas doblas) und 2 Geleiten ( tomadas ). 
Das Schema der Strophe ist: 

10a- 10a- 10a- 10a- 10a- 4b 10a- 6b. 
a, ist anda, a s onda, a„ era, a 4 uda, b ist durchweg 
atz. Hinsichtlich der Gliederung der Strophe wird die Ver¬ 
öffentlichung der zu dem Liede gehörigen Noten aus der 
Hds. R abzuwarten sein. 

Eine lyrische Cäsur findet sich in v. 36. 

Bei Maus ist das Gedicht S. 87 unter Nr. 3 und S. 97 unter 
Nr. 22 erwähnt. Ebendaselbst S. 21 und in der Anm. dazu 

1 Raimon lässt seinen Helden gleichfalls in Guirauts Heimat, der 
Gegend von Essiduelh, zu Hause sein (ed. Cornicelius v. 4) und giebt ihm 
nur wenig Vermögen (v. 14/5), citiert nicht nur Guiraut häufig mit Quellen¬ 
angabe (z. B. v. 269, 291, 320), sondern spricht auch sonst in seinen Aus¬ 
drücken (v. 180:148; 192:48,14 u. 2) oder doch in seiner.Weise (v. 276/7:1 
1 u. 2; 264/6:19/10; 807:1 63). 


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39 


S. 91 ist auch von Entlehnungen seiner Strophenform die 
Bede. Dass sich Bertran von Born in seinem Ged. D'un 
sirventes no-tn cal far lonhor ganda Guirauts Si’us quer 
coseih zum Vorbilde genommen hat, unterliegt keinem Zweifel. 
Anders ist es mit Peire Cardenal 45, für das mit Maus 
Entlehnung der Form anzunehmen, bei der Verschiedenheit 
des Versmasses und des Versgeschlechtes nicht angängig 
sein dürfte. Spräche man aber dennoch von einer Nach¬ 
ahmung durch Peire, so würde Bartschs auch von Maus 
aus ZfrP. 3,409 herangezogene und acceptierte Ansicht, weil 
Bertran Sirventesendichter gewesen sei* habe sich Peire 
hier unzweifelhaft an Bertran und nicht an Guiraut ange¬ 
lehnt, hinfällig, wenn man bedenkt, dass auch Guiraut eine 
Anzahl Sirventese gedichtet (s. S.14/5) und dass ja Peire auch 
sonst nachweislich (s. Maus, S. 46 ff.) Guiraut nachgeahmt hat. 
Was Tomier (s. Maus, S. 91) betrifft, so hätte Maus, nach¬ 
dem er einmal angenommen hatte, Peire sei in der Reim¬ 
folge Bertran gefolgt, sagen können, dass gerade die 
Neuerung in der 7. Zeile bei Tomier darauf hinzudeuten 
scheine, dass dieser es war, der P. Cardenals Form modi- 
ficiert hat. 

II (242,14=287,1). 

Die dunkle Manier. 

a) Inhalt. 1 

I. Linhaure ersucht Guiraut um Aufschluss darüber, 
warum er denn eigentlich die dunkle Dichtweise tadle, deren 
Anwendung einem doch allein die Möglichkeit gewähre, sich 
in dem grossen Dichterhaufen hervorzuthun. 


1 vgl. Millot 2,11, Diez, L. u. W. 132, Poesie 72, Hist. litt, de 
la France 17, 461, Brinckmeier, die prov. Troub. S. 164 u. die prov. 
Troub. als lyr. u. polit. Dichter 8. 166, Azals, Les troub. de B4z. S. 
XXIV, Balaguer 1, 166, Knobloch 8. 17, Selbach 8. 66, Zenker 8. 86. 
— An verschiedenen Stellen dieses Gedichtes ist die Deutung höchst un¬ 
sicher, demgemlss auch die Gestaltung des Textes problematisch. 


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40 


II. Guiraut stellt jedem anheim, zu dichten, in welcher 
Weise es ihm beliebe; er seinerseits hält es aber für ver¬ 
dienstlicher, die Gedichte in einer gemeinverständlichen Art 
abzufassen. 

m. Linhaure wünscht, dass seine mit so grosser 
Mühe verfertigten Gedichte auch recht gewürdigt und nicht 
mit den niedrigen poetischen Erzeugnissen gewöhnlicher 
Dichter in eine Eeihe gestellt werden (?); er schreibe nur 
für ein kunstverständiges Publikum. 

IV. Guiraut bemerkt, auch er scheue keine Arbeit 
beim Dichten; jedoch gehe sein Bemühen gerade dahin, seine 
Gedichte recht klar und möglichst vielen zugänglich zu 
machen; die grosse Verbreitung, die sie dann fänden, sei 
der beste Lohn für die auf das Dichten verwendete An¬ 
strengung. 

V. Linhaure bleibt dabei, dass es ihm mehr Genug- 
thuung verschaffe, wenn auch nur für wenige etwas Be¬ 
sonderes, als etwas Gewöhnliches für viele geschaffen zu 
haben. 

VI. Guiraut meint, ein treuer Liebender beabsichtige 
nur Gutes mit seinem Widerspruch; sollte aber jemand eins 
seiner bei der grossen Masse beliebt gewordenen Gedichte, das 
schwerer zu verfassen sei als ein dunkles, unverständliches 
Lied, dennoch abfällig beurteilen, so mag er, wenn er auch 
seine Missbilligung nicht zu begründen wüsste, es immerhin 
bei seinen Leuten durch schlechten Vortrag in Verruf 
bringen (?). 

VII. Linhaure versteht seinen Mitunterredner plötzlich 
garnicht mehr 1 ; er fühlt aber wohl den Argwohn Guirauts 
heraus und bricht daher das betreffende Gespräch ab, um 
sich seine gute Stimmung nicht zu verderben. 


1 „Mir scheint, dass Guir. in scherzhafter Absicht selbst eine dunkle 
Strophe gemacht hat, und Linh. nunmehr erklärt, er wisse auf einmal 
garnicht mehr, wovon sie eigentlich reden.“ T. 


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41 


VIII. Guiraut entschuldigt sich wegen des von ihm 
angeschlagenen Tones damit, dass die Treulosigkeit seiner 
Geliebten ihm seit einiger Zeit den Kopf verdreht habe. 
Er sei ja nicht des Grafen Untergebener, könne sich also 
auch nicht beklagen, von ihm als seinem Herrn ungerecht 
behandelt worden zu sein(?). 

IX. Linhaure bedauert, dass Guiraut ihn zu Weih¬ 
nachten verlassen wolle. 

X. Guiraut muss scheiden, da man ihn am königlichen 
Hofe erwarte. 

b) Das trobar eins und die Veranlassung zu dem 
Gedichte. 

Ueber das trobar (oder cantar) clus (oder ear, rie, oscur, 
sotil, cobert), die dunkle, schwere, reiche oder versteckte 
Dichtweise, welche im Gegensätze steht zum trobar leu 
(i Imgier, plan), der klaren, hellen, leichten oder einfachen 
Manier, vergleiche man Diez, Poesie S. 70 u. 100, L. u. W. 
S. 131 und 351, Hist. litt, de la Fr. 17, 450, Bartsch im 
Jb. 1, 195, Fauriel 2, 85, Canello, Arn. Dan. S. 17, 
sowie Gröber im Grundriss 1, 4, (Iber das chiuso parlare ( dit- 
tato forte oder sottile) in der altital. Liederpoesie Diez, Poesie 
S. 277 und Gaspary, die sicil. Dichterschule des 13. Jhdts. 
S. 107. 

Hier kann es sich nur um den Standpunkt handeln, 
welchen Guiraut von Bornelh zu den beiden Dichtweisen 
eingenommen hat. Eine Zeitlang ist auch er Anhänger 
und Verteidiger der überklinstlichen Manier gewesen, um 
sich dann aber entschieden der einfachen Dichtweise zuzu¬ 
wenden; dies zeigt sich besonders deutlich in 51 VHI u. IX: 
E vos entenäetz e veiatz Que sabetz mon lengatge, Quoras que 
fezes motz serratz, S’eras no'ls fatz ben esclairatz. E soi m’en 
per so esforsatz Qu'entendatz cals chansos eu fatz MW. 1,187. 

Folgende Stellen zeigen ihn noch als Freund des 
trobar eins: 10 VII E qui (1. cid) parra greus Vapenres De 


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42 


mon ehantar, No s'en laisse MG. 865; 72 VI Mas per miels assire 
Mon xan (1. chari), Vau cercan Bos motz e cre Que son tug 
eargat e ple D'us estrains sens naturals, E no sabon tuü de 
quals Arch. 36, 414 und 42 II u. III Mas eras diran Que, 
si m’esforsses, Cum leuieitz (leuet MU) chantes, MieiUs estera 
asatz. E non es uertatz, Que sens e cartatz Adui pretz e 
dona, Si cum l'uchaisona Nosens eslaissatz. Mas ben cre Que 
ies ehantar se (ies chan(s) dese M) Non ual a’l comenssamen 
Tarnt qant puois, qand hom Venten . . . Car s’ieu ioing ni 
latz Menutz motz serratz, Puois en sui lauzatz, Qan ma razos 
bona Par ni s’abandona; Com ben enseignatz . . Non uol 
a'l mieu escien Ca totz chan comunalmen Arch. 33, 316,18. 
Aus letzterer Stelle scheint schon hervorzugehen, dass es 
Guiraut bald vor allem daran lag, in seinen Liedern verstanden 
zu werden, und dass es insbesondere fremdem Einflüsse zu¬ 
zuschreiben war, wenn er eine Anzahl seiner Gedichte in der 
dunklen Manier verfasste. Von diesem Einflüsse suchte er 
sich später frei zu machen; dennoch blieben in seinen Dich¬ 
tungen immer noch genug Worte zurück, deren Verständnis 
so ohne weiteres nicht möglich war. Fragt er in 66 III 
E tu non entens Qu’ieu fas motz ben aprendens E ses maestria? 
MW. 1, 200, so spricht er sich selbst über sein nicht in 
jedem Falle von Erfolg begleitetes Bemühen um Deutlichkeit 
in 16 I unumwunden aus: Aras sim fos en grat tengut, 
Preir’ieu ses glut Un chantaret prim e menut, Q'e‘1 mon non 
a Doctor que plus prim ni tant pla Lo preses Ni mieills 
Vafines; E qui crezes Caissi chantes, Polira, Forbira Mon chan 
Ses affan Oran. Mas allor (1. a'l lor) veiaire, Car non sabon 
gaire, Faitt, car no l'esclaire D’aitan Que Ventendessm neus 
l’enfan Arch. 51, 21. Wie ernst es ihm aber mit dem 
Uebergange von der dunklen zur klaren Dichtweise gewesen 
ist, mögen folgende Stellen aus seinen Gedichten bezeugen: 
79 I Tot soauet e de’l (de V) pas Rizen jogan Vauc un 
chantaret planan De ditz escurs Cus noi remaigna Arch. 
34,400a, ferner 7 I A'l plus leu qu'ieu sai far chansos, Cum, 


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43 


seih que daur'ez estanha, Mi empren eras, mos doptos, Suj 
mm saber non s'en franha (Sol mos sabers no'm soffraingna I); 
Mas per tal mi platz assajar Cum leu chansoneta fezes, 
Quar so chanfom mais qu'es meyns car, Per qu’eu uau planan 
mm chantar D'escurs digz qu'om leu Vaprezes MG. 205 und 
schließlich 11 I bis EU A penas sai comensar Un vers que 
vudh far leugier; E si m’ai pessat des ier Que'l fezes de tal 
razo Que Ventenda tota gens, E que'l fassa (1. fass'a) leu 
chantar, Qu'ieu l fas per plan deportar. Be l saupra plus 
cubert far, Mas nm a chans pretz mtier, Quan tug no'n sm 
parsmier. Qui que's n'azir, mi sap bo, Quant aug dire per 
cmtens Mo smet rauquet e clar, E Vaug a la fmt portar. 
Ja plus (pois A, Arch. 51,24b) volrai clics trobar, Nm eug 
aver mon (maint A) parier, Ab so que hm ai mesüer A far 
una leu chanso; Qu'ieu eug qu'atrestan grans sens Es, qui 
sap razm gardar Cum de'ls motz mtrebescar MW. 195/6. 
Das letzte Citat zeigt, dass Guiraut in Ged. 11 zum ersten 
Male seine neuen Grundsätze darlegen und zur Anwendung 
bringen wollte. Durch die Worte Qui ques n'azir . . . 
musste sich natürlich ein Mann, wie der in 42 ELI (cit. S. 42) 
erwähnte om ben enseignatz, welcher ihn bisher davon ab¬ 
gehalten hatte, „für alle“ zu dichten, aufs höchste getroffen 
fühlen, und es konnte nicht ausbleiben, dass Linhaure, der 
die dunkle Manier zu der seinigen gemacht hatte und der 
vielleicht gar unter jenem om enseignatz gemeint war, Guiraut 
wegen der von ihm eingeschlagenen entgegengesetzten 
Richtung zur Rede stellte. Dass Ged. 11 in der That die 
Veranlassung# zu der Fragestellung des Linhaure und so zu 
unserem Zwiegespräche gegeben habe, das meint schon Diez, 
Poesie S. 72, und dieser Ansicht wird man auch, wie sich im 
nächsten Abschnitt (5. Arg.) zeigen wird, vom chronologischen 
Standpunkte aus zustimmen können. 

c) Dichtgattung und Autorschaft. 

Das Gedicht ist in 4 Hdss. erhalten; E und R nennen 
es in der Ueberschrift eine Tenzone, während die beiden 


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andern über seine Gattung nichts andeuten, wenn auch D‘ 
es nicht unter den auf fol. 199c—211a zusammenstehenden 
Tenzonen, sondern auf S. 183 unter den Liedern bringt 
(s. Gröber, Rom. Stud. 2, 463). In Anbetracht der Form 
und des Inhalts des Gedichtes ist an der Angabe von E 
und R nichts auszusetzen; daher wird es auch von Bartsch 
im Grundriss als Tenzone vermerkt und allgemein als solche 
anerkannt. Dass die Tenzone eine wirkliche sei, zeigt be¬ 
sonders das erste Geleit, in welchem Linhaure sein Bedauern 
darüber ausspricht, dass Guiraut im Begriffe stehe, ihn zu 
verlassen, was doch auf ein persönliches Zusammensein der 
Dichter schliessen lässt. 

Als Verfasser des Streitgedichtes ergeben sich aus den 
im Gedichte verwendeten Anreden Linhaure und Guiraut 
von Bornelh, welche denn auch in der Ueberschrift des 
Gedichtes in E genannt sind. D* und N* setzen den Namen 
des Raimbaut von Aurenga über das Gedicht, was Mussafia, 
Del Cod. Est. di rime prov. R. 391 Anm. 2 für einen Irr¬ 
tum hält, der insofern leicht möglich gewesen sei, als die 
Worte des Linhaure ganz im Sinne des der dunklen Manier 
huldigenden Raimbaut von Aurenga gesprochen waren, wie 
auch Chabaneau diese Attribution in der Rdlr. 19, 288 als 
evidemment erronnee bezeichnet, da ja Linhaure ein auch 
durch den Planh Guirauts (242,65) bekannter Trobador 
gewesen wäre. 

Die Frage, was denn den Veranstalter von D* und 
N* oder ihrer gemeinschaftlichen Quelle veranlasst haben 
mag, Raimbaut als den Verfasser oder Mitverfasser des 
Gedichtes zu nennen, schien mir einer näheren Unter¬ 
suchung wert, die dann auch keine vergebliche gewesen ist. 
Es hat sich nämlich gezeigt, dass D* und N* mit ihrer An¬ 
gabe völlig im Rechte sind, denn Linhaure and Raimbaut 
von Aurenga sind eine and dieselbe Person. 

Die Argumente, welche mich zu diesem Resultate 
geführt haben, seien hier zusammengestellt: 


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45 


1. Es ist nicht gut denkbar, dass der Veranstalter 
einer Sammlung ein Gedicht, in dessen erster Zeile der ihm 
bekannte Trobador Guiraut von Bornelh angeredet wird 
und dessen Str. III, V, VII u. IX mit dem Namen Guiraut 
beginnen, während die Anfänge der Str. II, IV, VI, VIII 
und X Linhaure als den Unterredner erkennen lassen, dem 
Raimbaut von Aurenga ganz oder teilweise zugeschrieben 
hätte, wenn dieser bei der Abfassung desselben völlig un¬ 
beteiligt gewesen wäre. Vielmehr zeigt dieser Umstand, 
dass der im Gedichte von Guiraut von Bornelh als Linhaure 
Angeredete in Wirklichkeit den von D* und N 2 in der 
Ueberschrift angegebenen Namen Raimbaut d'Aurenga ge¬ 
habt habe. 

2. Der Name Linhaure 1 ist als Versteckname ver¬ 
wendet worden. Gaucelms Faiditz, heisst es in der Biographie 
dieses Dichters (H. L. 10, 246 b), si apellava . . . Lignaure 
en Baimon d’Agot 2 . 

8. Zur Anrede höher geborener Unterredner und 
Gönner bedienten sich die Trobadors öfters der Versteck- 


1 Für den Namen Linhaure giebt Emeric-David, Hist. litt, de la 
Fr. 17, 449 die kaum ernst zu nehmende Etymologie „ignore res (qui 
n’ignore rien)“. Ich versuchte, den Namen als vielleicht aus link aure 
oder in der Form der Hdss. D* u. N 2 „Linhaura“ aus ltnA'aur(e)a her¬ 
vorgegangen und als das Produkt eines mit Anspielung an den Namen 
Aurenga — wenngleich dieser mit aur (Gold) nichts zu thun habe, 
sondern eine Umbildung von Arausica, Arausio sei — von Guiraut ge¬ 
machten und möglicher Weise (s. d. nächste Anm.) von G. Faidit nach¬ 
geahmten Wortspieles zu erklären ; Herr Prof. Tobler hält jedoch diese 
Deutung, „wobei aure — aureus (durchaus unvolkstümliches Wort) wäre“, 
fhr verfehlt und bemerkt, unter Berücksichtigung des altfranzösischen 
Lai d* Jgnanre (s. Bartsch, Langue et littär. 553, sowie Rom. 7,459 und 
8.368), das Gaston Paris, La litt^r. fran^aise au moyen flge* ß. 247 
ins letzte Drittel des 12. Jahrhunderts setzt, „Vielleicht ist aus n’Jgnauro 
durch Dissimilation L’Jgnaure entstanden, dessen L mit dem Namen 
verwuchs“. 

2 Wenn Rob. Meyer, das Leben des Trob. G. Faydit, S. 57 diese 
Bemerkung des Biographen für „jedenfalls unrichtig“ hält, weil ja Li- 


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namen, um ihr Verhältnis zu jenen vertraulicher zu ge¬ 
stalten und sich nicht fortwährend durch den Gebrauch der 
wahren Namen oder Titel an den zwischen ihnen bestehen¬ 
den Rangesunterschied erinnern zu lassen. So nennt 
R. von Miraval den Grafen Raimon VI. von Toulouse seinen 
Audiart und R. von Vaqueiras den Grafen Guilhem von Baux 
Engles (s. H. L. 10, 274a u. 295b), und so erklärt es sich 
auch, dass Guiraut den Linhaure, den er in 17 VIII und 
65 II moe Linhaure nennt, in unserer Tenzone anfangs 
Senker Linhaure , nachher aber, ihn nicht mehr als den 
Grafen, sondern nur noch als Kunstgenossen und Freund 
betrachtend, einfach Linhaure anredet. 

4. Raimbaut von Aurenga und Linhaure residierten 
an dem nämlichen Orte. Raimbaut war in Orange (d6p. 
Vaucluse, Provence) zu Hause (s. H. L. 10, 284a), Linhaure 
gleichfalls in der Provence (vgl. Guiraut 65 IX) und zwar 
nach 17 VIH lai pari Lers , d. h. in Orange, denn Lers an 


gnaure „nachweislich der wirkliche Name eines provenzalischen Ritters* 
war, nämlich desjenigen, der „Guir. v. Bornelh befreundet war und mit 
ihm eine Tenzone dichtete* (S. 66), so hat 'er eben nicht erwogen, dass 
auch Guiraut diesen Namen für seinen Freund als senhdl angewendet 
haben konnte, wie doch oft dieselben Verstecknamen von verschiedenen 
Trobadors auf verschiedene Personen bezogen worden sind. In der That 
hatte auch Braeric-David (Hist. litt, de la Fr. 17, 449) schon in dem 
von Guiraut gebrauchten Namen Linhaure einen senhal gesehen, wenn 
er auch fälschlich glaubte, dass Alphons II. von Aragon damit bezeichnet 
worden sei, dem gegenüber Guiraut doch aber sein Scheiden nicht damit 
hätte entschuldigen können, dass er an „den königlichen Hof“ gehe. — 
Vielleicht hat nach Guirauts Vorgang auch Gaucelm Faidit einen späteren 
Verwandten des Raimbaut mit „Linhaure“ bezeichnen wollen. Da sich 
der Versteckname auf den von der Biogr. (H. L. 10, 246 b) genannten 
Raimon von Agot in der That nicht beziehen kann, weil in den Geleiten 
von 167, 37 und 46 (MG. 71 u. 121) beide, Linhaure und Agot, zugleich 
Vorkommen, so könnte man bei Gaucelms Linhaure an Wilhelm IV. von 
Orange denken, welcher ja auch ein Gönner der Trobadors war (s. Diez, 
L. u. W. 263. 396 Anm. 646) und Herrn Agoult nahe stand (s. H. L. 
10, 286a und B. Gr. 209,2 III). 


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47 


der Rhone grenzte an die in der Diözese Orange gelegene 
montagne Bellebuissonne (cf. Barth41emy, Inventaire des 
Chartes de la maison de Baux, Marseille 1882, Nr. 1807, 
1428, 629 u. 1727). 

5. Beide lebten zu derselben Zeit. In dem Schmäh¬ 
lied des Peire von Alvernhe sind Guiraut von Bornelh und 
Raimbaut von Aurenga als Zeitgenossen genannt (B. Chr. 
80, 11 u. 81, 17, cf. Appel, P. Rog., S. 10); Guiraut war 
aber auch Linhaures Zeitgenosse, wie die von beiden zu¬ 
sammen gedichtete Tenzone, sowie 17 VIII und Gedicht 65 
zeigen, demnach werden auch Raimbaut und Linhaure 
gleichzeitig gelebt haben. Dazu stimmt, dass diejenigen 
Gedichte, in welchen Linhaure als noch lebend vorkommt, vor 
1173, dem Todesjahre des Raimbaut von Aurenga, gedichtet 
sein können. Es sind dies neben der Tenzone die Gedichte 
17 und wahrscheinlich 37, wenn nämlich Hds. R mit Linaure 
in Str. VII (MG. 841) gegenüber den anders lesenden Hdss. 
ABN Recht behält. Die Tenzone ist allem Anscheine nach 
mit der Satire des Peire von Alvernhe, welche vor 1173 
entstanden ist (cf. Appel, P. Rog. S. 10), ungefähr gleich¬ 
zeitig gedichtet worden. Beide Dichtungen scheinen nämlich 
durch dasselbe Gedicht, Guiraut 11, beeinflusst worden zu 
sein. Betreffs unserer Tenzone wurde das schon S. 43 be¬ 
merkt, und diese ist dann gewiss nicht lange nach jenem 
Gedichte Guirauts, von dem Linhaure als Freund und 
Gönner des Verfassers schnell Kenntnis erhalten haben mag, 
sobald Guiraut wieder zu ihm kam, gedichtet worden. Peire 
ist wohl zu seinem Urteil, Guirauts Gesang sei ein chans 
de velha portaseih (B. Chr. 80,14), durch dessen eigene Worte 
in 11 II mi sap ho, quan . . l'aug a la font portar veran¬ 
lasst worden. Er hatte aber wahrscheinlich bei der Abfassung 
seines Sirventeses auch von anderen bereits vorhandenen 
Dichtungen Guirauts Kenntnis. Ged. 17 könnte mit seinen 
Str. III und VII bei ihm das Gleichnis mit dem oire sec 
und die Epitheta magre und dolen für Guirauts cantar her- 


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48 


vorgerufen haben, aber auch sonst hindert uns nichts, Ged. 
17 vor 1173 anzusetzen. Was schliesslich Ged. 37 betrifft, 
so ist Diez’ von Millot 2, 8 übernommene Angabe, es sei 
zwischen 1217 und 1230 entstanden (s. Diez, L. u. W. 

S. 133), in der Hist. litt, de la Fr. 17,449 und von Suchier, 
Jb. 14,305 Anm. bereits dahin richtig gestellt worden, dass 
es eher zwischen 1158 und 1188 gedichtet worden sei. 

6. Raimbaut und Linhaure waren „Herren“ und 
„Grafen“. Von dem Trobador Raimbaut von Aurenga wird 
H. L. 3, 799 ausdrücklich konstatiert, dass er nicht ver¬ 
schieden sei von dem „fils de Guillaume d’Omelas etcomte 
ou seigneur d’Orange“; den Linhaure redet Guiraut H 8 
Senhe-n an, spricht 65 VI von der führenden Stellung, welche 
er im Lande eingenommen habe, und bezeichnet H 56 
(s. d. Anm. dazu) einen Untergebenen desselben mit dem Worte 
comtal. 

7. Beide zeichneten sich durch Tapferkeit aus. Raim¬ 
baut war ein bans cavailliers d’armas (s. d. Biogr.), und mit 
Linhaure hätte selbst Olivier sich nicht messen können 
(65 V). 

8. Beide waren Dichter. Raimbaut wird in der Biogr. 
bons trobaires de vers e de chansos genannt und hinterliess 
etwa 40 Gedichte (cf. H. L. 10, 376a), und dass Linhaure 
Verse machte, zeigt ausser II 16 u. 29 auch 65 VII, wo 
Guiraut Linhaures trobars esmeratz lobend erwähnt. 

9. Beide dichteten in der dunklen Manier. Von Raim¬ 
baut sagt die Biogr.: mout s’entendet en far caras rimas e 
clusas, und Linhaure zeigt sich als Anhänger des trobar 
eins in Str. I, III u. V der Tenzone. 

10. Beide waren Gönner der Trobadors. Raimbaut 
von Aurenga begünstigte z. B. den Peire Rogier, dessen 
Biogr. berichtet lonc temps estet ab en Raembaut d’Aurenga 
(H. L. 10, 261 a), und Linhaure, dessen largetatz in 65 VIH 
gerühmt wird, bedauert in II 57/8 Guirauts Abreise. 


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49 


11. Beide hatten Beziehungen zu Guiraut(von Bomelh). 
Linhaure und Guiraut von Bornelh waren Freunde nach 
17 VIH u. 65 II. Raimbaut von Aurenga entsendet einmal 
einen Boten Än Giraud, de cui ai peccat, A Perpignan, pari 
Laucata MW. 1,76; da aber Guiraut von Bornelh viel mit 
Alfons II. von Aragon verkehrte 1 , welcher häufig in Per¬ 
pignan residierte und schliesslich auch dort starb, so ist es 
nicht unwahrscheinlich, dass er mit jenem „Herrn Giraud“ 
gemeint gewesen sei, zumal da er auch späterhin mit 
der Familie der Baux in Verkehr gestanden zu haben 
scheint*. Der Titel „Herr“ dürfte, wenn auch Linhaure 
Guiraut in der Tenzone nirgends mit demselben anspricht, 
doch da, wo L. einem Boten gegenüber von G. redet, 
kaum Bedenken erregen; übrigens bedient sich Alamanda 
I 57 der Anrede: Senker Guiraut. 

12. Der eine und der andere wird als esenhatz gelobt, 
Raimbaut in der Biogr. und Linhaure bei Guiraut 65IV u. V. 

13. Beide zeigten eine grosse Verehrung für Frauen. 
Von Raimbaut sagt die Biogr.: Mout se deleitet en domnas 
onradas e en domnei onrat, und im Hinblick auf den Tod 
Linhaures sagt Guiraut 65 VI Ar es. . . dompneis oblidatz. 

14. Beide konnten in der Freude sehr ausgelassen 
sein. Betreffs Raimbauts genüge es, auf 389,1 hinzuweisen 


> g. Bern. 2 in dem Abschnitte b der Besprechung der Tenz. III. 

* Vielleicht ist unter der Pro contessa cui Proenea mante Et tot 
lo mal * fax tomar en he in 36 VII die Gräfin Tiburge, Raimbauts 
Schwester, zu verstehen, welche von 1181—1183 in Orange regiert zu 
haben scheint (cf. Barthdlemy a. a. O. Nr. 74 ff., sowie Chab., H. L. 10, 
296 Anm. 1 u. Schultz, Briefe 7 Anm. 21). In den beiden Bertrans, 
welche in 46 X erwähnt werden, mochte ich nicht, wie Diez, L. u. W. 
146, Guilbem von S. Didier und seine Freundin, die sich unter einander 
und mit Hugo Marschall „Bertran* nannten, sehen, sondern fiertran de 
Bauz I. und seinen Sohn Bertran. Das Gedicht wäre dann kurz vor 
dem Tode des älteren Bertran (1180/1, cf. Barthelemy Nr. 73-76) ver¬ 
fasst worden (8. Hist. litt, de ls Fr. 17, 448); l'us de'ls Bertran» in 
68 VI ist dann wohl der jttngere B. 


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50 


und daraus den von Diez, L. u. W. 63 übersetzten Satz 
anzuführen: „Soviel Freude habe ich, dass ich tausend Be¬ 
trübte damit bereichern könnte, und alle meine Verwandten 
könnten ohne Nahrung bloss von meiner Freude leben“; 
die bela foudatz des Linhaure wird von Guiraut in 65 VI 
besonders hervorgehoben. 

15. Beide schwören beim heiligen Marsal, Raimbaut 
389, 6 VI und Linhaure II 57. 

16. Der Tod beider fällt in dieselbe Zeit. Raimbaut 
starb gegen 1173 (s. Diez, L. u. W. 68). Auch Linhaures 
Ende lässt sich wohl auf 1173 ansetzen, wenigstens scheinen 
die in dem Geleite des Klageliedes auf den Tod Linhaures 
wohl an einen der Hinterbliebenen gerichteten Worte 65 X: 
jBeiz «eigner francs, si fos aciers Lo coms, si'm degra fax 
eartiers MG. 126 „wenn der Graf Stahl wäre, müsste er 
sich ergeben (F) 1 2 * * “ der damaligen Lage des Grafen Raimond V. 
von Toulouse zu entsprechen, welcher gegen den mit 
dem Hause Baux verbündeten* König Alfons II. von Aragon 
Krieg führte und wirklich diesen im Nov. 1174 um Frieden 
bat, nachdem er schon 1173 dem König Heinrich II. von 
England und 1174 dem Papste Alexander HI. unter¬ 
legen war. 

17. Beide starben in der Provence, Raimbaut in 
Courteson (Orange), s. H. L. 3, 799, und Linhaure in seiner 
Heimat (s. Guiraut 65 HI und IX). 

18. Beide starben vorzeitig. Raimbaut ist in dem am 
8. März 1155 ausgefertigten Testament seines Vaters als 
minderjährig erwähnt und erhält einen Vormund, der ihn 
erziehen, beschützen und zum Soldaten machen solle 8 (H. L. 
5, Sp. 1177); zur Zeit der darauf folgenden Urkunde vom 


1 s. auch Littre s. v. quartier 4, 1406 b und c. 

2 s. H. L. 6,26. 

8 Raimbaut von Aurenga kann also nicht, wie Diez, L. u. W. 62 

angiebt, schon 1160 selbständig regiert haben. 


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61 


März 1158 (eb. Sp. 1178) scheint er seine Qrossjährigkeit 
erreicht zu haben, so dass als sein Geburtsjahr etwa das 
Jahr 1140 gelten könnte; demnach wäre er in der That 
nur ungefähr 33 Jahre alt geworden. Dass Linhaure allzu 
früh starb, ergiebt sich aus Guiraut 65 II a dien non platz 
Que nuills mos bos amics priuatz Viua tant cum Yautra gens 
fax; Aissi m’eschai per mon Hygnaure MG. 126. 

19. Die Form, welche Linhaure als Fragesteller den 
Strophen der Tenzone giebt, ist ähnlich derjenigen einiger 
Gedichte des Raimbaut; B. Gr. 389, 1, 5, 7, 8, 11, 20, 23 
und 27 sind gleichfalls in 7-zeiligen Strophen gedichtet, 
davon 7, 8, 11 und 27 auch in'4-reimigen Strophen. Auch 
in der Beimfolge stehen besonders 389,7 u. 8 derjenigen 
Linhaures nahe; ist das Reimschema unserer Tenzone 

a b b c c d d, 
so ist dasjenige von 389,8 a b b c c d a 
und das von 389,7 a a b c c d d. 

20. Wäre Linhaure der wirkliche Name des Freundes 
Guirauts, so müsste es schon sonderbar erscheinen, dass 
von den Gedichten des allem Anscheine nach recht frucht¬ 
baren Trobadors Linhaure, von den von einem Guiraut 
von Bornelh als trobars esmeratz (65 VII) bezeichnten 
Liedern, ausser jenen Strophen unserer Tenzone garnichts 
auf uns gekommen sein sollte; kaum glaublich aber wäre 
es, dass ein mit so grossen Tugenden ausgestatteter Graf 
Linhaure existiert haben sollte, über den auch nicht eine 
Notiz uns irgendwelchen Aufschluss gäbe. 

Sprechen nun alle diese Gründe deutlich dafür, dass 
Linhaure kein anderer als der Graf und Trobador Raimbaut 
von Aurenga ist, so war andererseits ein Argument, das 
dieser Identifizierung entgegen wäre, nirgends anzutreffen. 

Demnach sind die Verfasser unserer Tenzone 
Raimbaut von Aurenga und Guiraut von Bornelh. 


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52 


• d) Metrisches. 

Das Gedicht umfasst 8 Strophen (coblas unisonans) 
und 2 Geleite; jede Strophe hat 7, jedes Geleit 2 Zeilen. Das 
Schema der Strophe ist: 

8a 8b 8b 4c 4c 8d 8d. 

a ist ein Korn (clavis, rims espars oder brutz); a elh, 
b an, c atz, d al. 

Homonyme (rührende) Reime (rims equivocs ) bilden pre- 
zatz = pretiatis in v. 5 (Linhaure) und prezatz = pretiatus 
in v. 12 (Guiraut), sowie mal = malum (Subst.) in v. 14 
und mal = male (Adv.) in v. 41 (beide Male Guiraut); afan 
in v. 23 und 38 (beide Male Guiraut) ist ein identischer Reim 
(motz tomatz en rim), wenn man es nicht auch insofern 
nur als rim equivoc ansehen möchte, als es das erste Mal, 
im Gegensätze zu sojorn, den mühevollen Zustand oder die 
rastlose Zeit, an zweiter Stelle aber die aufgewendete An¬ 
strengung bezeichnet. 

Bei Maus ist die Tenzone, für welche Linhaure 
Form und Reime angegeben hat, unter Nr. 6t>0,4 ver¬ 
zeichnet. -Die' übrigen unter Nr. 660 angegebenen Ge¬ 
dichte haben zwar dieselbe Reimfolge, aber andere Reim¬ 
endungen und Verslängen, so dass, zumal bei der nicht un¬ 
gewöhnlichen Anordnung der Reime, von Beziehungen der¬ 
selben zu unserem Gedichte schwerlich die Rede sein dürfte. 


HI (242,22 = 324,1). 

Der König als Liebhaber. 

a) Inhalt 1 . 

I. Guiraut bittet den König, ihm, falls er Zeit habe, 
freimütig darüber Auskunft zu erteilen, ob er als Herrscher 
einer edlen Dame ebenso aufrichtig huldige, wie dies ein 

1 s. (Jliasteuil, Rdlr. 23,72 u. Jeanroy, Ann. du midi 2, 467. — 
Ihrem Inhalte nach stehen diesem Gedichte nabe 146,1; 201,2; 119,6 
(s. Selbach 8. 76). 


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— 68 — 

gewöhnlicher wackerer Ritter thun würde; er frage nicht 
in böser Absicht. 

II. Der König erwiedert, seine hohe Stellung könne 
ihn doch unmöglich daran hindern, eine Dame aufrichtig 
zu lieben. 

III. Quiraut bestreitet, dass eine edle Dame einem 
Mächtigen, der ja doch nur darauf ausgehe, seinen Leiden¬ 
schaften zu fröhnen, lediglich um seiner Hoheit willen ihre 
Liebe schenken werde. 

IV. Der König macht dagegen geltend, dass einen 
Mann von guten Charaktereigenschaften sein hoher Rang 
den Damen doch nur um so begehrenswerter erscheinen 
lassen müsse. 

V. Guiraut beschuldigt die Mächtigen, von Anfang 
an die äusserste Gunst von ihren Damen zu verlangen, 
während es doch Sache eines treuen Liebhabers sei, sich 
durch längeres Dienen des Liebesgenusses erst k würdig zu 
zeigen. 

VI. Der König will in Liebessachen seine Machtstellung 
niemals missbraucht und sich ihrer nur bedient haben, wo 
es galt, sich die Freundschaft einer ehrenwerten Geliebten 
zu bewahren. Liebten auch andere Mächtige bald diese, 
bald jene, so könne er von sich versichern, dass er es mit 
den guten Damen ehrlich meine. 

VII. Guiraut sähe gern, wenn auch sein Solatz de 
Quer und Herr Topiner offen Damen liebten. 

VIH. Der König wünschte, dass sie, da sie dies wohl 
in leichtsinniger Weise thun würden, ihm nur nicht in 
seinen Liebesangelegenheiten in den Weg kämen; er habe 
auch so schon keinen Mangel an Nebenbuhlern. 

b) Dichtgattung und Autorschaft. 

Von den 4 Hdss. D*IKQ giebt zwar keine an, welcher 
Gattung das Gedicht angehöre; in I steht es aber unter 

den Tenzonen, welche die Seiten 151—163 einnehmen 

4 


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54 


(cf. Gröber, Rom. Stud. 2, 464), auf fol. 154; ausserdem 
nennen D* und I in der Ueberschrift 2 Verfasser, und daher 
hat Bartsch es im Grundriss und haben es andere mit 
Recht als Tenzone bezeichnet. Selbach S. 72 hält das Ge¬ 
dicht für ein Partimen, Zenker S. 85 sagt nur, es enthalte 
schon eine Art joc partit, und Jeanroy S. 294 weist dem 
gegenüber darauf hin, dass doch, genau genommen, eine 
mehrgliedrige Frage darin nicht gestellt sei, weshalb er es 
auch S. 457 nicht als Partimen gelten lassen will. Es ist 
ein Streitgedicht ohne joc partit, eine Tenzone im engeren 
Sinne, und zwar eine wirkliche, da das persönliche Zu¬ 
sammensein der beiden Verfasser aus den Anfangszeilen 
(s. d. Anm. dazu) hervorgeht. 

Als Interlokutoren treten in dem Gedichte selbst 
Guiraut von Bornelh und ein König auf, und die Ueber- 
schriften in D* und I belehren uns darüber, dass sich hier 
Guiraut mit dem König von Aragon im Wechselgespräch 
befinde. Welcher König von Aragon gemeint sei, darüber 
gehen die Vermutungen bisher weit auseinander. Chasteuil 
nennt Guirauts Unterredner Alfons (s. Rdlr. 23,72), Bastero, 
La Crusca prov. 1724, S. 72 sieht in ihm Alfons I. von 
Aragon, Raynouard im Choix 5, 290 und im Lex. rom. 

з, 218 b u. 4, 155 b Peter II.; ebenso Diez, L. u. W. 133, 
Kannegiesser, Ged. d. Troub. S. 128, Bartsch im Grundriss 
unter Nr. 324,1 sowie im Jb. 4, 338 und Zenker, S. 56, 85 

и. 87; Emeric-David erkennt gleichfalls a. a. O., S. 443 
Peter II. als den betreffenden König an und weist S. 449 
die Meinung, Peter III. könne in Frage kommen, zurück; 
Brinckmeier, die prov. Troub. (1844), S. 147, 153 und 155 
schwankt zwischen Alfons I., Alfons II. und Peter II., Ba- 
laguer zwischen Alfons II. (Bd. 1, 121) und Peter II. 
(Bd. 1, 231 u. 6, 190), und Mila y Fontanals, Delostrov. en 
Esp. S. 263 lässt die Frage, ob Alfons II. oder Peter II. 
gemeint sei, unentschieden, während Chabaneau die auch 
von Jeanroy S. 294 Anm. 1 ohne Zusatz wiederholte An- 


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56 


sicht ausspricht, der betreffende Teil der Tenzone werde 
vielleicht eher dem Alfons II. als Peter n. zuzusprechen 
sein (H. L. 10, 329 a u. 369 b). 

Man sieht, die Verwirrung ist hier eine grosse und die Frage 
einer näheren Untersuchung bedürftig. S. 24 sahen wir, dass 
GuirautetwaimJahrell65 seine dichterische Laufbahn begann, 
Ged. 6 dichtete er im Jahre 1189, als Richard, noch „Graf“, sich 
zum Kreuzzuge rüstete (s. das Geleit: El coms Richartz es 
ben gamitz MW. 1, 210), den Sirventes 73, in dem 
er den wohl erst kurz vorher verstorbenen König Richard 
preist, und Ged. 56, den Flank auf Aderaar V. von Limoges, 
im Jahre 1199 1 . Der Sirv. 52 scheint das letzte Gedicht 
Guirauts zu sein; das zeigen in Str. I die Worte Mas er 
m’en sui giguitz und die Tornada: Eros non plus (mais A) 
per gue no m’o demans (1. Eros non m’ais. Per gue? No m’o 
demans!), Que blasmes er, si vau d’aissi clamans (oder, wie 
A im Arch. 51, 8 b schreibt, Que plaingis) sera, s’aissi rema 
mos chans) MW. 1, 203. Nach Chabaneau H. L. 10, 223 
Anm. 6 wäre das Gedicht 1211 entstanden; da jedoch die 
Angabe der razo, auf welche diese Datierung sich stützt, 
mit dem Gedichte selbst, wie S. 28 gezeigt wurde, nicht im 
Einklänge steht, so lässt sich daraus nicht ersehen, in 
welchem Jahre Guiraut zu dichten aufgehört habe. Jeden¬ 
falls hat Suchier Recht, wenn er Jb. 14, 305 Anm. meint, 
Diez habe „Guirauts poetische Thätigkeit zu spät angesetzt 
oder doch zu weit ausgedehnt“, und ich möchte annehmen, 
dass Guiraut kaum noch Uber das Ende des 12. Jahrhunderts 
hinaus gedichtet habe, was auch dazu stimmen würde, dass 
er in dem Schmähgedichte des Mönchs, für dessen Entstehung 
sich als terminus ad quem jedenfalls das Jahr 1200 ergiebt(s.u.), 


1 Demnach wird B. Or. 305,16, in dessen Anfang von einer An¬ 
zahl Dichter, zu denen auch Guiraut gehört, als von den trobadors que 
«on passat die Rede ist, eher mit Philippson, der UOnch v. Montaudon, 
S. 72 auf 1199(—1200), als mit Suchier Jb. 14,121 vor 1194 und mit 
Levy, LgrP. 7,457 auf 1194—1199 anzusetzen sein. 

4* 


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66 


schon zu den „vergangenen“ Dichtern gerechnet wird. 
Hat nun Guiraut von c. 1165 — c. 1200 Lieder 
verfasst, so kann als der König von Aragon, welcher 
die Tenzone mit ihm zusammen gedichtet haben soll, 
nur entweder Alfons H. 1 (1162—1196) oder Peter H. 
(1196—1213) in Betracht kommen. Wer von diesen beiden 
der Interlokutor Guirauts gewesen sei, wird sich aus den 
folgenden Bemerkungen unschwer erkennen lassen: 

1. Unter den aragonesischen Königen ist nur Alfons II. 
ein Dichter gewesen. Die prov. Lebensnachricht sagt (H. L. 
10, 304a): Lo reis d'Aragon, aquel quetrobet, si ac nom Am- 
fos ... que fo paire de’l rei Peire. Hätte Peter aber 
Verse gemacht, so würde der Biograph es sicherlich gewusst 
und nicht unterlassen haben, diese einen König betreffende 
interessante Thatsache auch der Nachwelt mitzuteilen. Mit 
Recht hat daher Chabaneau den Namen des Peter H. in 
seine Trobadorlisten (H. L. 10, 320 b u. 322 b) garnicht auf¬ 
genommen. 

2. König Alfons n. stand mit Guiraut von Bornelh 
in freundschaftlichem Verkehr, was von Peter nicht nach¬ 
zuweisen ist: 

a) Ist es auch nicht ausgeschlossen, dass der in 28 VI, 
37 IX u. 76 VI von Guiraut genannte König Anfos der 
König Alfons VHI. von Castilien (1158—1214) sein sollte, 
der, wenngleich in Guirauts Gedichten nichts davon er¬ 
wähnt zu sein scheint, doch gemäss der 5. razo (H. L. 10, 
223 b) den Dichter reich beschenkt haben soll, so ist doch 
aus den Versen in 15 Vn E fora m'en plus tost tornatz, 
Se’l seigner cui seru Aragos No me tenges Arch. 34,400a auf 
freundschaftliche Beziehungen zwischen Guiraut und Alfons H. 


1 König Alfons II. von Aragon hiess als Graf der Provence 
Alfons I.; vielleicht liegt darin der Grund der irrtümlichen Kennung des 
Alfons I. als Mitverfassers der Tenzone. 


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57 


von Aragon zu schliessen. Von Peter, an den Mil& S. 135 
eher denken möchte, kann die Rede hier nicht sein, da das 
Gedicht im Jahre 1192 entstanden ist (vgl. Hist. litt, de la 
France 17,448). 

ß) In dem in 2 VI angeredeten Senker reis <f Aragon 
sieht schon Milä S. 113 den König Alfons II.; Diez, L. u. W, 
134 deutet die Stelle auch auf Alfons H. oder, was bei 
seiner Verschiebung 1 der Dichterzeit Guirauts nicht auffallen 
kann, auf Jacob I. (1213—1276), dagegen könne Peter, „der 
keine glückliche Thaten vollbrachte,“ nicht gemeint sein. 

r) Guiraut hat sich eine Zeitlang in Spanien, wahr¬ 
scheinlich in Aragon und zwar am Hofe des Königs 
Alfons II. aufgehalten. Dass er in Spanien war, ersieht 
man aus 70 HI Si socors ded eors adreig , Ab que m eonort 
e'm refraing, No'm uen ia sai part Vabril , A l tom q'ieu farai 
d'Espaigna, Ja lai non crezatz Que flors ni uergiers ni pratz 
Gaire m’aiut ni bo'm sia Nid chans pe'ls plaissatz Ni cCaur 
trui paria No m'agrat tant cum solia Arch. 33,332 a u. aus 
den an einen von ihm gesandten Boten gerichteten Worten 
in 79 H a bos agurs Eissiras d'Espaigna Arch. 34,400. Auf 
seinen Aufenthalt in Aragon aber weisen die Worte in 791 
hin Caixi leu , si s'era plans, Poiria entre'ls Gatalans Passar 


1 Der ebenda von Diez genannte König Sancho der Starke (1194 
bis 1234) dürfte auch weniger der von Guiraut gemeinte König von Na¬ 
varra gewesen sein, als dessen Vater Sancho der Weise (1150—1194). 
Die dem König von Guiraut in 66 IX und 67 VII gegebene Benennung 
lo bos reis wäre jenem wohl nicht zugekommen (s. H. L. 223, razo 6 u. 
Anm. 5), während letzterer auch von BBorn (s. Stimming zu 32,40) „der 
gute König“ genannt wird. Uebrigens scheint die Form des Ged. 67 
von Peire Vidal in dem Ged. 17 (ed. Bartsch) schon im Jahre 1187 
(s. bezügl. der Entstehungszeit Schopf, Beitr. z. Biogr. des P. Vidal 1887 
S. 28) nachgeahmt worden zu sein; 

Guirauts Schema ist 7a 7b 7b 7a 7c- 7c- 7d, 
dasjenige Peires 7a- 7b- 7b- 7a- 7c 7c 7d- . 

Peire hat die männl. und weibl. Reime vertauscht und die Endung aire 
gleichfalls verwendet 


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58 


en Proerna Arch. 36,421, wenn man dieselben nicht wie 
MM S. 113 dahin versteht, dass Guiraut das Gedicht zu 
den Katalanen in der Provence, sondern dass er es durch 
das Gebiet der Katalanen hindurch nach der Provence 
sendet. Die folgenden Worte Que chansos leu entenduda Sai (so 
steht nach Mil4 in der Hds. V) val e lax fes uertuda (s'esuertuda H) 
„denn ein leicht verstandenes Lied gilt hier und dort sucht 
es sich Geltung zu verschaffen“ legen die Vermutung nahe, 
dass Guiraut das von dunklen Worten gesäuberte Lied an 
Linhaure (in der Provence) richtet, in der Hoffnung, dass 
auch er, trotz seiner ausgesprochenen Abneigung gegen die 
klare Manier, es so wohlgefällig aufnehmen werde, wie man 
dies in Aragon thue. Ged. 79 schliesst sich mit seinem Be¬ 
mühen um Deutlichkeit im Ausdruck gut an die Tenzone über 
die dunkle Manier an, und es könnte wegen seiner Strophe I 
scheinen, dass Guiraut, als er es verfertigte, jenes Gespräch 
mit Linhaure noch frisch im Gedächtnis gehabt habe. 
Sicherlich ist 79 bald nach jener Tenzone geschrieben, und 
wenn dort am Schlüsse Guiraut sagt, er müsse an den 
königlichen Hof gehen, so ist damit wohl kein anderer als der 
von Aragon und zwar, da der Verkehr mit Linhaure in die 
Zeit vor 1173 fällt (s. S. 47 u. 50), der des Königs Alfons n. 
gemeint. 

<?) Alfons II. kannte die Dichtungen Guirauts. In der 
2. Biogr. des BBorn (H. L. 10, 224b) heisst es: E-l reis 
d’Arago dornt per molhers las chansons d’en Guiraut de Bor- 
nelh a sos sirventes. Dieser König ist aber ohne Zweifel 
Alfons H. gewesen, welcher sich für die Dichtungen der 
Trobadors derartig interessierte, dass er, wie Nostradamus, 
Les vies des po&tes prov. 1575 S. 2 berichtet (s. auch 
Ginguenö, Hist. litt. d’Italie 1, 243 u. 303 Anm. 2), durch 
den Mönch Hermenthre des Klosters St. Honorat eine Lieder¬ 
sammlung veranstalten liess. 

3. Der Verstecknamen Solatz de Quer in v. 49 lässt 
sich auf Verwandte des Hofes von Aragon deuten, welche 


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59 


aber nur bis 1182 diesen Namen hätten tragen können 
(s. d. Anm.). 

4. Das Ged. ist allem Anscheine nach von P. Vidal 
schon um 1175 als Vorlage benutzt worden (vgl. den folgenden 
Abschnitt). 

Somit wird man nicht umhin können, sich für 
Alfons II. von Aragon als den Unterredner Guirauts zu 
entscheiden. 

c) Metrisches. 

Das Gedicht setzt sich zusammen aus 6 achtzeiligen 
coblas unisonans und 2 dreizeiligen Geleiten. Das Schema 
der Strophe ist: 

8a 8b, 8b 8c; 8c 8d, 8d 8e. 

a und e sind Körner, a ist eis, b er, c or, d er, e en. Zu 
gliedern wäre die Strophe wohl in 2 pedes und 2 versus, 
obgleich die rhythmischen mit den syntaktischen Pausen 
dann öfters nicht zusammenfielen. 

Der König gebraucht, was in einer Stegreifdichtung 
entschuldbar ist 1 , zweimal dasselbe Wort valor in der näm¬ 
lichen Bedeutung im Reime (v. 29 u. 44). 

Maus erwähnt das Gedicht unter 669,2. Peire Vidal 
scheint die Form in zwei verschiedenen Liedern, 364, 23 
und 25 (ed. Bartsch Nr. 26 und 11) nachgeahmt zu haben, 
welche beide (s. darüber Schopf, S. 22) zu den 
frühesten Liedern Peires gezählt werden, also etwa 1175 
entstanden sind. Ersteres hat dieselbe Reimordnung und 
gleichfalls nur männliche Reimendungen; letzteres hat neben 
derselben Reimfolge auch die Endung or verwendet, zeigt 
nur in der 8. Zeile weiblichen Reimausgang und erinnert 
mit seinen vv. 22 und 23 E domna fax gran folor Que 
s’enten en gran rieor stark an die vv. 18—21 bez. 39—40 


1 s. B. Chr. 73, 18 u. 74, 1 beide Male avia=babebat im Reime. 


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60 


unseres Gedichtes. Ob Gavaudans 174, 3 (R. Ch. 3, 167) 
sich an unser Gedicht, mit dem es die beiden dreizeiligen 
Tornaden gemein hat, oder an 364, 23, mit dem es in den 
Reimendungen d ir und e ar tibereinstimmt, anlehnt, ist 
schwer zu bestimmen; BBorn 28, das nach Stimming, BBorn 
S. 54 zwischen 1185 und 1186 entstanden ist, stimmt, was 
seine Strophenform und selbst die Reimendungen betrifft, 
genau zu 364,25. 


Datierung der 3 Tenzonen. 


Gedicht II „Die dunkle Manier“ entstand, da es von 
Raimbaut von Aurenga mitverfasst wurde, jedenfalls vor 
dessen Todesjahr 1173 und, wie wir S. 47 sahen, ungefähr 
gleichzeitig mit dem vor 1173 gedichteten Rtigeliede desPeire 
von Alvernhe. Aus seinen Geleiten zeigt sich, dass Guiraut 
es vor seiner Abreise ves cort reial gedichtet habe. Alles deutet 
darauf hin, dass unter diesem „königlichen Hofe“ derjenige 
des Königs Alfons II. von Aragon zu verstehen 
und dass unser Dichter dort seit Weihnachten 1168 
einige Zeit zu Gaste gewesen sei. Seit 1166 weilte 
Alfons in der Provence; er war mit dem Hause Baux 
verbündet, also wohl auch ein Freund des Raimbaut von 
Aurenga. Von diesem aus begab sich nun wahrscheinlich, 
wie Peire Rogier (s. Appel, P. Rog. S. 9 u. 11), auch 
Guiraut von Bornelh zum König Alfons II., der ja (nach 
S. 56 ff.) freundschaftlichen Verkehr mit ihm unterhielt. S. 49 
glaubten wir bereits Grund zu der Annahme zu haben, dass 
der Guiraut in Perpignan, an welchen R. von Aurenga ein 
Gedicht sandte, unser Dichter gewesen sei; schon in Perp. 
mag er sich kurze Zeit bei Alfons aufgehalten haben. Als 
aber dieser im Dezember des Jahres 1168 nach Spanien 
zurückkehrte (s. Schmidt, Geschichte Aragoniens im Mittel- 
alter S. 121 u. Anm. 4), da scheint auch Guiraut, der ja 


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nach II 58 Weihnachten den Aufenthalt bei Linhaure mit 
demjenigen am königlichen Hofe vertauschen sollte, ihm 
nach Aragon gefolgt zu sein. 

Die Tenzone HI könnte dann schon bei jenem Zusammen¬ 
sein Guirauts mit dem Könige, also im Winter 1168/9, ent¬ 
standen sein, zumal da Alfons II. in dem von Milä, Trov. 
S. 265 auf 1170, von P. Meyer, Daurel et Beton S. I Anm. 
allerdings viel später angesetzten ensenhamen des G. de 
Cabrera als Dichter erwähnt wird; ist dem aber auch nicht 
so, dann hat das Gespräch doch gewiss zwischen 1169, dem 
Jahre, in welchem Guiraut an den 1152 geborenen Alfons 
jene Frage wohl frühestens gerichtet hätte, und 1175, wo 
seine Form allem Anscheine nach (s. S. 59) von P. Vidal 
nacbgebildet wurde, stattgefunden, wenn man nicht 1174, 
das Jahr von Alfons’ Vermählung, als den terminus ad quem 
annehmen will. 

In den Winter 1168/9 fiele etwa, wie wir S. 58 sahen, die 
Entstehung des Ged. 79; aber auch 70, das in seiner 1. Str. 
gleichfalls die verschiedenen Dichtweisen andeutet, hat 
Guiraut wohl damals verfasst, und aus der S. 57 citierten 
Str. HI dieses Gedichtes ist ersichtlich, dass er in der That 
etwa einige Monate vor dem April, also die Zeit nach 
„Weihnachten“, in Aragon verbracht haben mag. 

Wäre nun Tenzone II wirklich vor Weihnachten des 
Jahres 1168 entstanden, so stände dies wieder damit im Ein¬ 
klänge, dass das seiner Str. I gemäss gleichfalls beim Wechsel der 
Dichtweisen verfasste Lied 45 auch deshalb im Jahre 1169 ge¬ 
dichtet zu sein scheint, weil Robert I. von Alvernhe, der 
von Guiraut auch 55IX gerühmte Kenner, dem das Ged. 45 
nach Str. I zugedacht war, gerade in diesem Jahre Delphin 
wurde, bei welcher Gelegenheit der Dichter es ihm gewidmet 
haben dürfte; mit dem Herrn Ebles, den das Gedicht wo¬ 
möglich „auf geradem Wege“ treffen sollte, ist dann wohl 
der auch von P. Alvernhe in der vor 1173 entstandenen 
Satire als Zeitgenosse erwähnte Ebles de Saignes gemeint, 


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62 


der ja ein Auvergnat gewesen sein soll (s. Chabaneau, 
H. L. 10, 345 Anm. 5). 

Die Worte, mit denen Guiraut sich in Str. Vlii des 
Zwiegespräches mit Linhaure diesem gegenüber entschuldigt, 
zeigen, dass Ged. II, für dessen Entstehung wir soeben 
die Zeit vor Weihnachten 1168 angesetzt haben, nicht 
lange nach dem Bruche mit der Geliebten verfasst 
wurde. Tenzone I ist aber unmittelbar im Anschluss 
an den Bruch und noch, bevor Guiraut den Wohnort 
der Geliebten verlassen hatte (s. S. 37), entstanden. Wenn 
nun die Pastorelle 44 in Str. I und III bezeugt 1 , dass 
Guiraut an demjenigen 1. August, welcher dem Bruche 
folgte, sich in die Provence begab, so geht man wohl in 
der Annahme nicht fehl, dass Gedicht I, das, wie schon 
Chabeaneau H. L. 10,222 zeigt, bestimmt vor 1182, dem 
Jahre seiner Nachahmung durch BBorn, abgefasst worden 
ist, vor dem 1. August des Jahres 1168 gedichtet 
wurde. Dieser Termin wird sogar im Anschluss an 49 I 
noch um einige Monate weiter hinaufzurücken sein. Dort 
klagt der Dichter nämlich: No'm platz chans de rossinhol, 
Svm sent mon cor morn e trist, E per o si'm meravilh Car 
no m’alegret abrils, Canc mais no fon negus ans, De joi non 
agues dos tans; Mas ogan no'm plac la flors Ni'l frutz d'eras 
no m'agrada B. Lb. 66. Da nun dieses Ged. auch nach 
dem Bruch und, wie wir S. 37 sahen, ebenfalls am Wohnorte 
der Geliebten gedichtet ist, so geht jedenfalls aus jenen Versen 
hervor, dass der Bruch im April schon eine vollzogene 
Thatsacbe war. 

Nach unserer Berechnung ergiebt sich somit, dass 
Tenzone I wohl vor dem April 1168, Tenzone II vor Weih- 


1 44 I: L'autr'ier, lo primier jorn <Taost, Vinc en Proensa part 
Alest E cavalcav' absemblan mest, Quirn' m tenia sobrieira und 44 III: 
eru me soi departitz D'una folg abetairitz MW. 1, 198/9. 


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63 


nachten desselben Jahres und Tenzone m zwischen 1169 
und 1174/5 verfasst worden ist. 

S. 24 fanden wir, dass, wenn der Bruch im Jahre 
1168 stattfand 1 , Guiraut etwa 1165 seine Dichterlaufbahn 
begonnen haben mag. Ist dem so, dann hat er auch Peire 
von Alvernhe, dessen erstes Auftreten Diez, L. u. W. 71 in 
das Jahr 1155 setzt, über 10 Jahre Zeit gelassen, um sich 
den Titel des Meisters der Trobadors zu erwerben, welchen er 
ihm später streitig machte. 


2. Die 3 bisher unbekannten Gedichte. 


Gröber glaubte im Jahre 1877 in Böhmers Rom. Stud. 
2,353annehmen zu können, dass wir die Lieder des Guiraut von 
Bornelh „nahe vollständig“ besitzen, und Chabaneau sprach 

1 Eine soeben im Arch. 1894 S. 229ff. von 0. Schultz über die vida 
des R. von Aurenga angestellte Betrachtung bringt mich auf die Vermu¬ 
tung, dass die von Raimbaut verehrte contessa valen lai en Urgel (H. L. 
10, 285 a), von welcher der Biograph berichtet Maut fon onrada e pre - 
sada sobre totas las pros domnas d * Urgel, identisch sei mit der von 
Raimbauts Freunde Guiraut von Bornelh in 43 VII Mas sai m'an inon dol 
cregut Usclams (Li clam M) que fan entre lor Gil d'Uriel , per que'tl 
plusor Seran mort (e) confondut; Que l comtessa, on pretz nais E sabers 
e iois uera\8,S' en cuida issir , Se so il uolon consetitir MG. 815,6 erwähn¬ 
ten Dame. Ged. 43 entstand bald nach dem Bruch mit der Geliebten 
(s. II: Q'aist in’es esdevengut Tot Heu qe pert ma ualor , E solatz no m'a 
sabor; Esdeuenc anc mais a drut? MG. 816; V: un couen mi frais und VI: 
ausir mi pod o garir MG. 815, 4 u. 5) und wahrscheinlich noch zu Leb¬ 
zeiten des 1173 gestorbenen Raimbaut. Die sich in der citierten Str. VII 
findende Bemerkung von den internen Zwistigkeiten in Urgel und der 
Absicht der Gräfin, das Haus zu verlassen, wären wohl geeignet, 
Chabaneaus Annahme (H. L. 10, 284 Anm. 5), Douce sei die zweite Frau 
des Ermengaud VII. von Urgel geworden, nachdem der Graf sich von 
seiner ersten Gattin getrennt habe, zu bekräftigen, geeignet aber auch, 
die sonst bisher jedweder Stotze entbehrende Nachricht des Biographen 
von dem Eintritt der Gräfin von Urgel ins Kloster an Glaubwürdigkeit 
gewinnen zu lassen. 


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64 


sich 1885 nach Veröffentlichung seiner „Po^sies inMites des 
troubadours du P6rigord“ dahin aus, dass die Gedichte der 
Trobadors von Pärigord, also auch diejenigen Guirauts, 
nunmehr alle gedruckt seien (s. Rdlr. 27,159). Indessen 
wusste von den in S‘ befindlichen Gedichten Guirauts 
Milä schon 1876 (Rdlr. 10,229/30) vier nicht unterzu¬ 
bringen; auch Pag&s vermutete in seiner „Notice sur le Chan¬ 
sonnier prov. de Saragosse“ (Ann. du midi 2, 524 Anm. 13) 
in unserem Ged. IV eine „pi&ce inconnue“, und, wenn er 
das nach Milä Pos lo gratz beginnende Lied schon richtig 
mit B. Gr. 242,60 Qan lo freitz e'l glatz identificiert hat, so 
hat sich doch seine Annahme, Ben deu hom, unser Gedicht V, 
sei mit 242,18 und No's pot sofrir, unser Ged. VI, etwa 
mit 242,51 identisch (s. eb. S. 526, Anm. 7 u. 8), wie wir 
sehen, nicht bestätigt. Abgesehen davon, dass IV, V und VI 
in Bartschs Verzeichnis auch mit anderen Attributionen 
nicht aufgeführt und in Maus’ Verzeichnis nicht berück¬ 
sichtigt sind, ist auch der Umstand, dass sie hier und da 
für Grammatik und Wörterbuch manches bieten, was sich 
noch nirgends belegt findet, massgebend gewesen, sie als bis¬ 
her unbekannt zu betrachten. 

Was nun die Frage betrifft, ob diese Gedichte auch 
wirklich Guiraut von Bornelh zum Verfasser haben, so 
werden zahlreiche in den Anmerkungen gegebene Parallel¬ 
stellen zeigen, dass sie ganz und gar in Guirauts Denkweise 
gehalten sind. 1 Da ausserdem die Betrachtung ihres 
Strophenbaues, besonders im Verhältnis zu ähnlich gestalteten 
Gedichten anderer Trobadors, nichts ergiebt, was gegen 
Guirauts Autorschaft spräche, auch sonst ihre Unechtheit zu 
beweisen oder sie gar anderweitig unterzubringen, kaum 
möglich sein dürfte, so wird uns wohl nichts anderes übrig 
bleiben, als dem Veranstalter der Sammlung S‘, solange 


1 „Von der Schreibweise scheint mir dies weniger. Ist Guiraut 
sonst so unnötig breit, so wenig gedrängt, so platt?“ Tobler. 


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nicht andere Handschriften Besseres lehren, Glauben zu 
schenken und die drei Gedichte als von Guiraut von Bornelh 
herrührend zu bezeichnen. 

IV (Si ja d’araor). 

Ersehntes Liebesglück, 
a) Inhalt. 

I. Unsagbar wäre das Glück des Dichters, wenn seine 
Liebeshoffnungen sich doch noch erfüllten. 

H. Seine Angebetete sollte, wenn sie ihm ihre Gunst 
schenken würde, mit ihm als Liebhaber zufrieden sein; jeder¬ 
mann sollte dann an ihm seine Freude haben, er selbst 
würde sich aber vor Wonne kaum zu lassen wissen. 

HI. Dass er neben ihr noch eine andere lieben werde, 
das sei gänzlich ausgeschlossen; denn alle seine Wünsche 
würden erfüllt sein, sobald er sie sein eigen nennen werde; 
was sie dann auch von ihm verlange, er wolle ihr auf den 
Wink gehorsam sein. 

IV. Keinen Kaiser gebe es, der auch nur halb soviel 
Hoheit besitze, wie er dann besitzen würde; sie sei das 
reizendste Geschöpf der Welt, dem keine noch so grossen 
Schätze an Wert gleichkämen. Besässe er sie, so würde 
er sich so glücklich schätzen wie ein Kaiser. 

b) Metrisches. 

Das Gedicht ist eine aus 4 zehnzeiligen coblas unisonans 
gebildete Halbkanzone; der Strophenbau ist folgender: 

4a 6a 6b 6b 6c 6c 10d- lOe lOe 10d- . 

a ist or, b at, c is, d aire, e atz. Die Strophe ist un¬ 
gegliedert, also una oda continua. 

v. 7 ist wohl als cäsurfrei anzusehen. 

Hiatus begegnet in v. 40 seria emperaire (s. d. Anm.). 

Ein rührender Beim ist privatz = privatos (Subst.) 
v. 18 und privatz — privatus (Adj.) v. 28. Das Gedicht ist 
in Maus' Verzeichnis unter Nr. 167 hinzuzufügen. Das dort 


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66 


vermerkte Lied des Uc von San Circ 457,20 ist vielleicht 
dem unsrigen nachgebildet; besteht auch seine Strophe nur 
aus Sechssilbnern, so muss es doch auffallen, dass es sich 
gleichfalls aus 4 coblas unisonans zusammensetzt, ebenso 
wie hier gerade den Reim d weiblich hat und füre dieselbe 
Reimendung atz aufweist. 

In S‘ sind die ersten beiden Verse der Strophe zu 
einem Zehnsilbner vereint, so dass sich das Schema ergiebt: 

10a 6b 6b 6c 6c lOd- lOe lOe lOd» . 

In derselben Reimfolge sind 3 bei Maus unter Nr. 686 
verzeichnete Gedichte verfasst. Von diesen hat Gaucelm 
Faidit 167,57 in den vv. 1, 2, 7, 8 und 9 die nämliche 
Silbenzahl, für den Reim d gleichfalls weiblichen Ausgang, 
für c durchweg dieselbe Endung is und ist auch unserem 
Gedichte insofern ähnlich, als auch bei ihm in der Anfangs¬ 
zeile von amors die Rede ist und am Schlüsse das Ai, blanca 
flor . . . e mi en paradis Podes metre de ioi e d'alegransa 
MG. 100 an den Ausruf in unserer Str. IV lebhaft erinnert. 
Für Beziehungen der Tenzone 233,5 des Guilhem von San 
Gregori und Blacatz zu unserem Gedichte spricht ausser 
derselben Reimfolge auch die nur um 2 Geleite vermehrte 
Anzahl von 4 Strophen, die Verwendung derselben Endung 
aire als einziger weibl. Reimendung, wenn auch an anderer 
Stelle, die des Reimes or, der bei uns a ist, für c, sowie 
die Anklänge von v. 5 de tan gran ricor an unseren v. 31 
und von v. 17/8 no s coveQu’ieu an ad autra part preian MW. 
2, 140 an unsere vv. 21—23. Im Ged. 281,3 des Rambertin 
de Bovavel(?) erinnert nur v. 37 (im Arch. 35,101a, wo es 
dem R. von Vaqueiras attribuiert ist) an unsere vv. 21—23, 
a ist auch hier zehnsilbig, wenn auch weiblich, und or steht 
an Stelle von e. 

Soviel steht nach alledem fest, dass das Gedicht IV 
am Ende des 12. Jahrhunderts bereits bekannt gewesen sein 
muss. 


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67 


V (Be deu om). 

Amors Schuld, 
a) Inhalt. 

l. Einen irrenden Freund soll man rechtzeitig warnen, 
auch wenn ihm das unangenehm ist. 

II. Deshalb kann der Dichter nicht umhin zu sagen, 
was an Amors Verhalten auszusetzen sei. 

m. Je treuer ein Liebhaber sei, desto mehr Pein 
bereite ihm die Minne. 

IV. Seine Geliebte würde ihm gewiss geneigter sein, 
wenn nur Amor es ihr gestattete. 

V. Sollte ihm die Gunst der Geliebten auch ferner 
noch vorenthalten bleiben, so werde er sich von Amor los¬ 
sagen müssen. 

VI. Aber noch hoffe er, mit Amors Hilfe der Liebes- 
freude teilhaftig zu werden. 

VII. (Die w. 50 u. 51 sind unverständlich.) 

b) Metrisches. 

Das Gedicht, eine Kanzone, besteht aus 5X9 + 
1X4 + 1X2 Siebensilbnern. Die Strophen sind coblas uni - 
sonans; ihre Gestalt ist folgende: 

7a- 7b 7b 7c- 7d- 7e 7e 7c- 7f- . 

a, d und f sind Körner, a ist ire, b en, c ansa, d ia, 
e ir, f aire. Die Strophe ist ungegliedert. 

Das Reimwort languir v. 25 findet sich auch in der 
Tornada, v. 47. 

Grammatische Reime bilden dire 1: dir 24, sofrire 10: 
sofrir 15, servire 19: sermr 43, jauzire 37: jauzir 46. 

Bei Maus wäre diese in der prov. Lyrik noch nicht 
nachgewiesene Strophenform hinter No. 715 einzuschieben. 

VI (No s pot sofrir ma lenga). 

Die Schlechtigkeit der Welt. 

a) Inhalt. 

I. Die dem Herzen botmässige Zunge hat ohne jede 
Rücksicht zu sagen, was nur immer das Herz ihr befiehlt; 


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so wird auch des Dichters Zunge sich j etzt eines Auftrages 
des Herzens entledigen. 

II. Die Schlechtigkeit greift in der Welt immer mehr 
um sich; vor den bösen Buben muss man sich hüten, auch 
wenn sie einem Wohlthaten anbieten (?). 

IH. Jetzt handeln die Meisten nach dem Grundsätze: 
Nehmen ist seliger denn Geben. 

IV. Ohne Gottes Beistand werden jedoch die wenigen 
Guten gegen die zahlreichen Schurken nimmermehr etwas 
auszurichten vermögen. 

V. Die Guten mögen sich in ihr Schicksal ergeben 
und auch ferner nach Gottes Willen handeln. 

VI. Besser ist es, in niedriger Stellung gut, als in 
hoher gemein zu leben; der Lohn für die Rechtschaffenheit 
wird nicht ausbleiben. 

VII. Bertran, ein Mann von untadeligem Charakter, 
wird aufgefordert, auch in Zukunft auf der von ihm beschrit- 
tenen Bahn weiterzuwandeln. 

b) Metrisches. 

Das Gedicht ist ein Sirventes und umfasst 3 Strophen¬ 
paare (coblas doblas) nebst einem Geleite oder 6 X 8 +1X 4 
zehnsilbige Verse; das Schema der Strophe ist: 

10a- 10b 10b 10a- 10c 10c 10a- 10a- . 
a, ist ia, a, endre, a 3 ansa, 

b x o, b 4 i, b 8 fr, 

Cj is, c„ nr, Cg an. 

Die Strophe zerfiele, wenn diese Teilung gestattet wäre, 
in einen Aufgesang und einen Abgesang; denn nach ihrem 
4. Verse, bei dem auch das Geleit einsetzt, ist überall eine 
syntaktische Pause vorhanden. 

Die Cäsur ist lyrisch in v. 7, 14, 18, 24 und 30; als 
cäsurfrei betrachtet man am besten die vv. 5, 6, 9, 10 und 12. 

Hiatus findet sich v. 23 prendre o (s. d. Anm.), 49 

qui etz, 51 qui avetz, 52 lo en (s. d. Anm.) und dizia e, wo 
das a durch die Cäsur gestützt ist. 


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69 


Das Beimwort tan v. 45 wird in der Tornada, v. 49 
wiederholt. 

BUhrenden Beim ergiebt dia — dicat v. I und dia = diem 

v. 4. 

Bei Maus ist das Gedicht unter 510, 3 nachzutragen. 
Es hat Sordel in seiner Tenzone mit Bertran von Lamanon 
(437,10 = 76,2) zum Vorbilde gedient; denn abgesehen davon, 
dass das Streitgedicht naturgemäss zwei Geleite hat, stimmt 
es in der Form und in den Beimendungen mit unserem Sir- 
ventes genau überein. Auch die aus 3 Strophenpaaren und 
2 Tornaden bestehende Tenzone des Guiraut Biquier mit 
Guilhem von Mur (248, 36 = 226, 3) lehnt sich bezüglich des 
Strophenbaues eng an unseren Sirventes bez. an Sordels und 
Bertrans Tenzone an. 


Datierung der 3 bisher unbekannten Gedichte. 


Zwar bieten die 3 Gedichte selbst gar keine sicheren 
Anhaltspunkte zur Feststellung ihrerEntstehungszeit; dennoch 
wird man für dön Fall, dass sie wirklich unserem Dichter 
zugehören, auf Grund anderer Dichtungen Guirauts, in denen 
ähnliche Stimmungen ihren Ausdruck finden, ermitteln können, 
in welche Zeit sie ungefähr gehören. 

Gedicht IV zeigt seinen Verfasser noch in der grössten 
Hoffnungsseligkeit; er wagt es hier noch nicht, der Minne, 
die ihn nicht so schlecht behandelt habe, dass er ihr nicht 
ferner dienen sollte, irgendwelche Vorwürfe zu machen. In 
derselben Verfassung tritt uns Guir. in den Liedern 1,81 und 
72 entgegen, ln 1 111 u. IV heisst es: Era nom par Que 
chastiars Mi ralgucs ni clatns ni tensos; Per o no’m cuich 
qu’anc Amors fos Plus fina, s'amadors trobes, Que, qui per 
dreg la razones, Ades se meillura e val mais . . . De castiar 
Me suy tan pars Que pro vetz n'estau cossiros, Que vey qu’ab 

ponher d'esperos Non puesc tan far que joi cobres MW. 1,188, 

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70 


in 81 IV: Mout mi ten car Amors . . . Mas pro'm dona dolors 
E fwm pauc de socors E d'aiudae de be Arch. 51,19a und in 
72 I: Svm sentis fizels amics, Per uer encusera Amor; Mas 
er m'en lais per paor Qe*m dobles Vanta e'l destrics Arch. 
51,10. Von diesen drei Gedichten ist 1 nicht lange nach 
dem Bruche mit der Freundin entstanden, was ersichtlich ist 
aus den Worten in Str. V: Que la bona esperansa'm pais 
E m y aeompanha ab cantadors E m’a fait[z] solatz recobrar, 
Don m'era totz loignatz de cors MW. 1, 188; 81 dichtete 
Guiraut 2 Jahre nach der Trennung, s. Str. II Ben a dos 
am passatz, E ies no m'en recre Arch. 51,18b, und 72 rührt 
gemäss Str. VI (s. S. 42) noch aus der Zeit der dunklen 
Dichtweise Guirauts her. Zu jener Zeit, als Guiraut der 
Minne gegenüber noch schüchtern auftrat, um es mit ihr 
nicht zu verderben, ist auch unser Ged. IV entstanden. All¬ 
mählich aber mochte er, als er sah, dass sein langes Harren 
vergeblich blieb, ärgerlich geworden sein, und zeigt er sich 
in 9 I schon unwillig über die schlechte Behandlung, die 
Amor ihm zu teil werden lässt, indem er sagt: Amors, e svm 
dam de vos, Sera'us honors? No, per ma fe! Car no’s coue, 
Desqa'en uostra mantenmza Mauiatz , Qu’era'm gecatz , Ans 
pessatz Com ceila'm uuela Cui eu aueill MG. 864, so nimmt 
er sich in Ged. V gar heraus, die Minne der Härte und 
Ungerechtigkeit zu zeihen, sie zu beschimpfen hnd ihr den 
Dienst aufzusagen für den Fall, dass sie seine Bitten nicht 
endlich erfülle. Dass Ged. V zu seinen letzten Liebesliedern 
gehört, scheinen auch die Worte in v. 46 Enquera pogra 
jauzir zu beweisen. Vielleicht ging es dem Ged. 38, das 
nach Str. VII und VIII während des Kreuzzuges entstand, 
um einige Jahre voraus, denn in Str. IV sagt da der Dichter: 
Mas era'm lais aconseillar E conosc, tan son eiscernitz, Qe 
damages sembla petitz, Pos es passatz; Ben sai q'enant n'es 
hom iratz, Mas pueis s'en uai la pen'e'l fais. Folz es qi de 
Vanar (1. amar) s J irais Arch. 34,398 a. 


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71 


In der Hds. folgt VI unmittelbar auf V, und es ist 
auch möglich, dass beide Gedichte ziemlich gleichzeitig ent¬ 
standen; wenigstens ist VI wohl ein Produkt derselben Zeit, 
welche das Ged. 77, in dem gleichfalls von der Verderbnis 
der Welt die Rede ist, hervorgebracht hat; Ged. 77 setzt 
nun Maus S. 47 zwischen 1187 und 1189 an, und ich möchte 
wegen der w. 33/4 u. 43/4 — s. den Text beim Beginn 
der Anmerkungen zu Ged. VI — meinen, dass es in der 
Zeit von der Eroberung Jerusalems am 29. September 1187 bis 
zum Entschluss des Kaisers Friedrich im März 1188, einen 
Kreuzzug zu unternehmen, entstanden wäre. 

Wie dem aber auch sei, so dürfte sich doch wenigstens 
dagegen, dass hier die mit unseren Voraussetzungen in Ein¬ 
klang stehende handschriftliche Reihenfolge der Lieder bei¬ 
behalten worden ist, kaum etwas einwenden lassen. 

Zur Orthographie. 

Die Orthographie in den rekonstruierten Texten suchte 
ich möglichst einheitlich zu gestalten; ich schied daher u und v, 
i und j von einander, bezeichnete das mouillierte l durch Ih, 
das mouillierte n durch nh, gab die gutturale Media vor 
a und o durch g und vor e und i durch gu, die gutturale 
Tenuis vor a, o und u durch c, vor e und i durch qu wieder; 

dem durch *j vor a, o und u dargestellten Reibelaut ent¬ 
spricht g vor e und i, für stimmhaftes s setzte ich z, für 

stimmloses dagegen s und für den aus lat. t + s, c vor e 

und i, t + Hiatus - i hervorgegangenen z - Laut am Ende 
der Wörter tz; wo sich am Ausgange der Wörter in den Hdss. 
statt der gewöhnlichen Tenuis die Media zeigte, ersetzte ich 
sie, ausser in ab und ad, durch die entsprechende Tenuis 
und schrieb im Innern der Wörter Tenuis vor Tenuis, sowie 
Media vor Media. Den sich in den Hdss. in verschiedenen 
Funktionen findenden Buchstaben x habe ich ebenso wenig 
angewandt, wie das dort nicht selten vor vokalischem An¬ 
laut und zwischen Vokalen stehende h. Für que, o, a (= lat. 

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72 


ad) und e (= lat. et oder in) führte ich vor Vokalen die 
Formen quez, oz, ad und et bez. en ein und hielt cor = Herz 
und cors = Körper, sowie die Konj. mas und pos und die. 
Adv. mais und pueis auseinander; t nach n im Auslaute 
und vor s, sowie bewegliches n vor konsonantisch anlautenden 
Wörtern und in den Vorsilben co(n) und e(n) vor Labialis 
oder Sibilans liess ich regelmässig weg und behielt Gemination 
von Konsonanten nur bei ursprünglich doppeltem r bei. Im 
übrigen waren für die Wahl der Spielformen, auch in den 
von den Interlokutoren Guirauts gedichteten Strophen der 
Tenzonen, welche Guiraut doch wohl später ebenfalls in 
seiner eigenen Weise niedergeschrieben haben wird, die Re¬ 
sultate massgebend, welche eine Beobachtung der Reime in 
Guirauts Dichtungen ergab. Da jedoch bei dem gegen¬ 
wärtigen Zustande der Texte von einer gründlichen Dar¬ 
stellung der Sprache des Dichters noch keine Rede sein 
kann, so begnüge ich mich hier damit, einige wichtige Be¬ 
sonderheiten derselben hervorzuheben. 

I. Lautliche Eigentümlichkeiten. 

A. Vokale. 

1. Betontes e in offener Silbe giebt f, nicht ie, ei 
oder iei : 

esmer : quer : er (erit) 74, quers : sers : Inders (Biter- 
ris) 17, sers : fers : guerrers : Dcders 60, fern : esmera : en- 
quera (noch): cuidera 31. 

Auch eu bleibt und wird nicht zum Triphthong ieu : 
seus : manteus 20. 

2. Betontes 8 in offener Silbe wird (bei folgender gutt. 
Tenuis) zu ue diphthongiert: 

luec : muec : vuee : nec (Vbsubst. von negar, cf. Tobler 
bei Philippson, Mönch v. Mont. zuH27) 63 (Rdlr. 25,211)’. 


1 Ueber die Seltenheit der Gegenüberstellung von einfachem Vokal 
und steigendem Diphtbg. im Reime s. die daftlr von Tobler, Frz. Versbau 2 
S. 124 (*S. 138) angegebenen Stellen.— In welchen Fällen im Prov. Diph¬ 
thongierung eintreten konnte, darüber s. Suchier in Grübers Grundr. 1,574. 


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73 


B. Konsonanten. 

1. c , im Anlaut oder nach Kons., vor a geht in eh 
über, ebenso wie ursprüngliches et zu eh wird 1 : 

dicha (dictam) : richa (ricam) 17, esducha (exductam) : 
hucha (*hucat) 59. 

2. Im übrigen wird intervokale Gutturalis zu i: 

esbaudei : vei : trei (= tres) 40, lei : dbnei : autrei : vei 

(video) 6, lei : frei (= tres) 36; desdui : fax (fugio) : cui 
(pron. rel., dat.) 47. 

i 4* Gutt + Vok. = i + Vok.: 

dia (dicat) : perdria 18, chastia : conoisseria 70, dia 
(dicat) : trobaria V, dia (dicat) : dia (diem) VT. 

3. In el + flex. s löst sich l in u auf 2 : auzeus : neus 60. 

4. II ergiebt auch vor vokalisch gebliebenem i mouill. I: 
destuelh (deextollit): suelh (soleo) 3, falh (fallit): miralh 47. 

5. p nach i vor t schwindet: escritz : partitz 6. — Die 
Gruppe mps wird zu ms : tems (tempus) : nems (nimis) 25. 

6. Gemination des m findet nicht statt: flama : clamabl. 

7. Bei tr zwischen Vokalen ist t untergegangen : 
derera : ofera I 45. 

II. Flexivische Eigentümlichkeiten. 

1. Sbst.: Eigennamen mit flex. s im Nom. verlieren 
dasselbe im Voc., bilden also denVoc. gleich dem cas. obl.: 
Segur : auf 53. 

Pron.: ilh : filh 49 ( lor : plor 43). 

Verb.: crare, 1. Pers. sing, praes. ind. stets cre: 
28 u. 48 : sove, 42 wie 34* : fe, 71 : te (tenet), 72 : me; 

1 Die Ansicht Suchiers, Dkm. p. XI, die Dordogne gehöre dem 
chauza-fach — Gebiete an, bestätigt sich somit für Guiraut. 

2 Nach Suchier in Grobers Grundr. 1,582 sollte im 12. Jhdt die 
Auflösung des l vor den Zungenlauten mit Ausnahme des 8 stattge¬ 
funden haben. 

8 R. Vidal wirft Guiraut von Bornelh mit Unrecht vor (s. seine 
prov. Gramm, ed. Guessard S. 83 und ed. Stengel 84, 9), in 34 III die 
Form cre in der 1. Person statt er ei fälschlich gebraucht zu haben, cre 
ist auch in der 1. Pers. die regelmässige und von Guiraut überall ange- 


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74 


f 


recre 81 : fe; 19 : cre (= credit). — conguerre, part. perf. 
conquis : grazis 13. 

HI. Einzelnes. 

„Jetzt“ heisst ar (1 : avar), „noch“ enquera (31, 39, 
76 : cudera), „die Weise“ guia (2 : cortezia), „mehr“ mais 
(78 : estrais) oder mai (2 : amarai ), „alle“ tuch (3 : aduch), 
nicht tut, wie Mann, A. u. A. 41, S. 105 aus Ged. 48 VI 
ersehen will, wo tut (: aiut) nicht — toti, sondern = tutet 
ist; wegen des Sbstv. cuda (Gedanken) (34 : recrezuda ) lasse 
ich das dazu gehörige Yb. cudar lauten. 


Text der 6 Gedichte. 


I. 

242,69. 

14 Hdss. 1 : A 18 (Arch. 33,322: Studj di filol. rom. 3,34), 
B 18 (MG. 1377; Var. zu A Studj di filol. rom. 3,677), C 8 
(MG. 829), D 11, G 70, H 37 (MG. 937; Studj di filol. 
rom. 5,475), I 23 (MG. 828), K 12, N 181, Q 87, R 8a 
u. Str. I besds. mit Noten R 8b(=R‘), V 74 (MG. 938; Arch. 
36,421), a 41 (Var. zu A Arch. 33,322), ff 67 *und hinter 
der razo Str. I besonders (= ff'). 

Das wahrscheinliche Abhängigkeitsverhältnis der Hdss. 4 
möge nebenstehende Figur veranschaulichen: 


wandte Form; eine Form crei begegnet in den 7 Ged. mit ei = Reimen 
(6, 15, 36, 40, 48, 62 und 73) nicht ein einziges Mal. 

1 In N* (Phillips 1910) ist nur die Anfangszeile des Gedichtes ent¬ 
halten, nicht, wie C. de Lollis Rom. 18,467 angiebt, das ganze Gedicht. 

2 Hier bietet sich zum ersten Male die Gelegenheit zu dem von 
Jeanroy, Rev. des Pyr. 1893, S. 19 gewünschten Versuche, den Platz 
von S* unter den übrigen prov. Liederhdss. zu bestimmen. 


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75 


a 



V 


£ rj u Ha 7t 



i x 


j r 
n 

Die beiden Haupttypen ß und y ergeben sich aus v. 53 
und 30. ß wurde die Quelle von 8 und 8 wies in v. 50 
und 62 Lücken auf, während * vollständig war: £ mag nun 
den v. 50 sich anderswoher verschafft und die eine Lücke 
ausgefüllt haben, so dass es A und B mit nur einer Lücke 
in v. 62 ergab, dagegen blieb unvollständig, und ihm ent¬ 
stammen & und A r mit beiden Lücken; aus # flössen sodann 
* und *, von denen letzteres oder sein Ausläufer S* beide 
Lücken zu füllen vermochte, ersteres aber nur v. 62 und 
zwar aus einer anderen Quelle in seinen Text ein¬ 
fügte; aus < entstanden ** und 1) mit fehlendem v. 50; 
während nun D die Lücke ausfüllte 1 , indem es den 

1 1) erweist sich adch in v. 63, wo es für eine Stelle 2 verschiedene 
Lesarten bietet, als Mischhds. 


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76 


Vers allerdings an falscher Stelle einschob, gingen aus * die 
Redaktionen I und K hervor, von denen letzteres erst nach¬ 
träglich den v. 50, anscheinend aus ff, am Rande hinzuftigte. 

Die Zusammengehörigkeit von A und B zeigen ausser 
der ihnen gemeinsamen Lücke in v. 62 die in beiden ent¬ 
haltenen Fehler, in v. 5 demanda, das schon in v. 2 im 
Reime steht, statt desmanda und in v. 37 enquera, das in 
v. 43 den Reim bildet; sie gehen aber auseinander in v. 47. 
DLKS’ stimmen überein in v. 25, 26, 27, 28, 36, 41, 52, 
63 u. 67, von ihnen sondern sich DIK in v. 2 u. 11 und 
weiterhin IK in 1,5, 13, 22, 23, 33, 34, 44, 61 u. 64 ab. 
Die Verwandtschaft von ABN zeigt sich ausser in v. 62 
auch in v. 47 u. 57, die von IKN ausser in v. 50 auch in 
v. 31, wo esdug neus in IK und esdui nius in N auf ein 
fälschliches esdugneus statt esdugueus (= esdugu’ e’us) in n 
hinweisen. ABTK gehen in v. 10, ABDS ' in v. 22 zusammen. 
N nähert sich der Gruppe * in v. 39 und steht mit * zu¬ 
sammen zu y in v. 23; besonders nahe steht N der Hds. Q 
in v. 23 sim trazes plus und in v. 48 mit fis. G und ff haben 
Nachbesserungen erfahren; in G ist z. B. eis, in ff ist vos 
in v. 15 mit anderer Tinte von späterer Hand hinzugefügt. 
G und ff allein schreiben in v. 18 tot statt ja, G und Q 
haben in v. 15 und 19 Flexionsfehler gemeinschaftlich, welche 
sich freilich auch in einigen anderen Hdss. finden; die Ge¬ 
leite fehlen in G. Die Hdss. ff und a haben häutig die¬ 
selben Lesungen, so in 2, 3, 34. 

Von y gingen I und o aus, letzteres mit einer Lücke 
im v. 12, welcher V fehlt. I las in v. 43 statt vos, indem 
es die Stelle anders auffasste, nous, was dann bei a zu uous 
wurde, während es durch auf CR überging; » schrieb in 
v. 47 statt ofera, indem es q statt o/las, qera, das R ohne 
weiteres übernahm; C veränderte es in enqueira und stellte 
aus Versehen die vv. 25 und 26 um. 

Im Grossen und Ganzen wird die Varia lectio unsere 
Anordnung der Hdss. bestätigen. 


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77 


Nach ABCHIE ist das Gedicht bereits von 0. Schultz, 
die prov. Dichterinnen S. 19, nacli ebendenselben Hdss. mit 
Zuhilfenahme von D und V von Appel 1 , Prov. Chresto¬ 
mathie S. 129 ediert. 

I. Si’us quer coselh, berami’Alamanda, 

No l me vedetz, c’om cochatz lo*us demanda; 

Que so m’a dich vostra domna truanda 

Que luenh sui fors eisitz de sa comanda, 

Que so que m det m’estrai ar e m desmanda. 5 

Que m coselhatz ? 

C’a pauc lo cor dins d’ira no m’abranda, 

Tan fort en sui iratz. 

II. Per deu, Guiraut, ges aisi tot a randa 

Volers d’amic nos fai ni nos garanda; 10 

Car si Tus falh, l’autre cove que blanda, 

Que lor destrics no crescha ni s’espanda. 

I. 1 Sieus ABCHtyRS* S v a, Seiis D; Cousoii uos quier bell IK; 
ajmj V; alemanda H. 2 No*l me] No lom DGIKS r ; vedatz AGS*‘ , ne dez D; 
Per dieu lom datz com i/a; coms QS* 1 ; cochat W, choza(z) G t coitos IK , 
coitas D; ious Q, los DIK , luos G. 3 Que so] Qui so jV, que(m) G , 
queras RV, caras C, cara S , S*‘, carar D\ Que som retrais uostra Ha; 
domna duranda Q. 4 Que luenh] Calhors DGIKS 1 calhons RR‘\ luenh 
s. f.] fort son loin HV, totz soifor a; sui] fuy R; for Z>, fortz S*'; yssit R. 
6 Que] pus RV, pois Q, car CS en IK, mas H ; qe det Q; m’e. ar] 
tot m’e. a, er mestra R; ar e*m] er nim HV, er est G, e me CS* 1 ; de¬ 
manda AB; m’e. ar e*m d.] nos toi era nos mäda Q. 6 Quim N; cos- 
selhat R . 7 Capau A , Cabpau B; le S*\ mos a; dins d’i.] dira dins R , dira 
totz N, totz d’i. ABC; nos abranda S*\ sos trabanda a. 

II. 9 Amics Gerard G; guirautz C; tost H; aisi t.] tot aissi a; 

airanda R. 10 Voler CRV , vol N; damics AB1K; nos nos fai H (Studj), 
noul fai Q; nois fai ni nois AB. 11 Car] que AD1KS*; lun S*; si l’us] 
lus se D; lautres mestiers que DIK; ques b. 12 fehlt V; 

lors AC; destreg R; nois c. ABQ; Que nuls (mils I) destrics 
entrel8 dos (entrel dos /, entre lor Ha) no s’e. DHIKS*a. 

1 Herr Prof. Appel war so liebenswürdig, mir bald nach der Druck¬ 
legung einen Abzug dieses Gedichtes zu übersenden. 


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15 


E s’ela us ditz d’aut puei que sia landa, 

Yos la u crezatz, 

E plasa vos lo bes e l mals queus manda, 

C’aisi seretz amatz. 

III. No puesc mudar que contr’orguelh no gronda; 

Ja siatz vos, donsela, bel’e blonda, 

Pauc d’ira’us notz e paucs jois vos aonda, 

Mas ges non etz primera ni segondal 20 

Et eu que tem d’est’ ira que*m cofonda, — 

Que m’en lauzatz, — 

Srm sen perir, que m traia plus ves l’onda? 

Mal cut que*m chabdelatzl 

IV. Si m’ enqueretz d’aital razo preonda, 25 

Per deu, Guiraut, no sai com vos responda; 


13 E sielaus B, E sellaos G; E silaus dis E sil uos die D, Anz 
sella ditz a, Pero sius (sil V , sieus R) ditz CRV; si landa G, sia la 
landa IK. 14 la'n] len G, o R. 15 vos in H erst später hinzugefQgt; 
los CGQRS t ; ben NV; eis CGlRS*a (in G von andrer Hand); mal NQV; 
qeos G , qil AB, sil HNQVa. 

III. 17 No]com HS*a; pues S c , puos Z>; mudar] sofrir HNQRVa; 
quieu C, qes DV; quencontrorguoill IKN ; oigol G, egoil a; nom H\ 
g*nda granda V (Arch.), gornda D. 18 Ja] Jaus V, Tot GH (und in 
K noch besds. am Knnde); sia S*, siat H; Quiia est uos d. N, Sitot uos 
est d. d. e bell BH\ bronda S*. 19 Paucs a; iraos G\ notz] uoz a, 
no IJ\ e pauts V (Arch.), e pauc CGQRS r . 20 Mas ges] Mas qe HRa, 
fors que V , pero 1KNQ; noi etz HIKNV\ E non (noi D) es ies DS*. 
21 Et eu q. t.] Mas eufieus Q) que tem NQR V, Mas ieu tem tan C, Eu 
qem tem fort AB: quem tem Ga; d’e. i.] de lira CNQR, desira D, dest 
im G. 22 Que m’en] Con men N ., coraa V , vos quem G, Vos que me 
1K, vos (vas D) me ABDS*. 23 Si*m] siem S*, sieu C, si GR, tan NQV ; 
sen] tem CGHNQRVa ; peritz S* 9 murir RV ; que V, quen K; traia] 
tenga ABV; que*m t. p.] sim trazes plus N, si traqes plus Q, e nom 
traetz C; pueys R, trop H; vas sonda IK. 24 cut] cre AHa ; quen K\ 
captenjatz a. 

IV. 25 und 26 sind in C umgestellt. 25 Si m’e.] Si n’e. G; Si mapelatz de 
t&\DIKS*; datal G; raz H (Studj). 26 Per deu] per deun V, amics DIKS c ; 
Girard G ; com vos] que uos G, queus mi CNQR, qe men Ha. 


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79 


Per o, si us par c’ab pauc fos jauzionda, — 

Mais vuelh pelar mo prat c’autre lo m tonda. 

E s’e*us er’uei del plach far dezironda, 

Vos eserchatz 30 

Com so bo cor vos esduf e*us resconda! 

Be par c’om etz cochatz! 

V. Dönsel’, ueimais no siatz trop parlera! 

S’ilh m’a mentit plus de sine vetz primera, 

Cudatz vos donc que totz tems lo sofera? 35 

Semblaria c’o fezes per nesera 
D’autr’amistat! — Ar ai talan que us fera, 

Si no*us chalatz! 

Melhor coselh dera na Berenguera 

__ Que vos no me donatz! 40 

27 Mais sauos par queu sia i. F, Vos me dizetz de pauc sui i. DIKS*, Vos ma- 
pellatz de leu cor i. ABG, Pos vos dizes capauc son i. a; sieus K . 

28 Mai HR, ans DIKS*; pratz S*; cautrel mi t. ABRV, cantre lo t. Q , 
cautre mel t. G, cantre mi t. C; t.] conta N. 29 E] Que ABDGS*, Mas NQ; 
sVus er’uei] sill er oi HNQ, si ser hoi G, si sera IK, sius sera S*, 
sioserai Z>, seus era AB; dei] de DQS*; plaitz S x ; Vos uej que etz 
del F, Vosselaray del R; Cum sieu del plag fos aras d. C, 80 encertatz DG; 
Jal (ja C) ensercatz CRV, ja li cerchatz a. 31 Col DIKS*; sieu IK, sieus 
S*, 80 sC, sen D, sa/i;ba R, bei ABDIK , bels frö’*,gons C % cors ABCDGIKS 9 ; 
nous N; esdui’] enduia AB , esdigu a, esdui uos Q; e*us] neus IK , nius X, 
es D, eos G, e R; resconda] esconda CIK, responda V. segöda R. 32 Rem 
CF, be R; c’om] cum ABCD, con GKNQVa, que R; netz ABCIKNR. 

V. 33 Donzella mais II; Deserenan no C; nous fassatz IK; trop] 
tantJ-B.SdS’il^Si/üC^Q 11 *! ABG V, ja DS*;ma\ ^>;pl Jmais^s. v.] M. v. IK, 
ce u. G, .V. C. u. D; Sela ma trag may de . C. v. pr. R; Sil ma mentit .C. 
uetz en una tejra F; Plus de cent uez ma ia mentit (iamtit n) pr. Ha. 
36 Lauzatz mi (vos V) CRV; qieu ABH; t. t.] oimais H; loi HQR , 
lho C y lio a, loil G, o F; sofreira D. 36 Cuiariatz CF, nous cuiaratz R , ja 
creiriatz DIKS*; c’o] queu F, qe H, qel GQ , o R; feres I; neroeira a. 
riqueira F. 37 Dautramistatz G V, Cest amistatz H; ar ai] et ai N, rai Q ; 
telan H; quieus /, cos D; Ar ai t. q. f.] ai talan quieus enqieira AB; 
trop auetz dit en talant ai queus o feira F 38 Si] Co /<*, saora F; no*us] 
nos IK, no CDGS*Va . 39 Meillors G, moiller Va\ dara S*. daua AB, 
njdera V, donet GHN(J (donor //in Mahns Cird.). saup dar a; na] ma a. 
40 Que] So G (später in Que geändert); no me] nol me F, no men AB, nom D. 


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80 


VI. L’ora vei eu, Guiraut, qu’elaus o mera 
Car Papeietz chamjairitz ni leugera; 

Per so cudatz que del plach vos enquera? 

Mas no cudetz que sia tan manera; 

Ans er ueimais sa promesa derera, 45 

Que queus diatz, 

Si Pen destrenh tan que ja vos ofera 
Treva ni fi ni patz. 

VII. Bela, per deu, no perda vostr’aiuda, 

Car be sabetz com me fo covenguda. 50 

S’ eu m’ai falhit per Pira c'ai aguda, 

No*m tenba dan; s’anc sentitz com leu muda 


VI. 41 Ara G, Enquer DIKS*; eu] fehlt I, eo Q , en KV; Gu.] 
fehlt Q, geräd G ; qelaos G, qellas A, queus V ; o]mS c ; o m.] engiera Q. 42 Ca 
D ; lapelatz GHRS*a , mapellatz B , mapelletz V; ch.] mentejritz V; 
lengieira K, leogera Q. 43 Per sous C, pero ABR ; P. s. c.] Cuiatz uos 
donc GHa, uos atendetz V; que] qeil Q, quil V; de l] de CHQa, des V ; 
vos] nos G f nous CR , vous a. 44 Mas] ieu ABH, ni a, e G; Mas eu 
(eo Q) no cre (cug CR) CNQRV; non cug (aig a) ges (cuges IK) 
ABDGHIKS'a ; quen D, quilh ABCa; tan] tals sa R. 45 A. e. u.] Ans 
gardara C, Nis er totz tems F, Cadücs sia ö;proeza CDRV, pro(s)sa G; 
entieira CV. 46 qeos G, qem 2>, quel F, quen KN, que IQ, 47 Si 
Ten] Sil F, silh se C, si sen HlKS*a, Si iaus ABN, No la Q; desdeingS*; 
Si ia fai tan G, Ja tan fai 7>; t. q. j.] que contra DG; q; j. v.] 
que contra uos A, q la ja uos R, que no uos C, que ia nous a; noferaS*, 
sofeira ABG1KN, quieira R, enqeira C. 48 Tregas H , tregaq Q; fis NQ; 
De treua ni de patz CF, Huey may treua ni patz R. 

VII. 49 per deo Q; perga C; vostra uida GRS*; nous aia aixi per- 
duda F v. 50 fehlt in IN und ursprgl. auch in K, wo es später hinzu¬ 
gefügt wurde. 50 und 51 sind umgestellt in D, 50 Car] Que QR; be 8.] 
ia saubes Q; Ja sabetz vos ABDGS*; fos F 51 Sieu ai ABGHRS*a; 
l’ira] Iura G, ira F 52 tenigna (/. teingna) N; danc Q; s’anc] so R; 
sentisc Q, sencist N, sabez G , saubez DS r , saubest IK; com] can HNS*, 
ca R, cam Q; leo Q, len S g ; s'a. s. c.] ans se cug que F, quar ben sabeta C, 


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81 


Cor d’amador, ami\ e s’anc fotz druda, 

Del plach pesatz; 

Que be vos die: Mortz sui, si Tai perduda! — 55 

Mas no m’en descobratz! 

VIII. Senher Guiraut, ja n’agr’eu fi volguda, 

Mas elam ditz c’a drech s’es irascuda 
C’autran preietz com fols, tot a saubuda, 

Que no val leis ni vestida ni nuda. 60 

No fara donc, si nous gic, que vencuda, 

S’autra n preiatz? 

Beus en valrai, ja Tai’eu mantenguda, 

Si mais no us i mesclatz. 

IX. Bela, per deu, si d’ela n’etz crezuda, 65 

Per me lo lh afiatz! 

53 d'a.] lamodor (später in lamador verbessert) G; dom irat R; 
amig’e o, amiga C, amoros R f amor e V , bela e ABDGHIKNQS*. 

54 De*l] De Q; patz R. 56 Que] Car CHV, queu iV, qem Q\ be] ves N, 
ver Q; v. d.] sapchatz H (und in K neben v. d.); mort RV\ sui] om I; 
si] sieu DKQS*a\ Quieu (Car G) sui be mortz (mortG) senaissi (sinaissi 
AB) lai ABG. 66 Mais a, may R\ no io DN , nö loi QRS c , nolho ABC. 

VIII. 57 Seignen ABN\ Seignor K\ G.] amies CDHS*a ; S.G.] Sen- 
namic R ; Per dieu en guiraut la fin agreu u. V, P deu giraud benagra 
fin u. G. 68 ella d. AB V; die ab d. I)\ cab £ c ; dreitz GS*. 69 Autran V, 
Caltram HS*. Cautra N ; preiatz CV , pogues S*\ fol R f foil V ; tost K; 
assa saupuda R . 60 Quil V ; no la ual (uol V im Arch.) ACNQRV; 
ual ges (valgues D) lei u. DGIK. 61 Noi AB , nos C ; fora N ; N. f. d.] 
Nö o farai G , ni non fara IK\ sil B ; nos GK, uos I)l\ giec R , dit G\ 
que] fehlt iV, car GIK\ Donc si nous gic be fara que HS*a % Faraio eu 
ben huimaisque V; uenguda D, uetuda R. 62 fehlt ABN; Ner so sapchatz 
DGIK , Sautran amatz V. 63 en] i Gila; ja l’ai’eu] si tot lai HR, et 
(es Q) ai laus ABNQ, ja lagreu D ; m.] captenguda CDV\ ja Tai’eu m.J 
mas (mais KS*) can vos er renduda DIKS*. 64 Si] Sol R ; nos 2>; mescl.] 
toraatz V ; Samors no laus tollatz 1 K. 

IX und X (65—68) fehlen in G. IX. 65 Bella Q, Bell IK; sielaÄ; 
de lai (laiz H in Mahns Ged.) ABHVS*a y de lui V (im Arch.); 
n’etz] nes RS f , mes V, nos IK , vos a. 66 loi HQR, lio a, lo ABNV, 
autrejatz DHlKS*a. 


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82 


X. Ben o farai, mas can vos er renduda 
S’amors, no la us tolhatz! 

II. 

242,14 = 287,1. 

4 Hdss.: D‘ 183, E 22L (MG. 336), A 75 (Cod. Pliill. 
1910, Berlin) 18, R l 24 (MG. 821). 

Das Verhältnis der Hdss. wird wohl am besten durch 
folgende Stammtafel dargestellt: 

« 

I 

fl 


y C 


8 e E R 2 

i l n 2 

Schon in der Ueberschrift trennen sich D' A 72 von 
ER 2 : D' A 2 attribuieren das Gedicht allein dem Raimbaut 
d’Aurenga, ER 2 enthalten allein für dasselbe die Bezeichnung 
der „Tenzone“, E nennt aber auch „Linhaure e Guiraut de 
borneill“ als Verfasser des Gedichtes, was R 2 unterlässt. 
In v. 37 stand das später nur von E in anians verbesserte 
aman wohl schon in p, welches wahrscheinlich auch 
in v. 7 foran undeutlich schrieb, so dass nur R? es 
richtig wiedergab, während y und E von einander 
unabhängig seran dafür lasen. D' und A 2 gehen zu¬ 
sammen in v. 12, wo aber chans , wie Quvl fai in v. 13 
zeigt, nicht zu entbehren ist, in v. 17, wo man das den Gegen¬ 
satz zu bo bezeichnende avol wegen der folgenden Gegen¬ 
überstellung von jMucundyran nicht gut wird missen können, so- 

X 67 En Beus i (i fehlt H in den Studj) ualrei Ha\ mays 12, 
sol DIKS*\ vos] nos N; Si farai eu mas pus uos V ; 68 amor A22S C F. 


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83 


wie in v. 16, 29, 30, 31, 35 und 38. In 44 ist wohl y ein 
kleiner bourdon untergelaufen: vielleicht hat der Schreiber 
von s beim Kopieren den Fehler nachträglich bemerkt, im 
Sinne behalten, dass etwas nach per einzuschieben sei, und 
schliesslich an falscher Stelle, nämlich in v. 47 die Korrektur 
vollzogen, die D* dann ohne weiteres übernommen hat; 
e hat wenigstens das Wort clardat wiederhergestellt und 
an der Verschlimmbesserung in v. 47 nicht teilgenommen. 
Hinter v. 18 scheint auch in y schon der Absatz gefehlt 
zu haben, der noch inD* hinter fatz vermisst wird; e schrieb 
gleichfalls 18 und 19 als 6inen Vers, welches Versehen dann 
auch dem Schreiber von N* passierte, der desselben aber, 
am Schlüsse der Strophe angelangt, gewahr wurde, die 
Wörter von Non er bis ual ausstrich und nunmehr in 3 
besonderen Versen noch einmal richtig kopierte. Nicht dem 
aufmerksamen Schreiber von V 2 , sondern dem von « wird 
dann auch wohl das Auslassen des v. 5 zuzuschreiben sein. 
Im v. 34, wo aur den Gegensatz zu sal bildet, muss £ 
fälschlich auer eingeführt haben, worauf R* die überzählige 
Silbe in seiner Weise fortschaffte; ebenso ist die Verderbnis 
von v. 41/2 in ER 1 von £ ausgegangen; v. 6, 10 und 24 
weisen gleichfalls auf die i? und R 2 gemeinsame Quelle £ hin. 

Gedruckt findet sich Str. I nach R inRayn. Oh. 5,249; 
Diez, Poesie 72 und Balaguer 3,266 geben Str. 1 und II 
nach E und R wieder. 

I. Ara m platz, Guiraut de Bornelh, 

Que sapcha per c’an atz blasman 
Trobar clus ni per cal seinblan. 

Aiso in diatz 

Si tan prezatz 5 

So quez es a totz comunal; 

Car adonc tuch foran egal. 

I. 5 fehlt JV 2 ; prezeratz (prezaratz Rayn.) R. 6 que vas (ca vos 
■B, c’a nos Rayn .) totz es c. ER. 7 tug seraun coininal E, tut (tu D) 

seran e. DN*. 


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84 


II. Senilem Linhaure, no - m corelh, 

Si quecs se trob’ a so talan; 

Mas eu so n jutjaire d’aitan 

Qu’es mais amatz 
Chans e prezatz, 
Quil fai levet e venasal, 

E vos no m’o tornetz a mal! 

III. Guiraut, no vuelh qu’e tal trepelh 
Torn mos trobars, quez om am tan 
L’avol co'l bon el pauc cod gran. 

Ja per los fatz 
Non er lauzatz; 
Car no conoiso ni lor chal 
So que plus char es ni mais val. 

IV. Linhaure, si per aiso velb 
Ni mo sojorn torn en afan, 

Sembla que m dopte de l mazan ? 

A que trobatz, 
Si no vos platz 
C’ades o sapcho tal e cal? 

Que chans no port’autre clmptal. 

V. Guiraut, sol que l mcllis aparolh 
E di’ades e trai’enan, 


10 


15 


20 


25 


30 


II. 8 Senher ER; linaure H , li(n)gnaura DN 2 (so auch v. 22, 36, 
50 u. 59): no c. E; c.] querelh R. 9 qes N 2 .10 Mas me (mi R) eis uueill 
iutgar daitan ER. 12 E plus prezatz DN 2 ,13 e uenansal E , e uenarsal DN\ 
el uer massalh R. 14 tenetz R; a]en E. 

III. 15 nom uoill quem N 2 ; trebalh R. 16 que ia ogan DN 2 . 
17 Lo lauzol bon el pauc el gran DN 2 . 20 chal] can Z>. 21 cars N 2 . 

IV. 22 sieu E. 23 sejorn E. 24 de*l] de ER. 26 nous p. E. 
28 pot R; cabal R. 

V. 29 quei] qe DN 2 . 30 die DN 2 ; el trac DN 2 . 


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Me no chal, si tan no s’espan; 

C’anc grans viutatz 
No fo denhtatz; 

Per so prez’om mais aur que sal 
E de chan es tot atretal. 86 

VI. Linhaure, fort de bo coselh 
Es fis amans contrarian; 

E per o, sim val mais d’afan 
Mos sos levatz 

C’us enraumatz, 40 

Lo m deisazec e l dia mal, 

Qui nol denh, ad ome sesal. 

VII. Guiraut, per sei ni per solelh 
Ni per la clardat que resplan, 

No sai de quens anam parlan 45 

Ni don fui natz; 

Si sui torbatz, 

Tan pres d’u fi joi natural, 

'Can d’als cosir no m’escoral. 

VHI. Linhaure, si m vira l vermelh 50 

De l’escut sela cui reblan 
Que vuelh dir: ‘A dieu me comanl’ 

Cals fols pesatz 
Outracudatz 

M’a mes doptansa desleial! 55 

No m sove c’om me fetz comtal. 


31 si tot non DN 2 . 32 Car gran uieutatz R. 33 dintatz D, deutatz N 2 , dieu- 
tatz R. 34 auer E; E mays prezom auers que R. 36 E de tot cbant es a. DN 2 . 

VI. 37 E fis DN 2 -, auian DN 2 R. 38 si nai mais DN *. 39 M. s.] 
Me son R. 41 Lonh de sa gen nim (nin R) diga ER. 42 Que DN 2 ; 
deig D; A cui no) deia hom sensal E, A cuy bom non deya sensal R. 

■ VII. 44 per lardat D, per clardat N 2 . 46 ques a. N 2 ; anan D; 

anem E. 47 Si soi par la torbatz D; Si fui trobatz E. 48 Tan pes D. 

VIII. 60 gira) DN 2 . 61 cui] que R. 62 Que eu die a N 2 . 63 Tan 

fol R, 66 M’a mes] Me trais E, mestra R; deslia D, del leial E. 66com 
mi fes E, com y fes R; com me fes con tal D, con me fes com tal N 2 . 

6 


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86 


IX. 

Guiraut, greu m’es, per San Marsal, 

Car vos n’anatz de sai nadal. 


X. 

Linhaure, que ves cort reial 

M’en vauc ades rieh’ e chabal. 

60 


m. 

(242,22 = 324,1). 

4 Hdss.: Z>* 199, I 154 (MG. 822), K 140, Q 8 1 . 

Die Abweichungen der 4 Redaktionen von einander 
sind zu gering, als dass sich aus ihnen Schlüsse Uber ihr 
Abhängigkeitsverhältnis ziehen Hessen. Gedruckt sind auf 
Grund der Hds. I Str. I Rayn. Ch. 5, 166 und darnach 
MW. 1, 215, Str. II in Rayn. Ch. 5, 290, Str. I, II, IV u. VI 
in der Hist. litt, de la Fr. 17,445 und Str. I, II, III, IV, 
VI u. VHI bei Milä S. 340. [Balaguer sagt von dieser tension 
1,231, sie sei incompleta e incorreda und 6, 190 incompleta 
y mutilada .] 

I. Be me plairia, senhen reis, 

Ab queus vis u pauc de lezer, 

Queus plagues que m dizesetz ver, 

Si'us cudatz qu’e la vostr’amor 
A bona domna tan d’onor 5 

Com d’un autre pro chavaler; 

E no m’en tenhatz per guerrer, 

Ans me respondetz franchamenl 


IX. 67 greu] mal 22. 

X. 69 rial DtfiR. 60 Ment N 1 ; uau 22. 

I. 1—8 fehlt Q. 1 Bern DIK; seingner IK. 2 leier K. 6 Si (Si 
fehlt K) con dun autre cauallier IK. 


i Chabaneaus Zweifel an dem Vorhandensein des Gedichtes in Q 
(s. Rdlr. 23,72 Anm. 2) rührt wohl daher, dass Grüzmacher es bei seiner 
Beschreibung der Hds. übersah (s. ZfrP. 4,604). 


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87 


II. Guiraut de Bornelh, s’eu mezeis 

No'm defendes ab mo saber, 10 

Be sai ves on voletz tener. 

Per o be vos tenh a folor, 

Sius cudatz que per ma ricor 
Valha menbs a drut vertader! 

Aisi vos pogratz u dener 15 

Azesmar contr’u marc d’argen. 

-in. Sim sal deus, senher, me pareis 
De domna qu’enten e valer, 

Que ja no n falha per aver, 

Ni de rei ni d’emperador 20 

No n fasa ja son amador; 

50 m’es vis, ni no lh a mester; 

Car vos, ric ome sobranser, 

No - n voletz mas lo jauzimen. 

IV. Guiraut, e non esta genseis, 26 

51 l ries sap onrar ni temer 
Sidons el cor ab lo poder 
L’ajosta? Co l te per senhor, 

Preza l donc menhs per sa valor, 

Si mal no l troba ni sobrer? 30 

Ja sol om dir e l reprover 

Que sei que val mais, e melhs pren. 


II. 9 Guirautz IK, Ujraut Q. 10 Mun defendiai ab raon sab Q. 
11 s. t.] saues IK. 12 Per so IK. 13 per fehlt I. 16 Aismar Q. 

HI. 17 sal] fal K; parens D (verbessert in pareis). 19 failaz Q. 
20 d. r.] di rex Q. 21 fehlt D; fara Q. 22 vis] ris K. 23 s.J sobran siere Q. 
24 uols Q. 

IV. 26 Guirautz IK, Siraut Q. 26 Sils DKQ, ni] e Q. 27 porder Q. 
28 Li josta IK. 29 Prazal Q. 30 no trobam (1. troba ni) s. K; ni fehlt T. 
32 Car ser q mais ual e miels pin Q. 

er 


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88 


V. Senher, mo.ut pren gran mal domneis 
Can pert la cud’ e - l bon esper; 

Que trop val enan del jazer 35 

L’afars de l fin entendedor. 

Mas vos, ric, car etz plus maior, 

Demandatz lo jazer premer, 

E domn’ a l cor sobreleuger 

C’ama selui que noi enten. 40 

VI. Guiraut, anc trop ries nom depeis 
E bona domna conquerer; 

Mas e s’amistat retener 
Met be la fors’e la valor. 

Si'lh ric se so galiador 45 

E tan non amon uei com er, 

De me no n crezatz lauzenger, 

Qu’eu am las bonas flnamenl 

VII. Senher, de mo Solatz de Quer 

Volgra ben e d’en Topiner 50 

C’ameso domnas a prezen. 

VHI. Guiraut, oc be, d’amar leugerl 
Mas a me non donetz parer, 

Qu’eu n’ai gazanhat per u cen. 

IV. 

Si ja d’Amor. 

Hds. & (Gil in Saragossa) 69. 

I. Si ja d’Amor 

Pogues aver lauzor 

Y. 33 don eis Q. 35 enans Q. 36 de fin D. 37 c. e.] quaros K ; 
car ß maior Q. 39 donabcor Q. 

VI. 41 Guirautz IK , Siraut Q; ric Q. 45 so] fan I. 48finament Q. 

VII. (49 dequier DIKQ). 50 Uol gn Q\ d’en T.] deu trop auer I, 
dentopimer Q y dent o pni ier K. 

VIII. 52 Guirautz IK; von d’amar bis cen fehlt Q; (hoc ben damar 
BIK). 53 d.] donos K. 54 Qu a tien n ai guaignat K; per cen DIK. 


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Ni guizardo ni grat, 

No m’a tan malmenat 
Qu’enquera nolh servis. 5 

E si mos precs auzis, 

No pot pesar cor ni bocha retraire 
Los gauchs e is bes c’auri’adoncl Diatz, 

Pos de l’auzir seria tan paiatz, 

De so befach queus seria veiaire? 10 

II. E si m secor 

Vostre cors cui onor 
Tan quel meu n’ai donat, 

Aisi com per orat 
M’auretz, so vos plevis, 15 

C’anc mais d’autr’om no vis 
Tan grans esfortz. de negu nat de mair'e! 

Qu’eu servirai los estranhs e is privatz 

E serai fols f et az oras senatz 

Az oras gais et az oras pesaire. 20 

HI. E ja temor 

No n’aiatz qu’eu alhor 

Mais vir ma volontat; 

Que tot aurai trobat 

So que totz tems ai quis 25 

E serai vos tan fis, 

C’als enemics ponharai e desfaire 
Et als amics serai dous e privatz; 

Aital m’auran, si vos m’o comandatz, 

Li mal ab mal elh bon ab ben a faire. 30 

IV. A de ricor 

E'l mon emperador 


I. 5 Que m qoieras. 8 gaug; cauvria doncx. 

II. 15 vos per levis. 17 gran. 

HL. 28 volentat. 26 sarai. 27 p. en 28 doa. 30 eis bos ab benefaire. 


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90 


Q’en valgues la meitat? 

Non! ai pauc galiatl 

Qu’e'l mon non a faitis 85 

Cors que melhs m’abelis. 

Ai! francha res, corteza de bon aire! 

E l mon non es emperis ni renbatz 

Que contra tos nom fos grans paubretatz, 

Et ab sol vos seria emperaire! 40 

V. 

Be deu om. 

Hds. S' 94. 

I. Be deu om chastian dire 
A - 1 seu amic umilmen 

50 bo coselh drechamen, 

Can el fai desmezuransa, 

51 tot no lh platz c’om o dia; 5 

Car qui ve l’amic falhir, 

Tazen lo i fai enardir; 

Amdui falho d’un’esmansa, 

L’us qui tatz, l’autr’a mali'aire. 

II. Per o no serai sofrire 10 

Qu’eu nous dia mo talen 
D’aiso don om vos repren, 

Si tot n’qvetz greu pesansa. 

Car legen o trobaria, 

Amors, om nos deu sofrir 15 

De dir, si tot so li tir, 

Ee que porta benanansa 
A l’amic cui es amaire. 
m. E car sui vostre servire, 

Die vos be seguramen: 20 

IV. 33 Que v. 36—6 no a cors. 38 enperi ne regnat. 

I. 2 amiex. 6 amich. 7 Taszen hofai. 

II. 13 letir. 17 ben amansa. 


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91 


On plus trobatz fl sofren, 

Plus a de vos malanansa. 

Be cre c’aiatz companhia 
Ab aquel c’om no deu dir 
Et ab datz qui fan languir 25 

Totz sels qui sego lor dansa,. 

On cre que us siatz tuch fraire. 

IV. Per deu, volhatz mo martire 
Adousir e mo tormen, 

Car ma domna nom cosen, 30 

A cui port leial amansa. 

Eu cre be qu’ilh o volria, 

Mas no m pot ges trasalhir 
Vostre coman, so m’albir; 

Car plus l’avetz e posansa 35 

Que non a so filh lo paire. 

V. Si de leis no sui jauzire, 

E us die tot apertamen: 

Vostr’ onors vai descreisen, 

Car avetz falsa semblansa. 40 

Pos c’om vos serf e fadia, 

Be degra totz om fuir 

Vos onrar ni gen servir; 

• Car servizis non enansa, 

7 * 

S’om no n’es guizardonaire. 45 

VI. Enquera pogra jauzir, 

Si de leis que m fai languir, 

Amors, me donatz fiansa, 

Qu’es la genser de bon aire. 


IIL 23 crei. 25 Esz ab. 27 crei. 

IV. 32 crey. 36 le p. 

V. 38 apartamen. 


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92 


Vll. A amil val m’esperansa 50 

Poi en vos e mon afaire. 

VI. 

No s pot sofrir ma lenga. 

Hds. S' 95. 

I. No's pot sofrir ma lenga qu’ilh no dia 
So que mos cor li dai e mandazo; 

Car lo cor fai a guia de baro, 

Qu’e sa comand’ a los membres tot dia; 

E per so, si tals dichs non es vezis 5 

A cortezia, be mi par devis 

Que la lenga s’ escus per senhoria, 

Car es de l cor ansela ses bauzia. 

II. Lo segles es chamjatz de cortezia, 

E vilanatg’ es et e perdizo; 10 

Plus es lauzatz qui tot toi a bando 
Que sei qui dona per sa manentia; 

C’ardis lo crois sordeiors e m’es clis 
L’us ab l’autre; tals e tals vai tapis 
Pe l seu donar, e per sa trufardia 15 

Gardem nos be d’aital poestaria! 

HI. Donc non a luecs so que sol Pauls «prendre, 

Qui dizia e son escrit aisi: 

„Plus es lauzatz qui don’ a l seu vezi 

Que sei qui pren,“ c’ar sol franqueza vendre, 20 

Ni no coselh demandar jutjador 

Cals sia melhs e de maior lauzor, 

Prendre o dar; car li croi volran rendre 
Garentia: no val tan dar com prendre. 

VLL 50 A amil val ma e. 51 Poien vob. 

I. 2 li] le. 3 lo] le. 4 Que comanda a les m. 5 tal. 

II. 9 Le. 10 osq en p. 13 lo] le. 14 vai rapis. 15 Perl. 16 Garden. 

III. 17 pro pendre. 21 iutgeor. 22 Qual sia. 23 Prender. 24 con 
pendre. 


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98 


IV. E si li bo yolran lor drech defendre 25 

Contra los crois, ni lo ser ni l mati 
No'l poiran far, si com pes dins de mi, 

Car trop es fortz lor tortz per escoisendre. 

Car per u bo so cen li sordeior, 

Donc qu’en valgra la garentia lor 30 

Contra los crois, cuis chaps puescha deus fendre? 
Pauc o nien, so puesc per drech entendre. 

V. E pos li bo perdut an la posansa 
E lh savai croi elh janglos lauzenger 
Tolguda l’an a b fei cor brau e fer, 35 

Qu’i faran ilh, si deus no fai venjansa? 

Remarran ilh de proar so talan? 

No'l lor coselh, si deus mi do bon an. 

Melhs am be far ses aver nuV onransa 
Qu’eser prezatz ab malvaia bombansa. 40 

VI. Car eu am mais, de bo cor ses efansa, 

Eser anheus e prat oz e verger 
Que lops ni ors, si tot ai cosirer 
D’eser trenchatz o d’ aver greu pesansa; 

Car qui mor bos, sivaus gazanba tan 45 

Que pres de se dieus lo vai eoronan, 

E laissa ries sos filhs de sa nomansa; 

E l mon non es rictatz de tal egansa. 

VII. Amics Bertran, qui etz conoissens tan, 

Paucs en conosc c’ab vos valhon u gan. 50 

Conortatz vos qui avetz ses dop tan sa 

Ries pretz conquis! tenhatz lo e membransa! 


IV. 25 lor] 80 Q. 27 pogran. 30 quell v. 31 dieu. 32 Se nien 
so puesc per dreig defiendre. 

V. 33 pots. 34 Bis savais croys i anglos. 35 ab] a. 38 Non 
los c. 30 aver honrausa. 

VI. 44 ö da un. 46 Que apres se dieus ö vai bonoran. 48 eogansa. 
VIL 40 bertrans. 


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— 94 — 

Vebersetzong. 


^— Dichter und Zofe. 1 * * 

I. Wenn ich euch um Rat ersuche, liebe Freundin 
Alamanda, versagt ihn mir nicht, da ein bedrängter Mann 
euch darum bittet; denn eure falsche Herrin hat mir vor¬ 
geworfen, dass ich mich von ihrer Botmässigkeit weit ent¬ 
fernt habe, so dass sie, was sie mir gewährte, mir jetzt 
entzieht und von mir zurücknimmt. Was ratet ihr mir? 


Denn beinahe entbrennt mir innen das Herz vor Kummer, 
so sehr bin ich darüber betrübt. 


n. Bei Gott, Guiraut, keineswegs wird der Wunsch 
eines Liebhabers so auf ein Mal erfüllt oder verbürgt; denn 
wenn das eine* einen Fehler begeht, muss das andere wohl¬ 
wollend verzeihen, damit ihr Zwist nicht wachse und sich 
ausdehne. Und wenn sie euch von einem hohen Berge sagt, 
er sei eine Ebene, so glaubet ihr darin, und das Gute und 
das Ueble, das sie euch befiehlt, gefalle euch, denn so 
werdet ihr geliebt werden. 

HI. Ich kann nicht umhin, gegen Hochmut zu murren; 
obgleich ihr, Fräulein, schön und blond seid, schadet euch 
wenig Zorn und eine kleine Freude nützt euch, da ihr 
durchaus nicht erste noch zweite seid 8 ! Und ich, der ich 
von diesem Kummer fürchte, dass er mich vernichte, — was 
ratet ihr mir darin, — ich solle, wenn ich merke, dass ich 
untergehe, mich mehr zur Flut hinwenden 4 ? Schlecht, 
glaube ich, leitet ihr mich! 


1 Inhaltsangabe S. 16, Text S. 77. 

Verstehe: das eine, das andere von zwei Liebenden oder der eine, 
der andere Teil eines Liebespaares. 

* „Ihr seid ja ein hübsches Mädchen; aber da ihr nicht erste noch 
zweite (sondern eine Dienerin) seid, so ist schon eine leichte Ungnade 
für euch schwer und eine geringfügige Gunst ein grosser Gewinn.* T. 

4 d. h. ich solle mich noch tiefer (in mein Unglück) „hineinrudern.“ 


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95 


IV. Wenn ihr mich Uber einen so schwierigen Gegen¬ 
stand zu Rate zieht, bei Gott, Guiraut, weiss ich nicht, wie 
ich euch antworten soll; jedoch wenn es euch scheint, dass 
ich mit wenigem zufrieden wäre, 1 — lieber will ich auf 
meiner Wiese alles ausrupfen, als dass ein anderer sie mir 
abmähte. Und wenn ich heute begierig war, für euch die 
Aussöhnung zu bewirken, so suchet ihr, wie sie ihr Wohl¬ 
wollen euch entziehen und vorenthalten möge! Wohl scheint 
es, dass ihr in gar grosser Bedrängnis seid. 

V. Fräulein, seid fortan nicht zu geschwätzig! Wenn 
sie zuerst mir mehr als fünfmal nicht Wort gehalten hat, 
glaubt ihr da, dass ich es allezeit dulden solle? Es schiene, 
dass ich es aus Ermangelung anderer Freundschaft thätel — 
Ich habe jetzt Lust, euch zu schlagen, wenn ihr nicht 
schweigt! Besseren Rat würde Dame Berenguera geben, als 
ihr mir gebet! 

VI. Die Stunde sehe ich, Guiraut, dass sie es euch 
vergelte, dass ihr sie unbeständig und leichtsinnig nanntet; 
meint ihr, sie bitte darum* euch um Versöhnung? Aber 
glaubet nicht, dass sie so zahm sei; vielmehr wird es 
nun ihre letzte Zusage sein, was ihr auch sagen möget, 
wenn ich sie deshalb so lange quäle, bis sie euch jemals 
Waffenstillstand, Vertrag und Friede anbiete.* 

VII. Schöne, um Gott, möge ich nicht euren Beistand 
verlieren, denn ihr wisst wohl, wie er mir zugesagt ward. 
Wenn ich infolge des Kummers, den ich hatte, gefehlt habe, 
so schade es mir nicht; wenn ihr je fühltet, wie leicht das 
Herz eines Liebhabers wechselt, Freundin, und wenn ihr je 

1 Verstehe: so möget ihr wissen: Gerade das Gegenteil ist richtig; 
ich wäre nicht so genugsam wie ihr, würde als Liebhaber meine Ange¬ 
betete lieber ganz für mich besitzen wollen, als durch mein Verhalten 
bewirken, dass ein anderer sie mir streitig macht. 

* „um solcher Reden willen“ T. 

* d. h. wenn ich sie durch meine inständigen Bitten dahin bringe, 
euch Frieden anzubieten, so wird sie das diesmal, wenn sie es eben Ober¬ 
haupt noch thut, doch unwiderruflich zum letzten Male gethan haben. 


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96 


eine Geliebte wart, so seid auf die Aussöhnung bedacht; 
denn ich sage euch wohl: „Tot bin ich, wenn ich sie ver¬ 
loren habe“! Aber verratet mich deswegen nicht! 

VIII. Herr Guiraut, gern hätte ich bereits Frieden 
herbeigeftlhrt, aber sie sagt mir, dass sie sich mit Recht 
geärgert hat, weil ihr, wie ein Narr, ganz öffentlich einer 
anderen den Hof machtet, die ihr weder bekleidet noch nackt 
gleichkommt. Wird sie also nicht, wenn sie euch nicht 
aufgiebt, die Rolle der U nterlegenen spielen, wenn ihr einer 
anderen den Hof macht? 1 2 * Wohl werde ich euch, wenngleich ich 
sie® verteidigt habe, darin helfen, wenn ihr nie wieder Streit 
mit ihr anfangt. 

IX. Schöne, bei Gott, wenn ihr bei ihr in dieser Hinsicht 
Glauben findet, versichert ihr es für mich!® 

X. Wohl werde ich es thun, aber wenn ihre Liebe 
euch zurückgegeben sein wird, beraubt euch ihrer nicht! 



n. 

Die dunkle Manier . 4 


I. Jetzt möchte ich gern wissen, Guiraut von Bornelh, 
warum und auf Grund welcher Anschauung ihr die dunkle 
Dichtweise tadelt. Saget mir, ob ihr das, was allen 
gemeinsam ist, so sehr schätzet; denn dann würden alle 
gleich sein. 

H. Herr Linhaure, ich beschwere mich nicht, wenn 
jeder nach seiner Neigung dichtet; aber ich urteile darüber 
insoweit, dass Gesang mehr geliebt und geschätzt ist, wenn 
man ihn leicht und einfach macht, und legt mir das nicht 
Übel aus! 


1 Al. will sagen: Wenn sie euch trotzdem noch ihre Gunst 
schenken würde, würde sie sich doch in der That viel vergeben. 

2 nämlich: soeben. 

2 dass ich nie wieder streiten will. 

4 Inhaltsangabe S. 39, Text S. 83. 


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97 


m. Guiraut, ich will nicht, dass mein Dichten zu 
solcher Unruhe werde, damit man ebenso sehr das Gemeine' 
wie das Gute und das Geringe wie das Grosse liebe (P 1 2 * ). 
Von den Thoren wird es 9 nie gelobt werden: denn sie ver¬ 
stehen nicht, noch liegt ihnen am Herzen, was teurer ist 
und mehr gilt. 

IV. Linhaure, wenn ich um deswillen® wache und 
meine Ruhe in Mühe verwandle, scheint es dann (kann dann 
jemand urteilen), ich scheue Belästigung? Wozu dichtet ihr, 
wenn es euch nicht gefällt, dass alle Leute es alsbald 
wissen? denn Gesang bringt keinen anderen Vorteil. 

V. Guiraut, wenn ich nur das Beste bereite und 
jederzeit sage und vorbringe, so liegt mir nicht daran, wenn 
es sich nicht so sehr verbreitet; denn nie war Alltäglichkeit 
ein „Futter für Kenner“; deshalb schätzt man Gold mehr 
als Salz, und mit Gesang ist es ganz ebenso. 

VI. Linhaure, ein treuer Liebender ist beim Wider¬ 
sprechen ein sehr guter Berater; und doch, wenn mir mein er¬ 
hobener 4 * * * * Gesang mehr Anstrengung wert ist als ein heiserer, 
möge, wer ihn nicht billigen mag, ihn mir zergliedern und 
einem Untergebenen gegenüber schlecht vortragen (?). 


1 Wül Linh. damit sagen, er wolle sich heim Dichten nicht so sehr 
abmtlhen, tun schliesslich mit ganz gewöhnlichen Dichtern auf eine Stufe 
gestellt zu werden, könne vielmehr, wenn er auf seine Gedichte soviel 
Fleiss und Sorgfalt verwende, verlangen, dass sie mit anderen Augen 
betrachtet werden als die niedrigen Erzeugnisse des gemeinen Dichter¬ 
haufens? Oder wie wäre diese Stelle sonst zu verstehen? 

2 nämlich mein Dichten; vielleicht ist aber auch nu n'er zu schreiben 

und zu Übersetzen „V. d. Th. werde ich deshalb nicht g. w.‘ 

* d. h. wohl: gerade um sie recht klar und verständlich zu machen; 

vgl. dazu 45 I en l'escurzir Non es l'affanz, Mas en l'obra selarzir 

(I. l'obr'esclarzir) Rom. Stud. 2,414. 

* Der »erhobene* Gesang ist derjenige, welcher mit lauter Stimme 

gesungen wird, d. h. mit Lust, weil er verständlich ist; im Gegensatz 

zu ihm steht der heisere, unverständliche. 


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98 


VII. Guiraut, beim Himmel und bei der Sonne und 
'bei dem Lichte, das erstrahlt, ich weiss nicht, wovon wir 
sprechen noch wo ich geboren ward; so verwirrt bin ich, 
so sehr erfasst von einer lauteren, wahren Freude, wenn 
ich nicht wegen anderen Kummers mutlos werde. 

VIII. Linhaure, so wendet mir die, welche ich mir 
wieder geneigt zu machen suche, das Rote des Schildes 1 , 
dass ich sagen will: „Gott empfehle ich mich!“ Welch ein 
närrischer, überschwenglicher Gedanke hat mir schändlichen 
Zweifel verursacht! Ich erinnere mich nicht, dass man mich 
gräflich machte. 

IX. Guiraut, es thut mir leid, beim heiligen Martial, 
dass ihr Weihnachten von liier scheidet. 

X. Linhaure, denn ich gehe alsbald an den könig¬ 
lichen Hof, den vortrefflichen und herrlichen. 

m. 

Der König als Liebhaber 2 . 

I. Wohl gefiele es mir, Herr König, vorausgesetzt, 
dass ich bei euch ein wenig Müsse sähe, dass es euch be¬ 
liebte, mir die Wahrheit zu sagen, ob ihr glaubt, dass in 
eurer Liebe eine gute Dame so viel Ehre geniesst, wie (in 
derjenigen) eines anderen wackeren Ritters; und haltet mich 
deshalb nicht für einen Feind, vielmehr antwortet mir frei¬ 
mütig! 

II. Guiraut von Bornelh, wenn ich mich nicht selbst 
mit meinem Wissen verteidigte, so weiss ich wohl, worauf 
ihr hinauswollt. Demnach rechne ich es euch wohl als 
Thorheit an, wenn ihr glaubt, dass ich wegen meines hohen 
Standes weniger zu einem wahrhaften Liebhaber tauge! 


1 sie ist mir so feindlich gesinnt (s. d. Anm.). 

2 Inhaltsangabe 8. 52, Text 6.86. — Eine deutsche Uebersetznng 
der 1. Str. giebt Kannegiesser 8. 134, eine franzOs. Uebs. der Str. I. II, 
IV u. VI Emeric-David in der Hist. litt, de la Fr. 17,445. 


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99 


Ebenso könntet ihr einen Heller gegen eine Mark Silber 
abschätzen 1 . 

DI. So schütze mich Gott, Herr, mir scheint von 
einer Dame, welche auf Trefflichkeit hält, dass sie um der 
Habe willen nie fehle und aus einem König oder Kaiser nie 
ihren Liebhaber mache; das scheint mir, und sie braucht 
es auch nicht; denn ihr, vornehme, hochgestellte Leute, 
wollt davon nur den Liebesgenuss. 

IV. Guiraut,und ist es nichthübscher, wenn derMächtige 
seiner Dame Ehrfurcht zu erweisen weiss und ihr das Herz 
mit der Macht vereint? Schätzt sie ihn denn, wenn sie ihn 
zum Herrn hat, weniger um seiner Macht willen, wenn sie 
ihn nicht schlecht oder hochmütig findet? Pflegt man ja 
doch im Sprichwort zu sagen, dass derjenige, der mehr ver¬ 
mag, das Bessere erhält. 

V. Herr, sehr grossen Schaden nimmt Frauendienst, 
wenn er die Sorge und die gute Hoffnung einbüsst; denn 
hohe Bedeutung hat die Stellung des echten Liebenden auch 
vor dem Beiliegen. Aber ihr, Mächtige, verlangt, weil ihr 
grösser seid, das Beiliegen zuerst, und ein zu leichtsinniges 
Herz hat eine Dame, welche denjenigen liebt, der nicht in 
sie verliebt ist. 

VI. Guiraut, niemals bezeichnete ich mich als sehr 
mächtig beim Gewinnen einer guten Dame; aber auf die 
Erhaltung ihrer Freundschaft setze ich wohl die Kraft 
und die Tüchtigkeit, Wenn die Mächtigen Betrüger sind 

- und nicht heute so wie gestern lieben, so glaubet darin 
in Bezug auf mich keinem Verleumder, denn ich liebe die 
guten Damen ehrlich! 


1 d. h. dass ein König in Liebessachen weniger gelte als jeder be¬ 
liebige wackere Ritter, ist ebenso unrichtig wie etwa die Behauptung, 
dass eine Mark Silber einem Heller an Wert nachstehe. 


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100 


VIT. Herr, von meinem Solatz de Quer und von 
Herrn Topiner würde ich wohl wünschen, dass sie offen 
Damen liebten. 

VIII. Guiraut, jawohl, in leichtsinniger Liebe! Aber 
schaffet mir keinen Nebenbuhler, denn ich habe deren hundert¬ 
mal mehr, als mir lieb ist. 

IV. 

Ersehntes Liebesglück . 1 

I. Wenn ich je von der Minne Ehre, Lohn und Gunst 
erlangen könnte, so hat sie mich nicht so schlecht behandelt, 
dass ich ihr nicht noch dienen sollte. Und wenn sie meine 
Bitteu erhörte, die Freuden und die Annehmlichkeiten, die 
ich dann haben würde, kann kein Herz denken und kein 
Mund erzählen! Saget, da ich vom Erhören so befriedigt 
sein würde, was würde euch dünken (wie befriedigt ich 
wäre) von ihrer Gutthat? 

H. Und wenn ihr, die ich so sehr ehre, dass ich 
mich selbst deshalb hingegeben habe, mir helfet, werdet 
ihr mich ganz nach Wunsch haben, das versichere ich euch, 
so dass man nie von einem anderen Sterblichen so grosse 
Anstrengungen gesehen hätte! Denn ich werde den Fremden 
und den Bekannten dienen und werde närrisch sein und 
bald vernünftig, bald lustig und bald bekümmert. 

HI. Und habet nie Angst, dass ich fürder meine 
Neigung einer anderen zuwende; denn alles, was ich stets 
gesucht habe, werde ich gefunden haben und werde euch 
so treu sein, dass ich deshalb die Feinde zu vernichten 
suchen und zu den Freunden sanft und leutselig sein werde; 
so werden mich, wenn ihr es mir befehlet, die Schlechten 
mit Uebel- und die Guten mit Wohlthun haben. 

IV. Giebt es in der Welt einen Kaiser von Adel, 
der die Hälfte davon wert wäre? Nein! dabei ist wenig Trug! 


1 Inhaltsangabe S. 65, Text S. 88. 


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101 


Denn in der Welt giebt es keine (schöne) Person, die 
mir besser gefiele. Ach, edles, höfisches, gütiges Wesen! 
In der Welt ist kein Kaiserreich noch Königtum, das mir 
im Vergleich zu euch nicht grosse Armut wäre, und mit 
euch allein würde ich Kaiser sein! 

V. 

Amors Schuld 1 2 3 . 

I. Wohl soll man belehrend seinem Freunde seinen 
guten Rat geradezu sagen, wenn er Ungebührliches thut, 
auch wenn es ihm nicht gefällt, dass man ihn sage; denn 
wer den Freund einen Fehler begehen sieht, lässt ihn durch 
sein Schweigen mutig werden; beide fehlen sie gleich sehr*, 
der eine, indem er schweigt, der andere beim Unrechtthun. 

II. Deshalb werde ich nicht abstehn, euch zu sagen, 
was ich will, hinsichtlich dessen, weswegen man euch tadelt, 
obwohl ihr davon schweren Kummer habt. Denn lesend 
würde ich finden, Amor, man soll sich nicht enthalten, etwas, 
was dem Freunde, den man liebt, Glück bringt, zu sagen, 
obwohl das ihn ärgern mag. 

III. Und weil ich euer Diener bin, sage ich euch mit 
aller Zuversicht: Je treuer ihr einen Dulder findet, um so 
mehr Leid hat er von euch. Wohl glaube ich, dass ihr mit 
jenem Umgang habt, den man nicht nennen darf, und mit 
Würfeln*, welche alle diejenigen schmachten lassen, die ihrem 
Tanze folgen, weshalb ich glaube, dass ihr alle gleich seid. 

IV. Um Gott wollet meine Pein und meine Qual 
lindern, denn meine Dame, zu der ich treue Liebe hege, 
giebt mir nicht nach. Ich glaube zwar, dass sie es wollen 
würde, aber sie kann euer Gebot keineswegs überschreiten, 


1 Inhaltsangabe S. 67, Text S. 90. 

2 »gleich sehr (in Einer Schätzung) (?)“ T. 

3 „die wie der Teufel betrügen, wer ihnen vertraut“ T. 

7 


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102 


denke ich mir; denn ihr habt sie mehr in eurer Gewalt, 
als der Vater seinen Sohn. 

V. Wenn ich mich ihrer nicht erfreue, so sage ich euch 
ganz offen: Eure Ehre nimmt beständig ab, denn ihr habt 
eine falsche Art. Da man euch in falscher Erwartung dient, 
sollte wohl jedermann es vermeiden, euch zu ehren und 
hUbsch zu dienen; denn Dienst fördert nicht, wenn man 
ihn nicht vergilt. 

VI. Noch könnte ich Freude haben, wenn ihr, Amor, 
mir von ihr, die mich schmachten lässt, Zusicherung gebet, 
von ihr, welche die Trefflichste ist, von guter Art. 

VII. Diese Tornada ist mir leider unverständlich geblieben (s. d. 

Anm.). 

VI. 

Die Schlechtigkeit der Welt'. 

I. Meine Zunge kann nicht umhin, zu sagen, was mein 
Herz ihr aufträgt; denn das Herz thut nach Ritterart, da 
es jederzeit die Glieder in seiner Botmässigkeit hat; und 
demnach scheint es mir, wenn solches Wort der Höflichkeit 
nicht nahe ist, wohl ausgemacht, dass die Zunge sich mit 
Botmässigkeit entschuldige, denn sie ist ohne Lüge des 
Herzens Magd. 

H. Die Welt hat von Höflichkeit abgelassen, in Ge¬ 
meinheit ist sie und in Verderbnis; mehr gelobt wird, wer 
alles nach Belieben wegnimmt, als derjenige, welcher gemäss 
seinem Reichtum giebt; denn der Gemeine ermutigt die 
Schlechteren, und sie unterstützen einander(?); der und jener 
geht im Verborgenen (?) um seines Gebens willen, und wegen 
seiner Betrügerei wollen wir uns vor solchem Besitze wohl 
hüten 1 

IH. Also nicht hat statt, was Paulus zu lehren (?) pflegte, 
welcher in seiner Schrift also sagte: „Mehr gelobt wird, wer 


1 Inhaltsangabe S. 67, Text 8. 62. 


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103 


seinem Nachbar giebt, als derjenige, welcher nimmt“, denn 
jetzt pflegt der Edelmut sich entgelten zu lassen, und nicht 
rate ich, einen Schiedsrichter zu fragen, was besser und 
ehrenvoller sei, Nehmen oder Geben; denn die Schurken 
werden sich dafür verbürgen wollen, dass Geben nicht so 
viel gilt wie Nehmen. 

IV. Und wenn die Guten ihr Recht gegen die Schurken 
werden verteidigen wollen, so werden sie es weder abends 
noch morgens thun können, wie ich bei mir denke, denn ihr 
Unrecht ist zu stark, um es zu vernichten. Weil auf einen 
Guten hundert Schlechte kommen, was würde ihnen da in 
dieser Hinsicht der Schutz gegen die Schurken, deren 
Köpfe Gott spalten möge, nützen? Wenig oder nichts, das 
möchte ich wahrlich meinen (?). 

V. Und da die Guten die Macht verloren und die 
feigen Schurken und schmähsüchtigen Verleumder mit hartem, 
trotzigem und grausamem Herzen sie geraubt haben, was 
werden sie da thun, wenn Gott nicht Rache nimmt? Werden 
sie aufhören, seinen Willen anzuerkennen? Ich rate es 
ihnen nicht, so gewiss (ich wünsche, dass) Gott mir ein 
gutes Jahr gebe. Lieber will ich Gutes thun, ohne (irgend 
eine) Ehre zu geniessen, als mit schlimmer Prahlerei ge¬ 
schätzt werden. 

VI. Denn ich will lieber, bereitwillig ohne kindischen 
Leichtsinn, in Wiese oder Garten ein Lamm sein, als ein 
Wolf oder Bär, obwohl ich dabei die Sorge hege, zerrissen 
zu werden oder schweren Kummer zu haben; denn wer gut 
stirbt, gewinnt wenigstens so viel, dass Gott ihn bei sich 
krönt (?), und er hinterlässt seine Söhne reich an seinem 
Ruhme; in der Welt giebt es keinen Reichtum, der diesem 
gleich wäre. 

VH. Freund Bertran, der ihr so einsichtig seid, wenige 
kenne ich, die im Vergleich mit euch einen Handschuh 
wert wären. Fasset Mut, da ihr ohne Zweifel hohe Ver¬ 
dienste erworben habtl Bleibt dessen eingedenk 1 

7 * 


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104 


Anmerkungen. 


I. 

(Inhaltsangabe S. 16, Text S. 77, Uebersetzung S. 94.) 

1—2 citiert Barbieri nach H, cf. Mussafia, Sitzungsber. 
d. phil.- hist. Klasse der Wiener Ak. der Wissensch. 
Bd. 76,242. 

1. Situ. Das sich in einer Anzahl Handschriften 
findende Sieus könnte ja aus si + ieu + us entstanden sein; 
vielleicht schrieb man es aber fälschlich statt des aus se + us 
entstandenen seus , das sich doch von dem aus se + eu + us 
entstandenen seus nicht unterscheidet; vielleicht steht aber 
auch sieus für sius, da ja der Triphthong ieu für den Diph¬ 
thong iu sich häufig, und selbst im Reime, findet; vgl. 
Weisse, die Sprachformen Matfre Ermengaus S. 10 § 3,5: 
ieu (ego): vieu (vivit): vieu (vivum). — Ueber die Entstehung 
des Namens „Alamanda“ aus „Alamanna“ s. 0. Schultz, 
Dichterinnen S. 9,3. 

4. Die Bemerkung des Nostradamus (s. Bartsch im 
Jb. 13,49) über Guiraut von Bornelh „qu’amour n’eust 
jamais pouvoir sur luy et qu'il a tousjours mespris£ son 
royaume et la beaut6 des plus belles femmes de son temps“ 
ist ganz unbegreiflich, wenn man ausser Ged. I, IV, V, so¬ 
wie II 50 ff. etwa noch folgende Stellen aus Guirauts Werken 
vergleicht: 43 I Al eo m'aue, dieus m’aiut, Qu'er, quan cug 
ehantar, plor! Seria ia per amor Que m’a sobrat e uencut? 
E per amor no uen ■ iais? Si fai! Doncs per que m'irais Ni 
que’m fai marrir, Que non o sabria dir? MG. 815; 4 IV De 
lonx temps non agra cana, Si s'amor non enuejes MG. 198; 
31 V Qed pretz prezans E l cors adreitz e benestans, Duichfs) 
de bella paria M’a mes en sa baillia Arch. 51, 14b; 70 VI 
Caissi'm ten amors destreig Q’entcndeire ses gazaing Sui (Tun 
ric luoc seignoril Celat e de terra estraigna, Don no sui casatz 
Arch. 33,332 b und 2 II Ab bei semblan mi fai uoler Midonz 


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105 


so que plus mi deffen; Ab art et ab fals geing mi pren, Oum 
s'ieu Vera trichaire. Per lieis pert mm ueiaire; Tant m’es 
abeUida, Car m plus m’oblida, Qand ops me seria, Mos eors 
s’en uai Lai on li plai; Ses cor uiu, ear ab mi nm l'ai, 
Qu’ül l’a en baülia Arch. 51, 25b. 

Trotzdem meint Bartsch, des Nostradamus Aeusserung 
sei gewiss berechtigt und beziehe sich „ohne Zweifel“ auf 
eins von Guirauts Liedern. Anzunehmen wäre nur, dass 
Nostradamus Guiraut missverstanden habe, als er sagte: 
37 VI E s'ieu ia tom uas Essiduoill, Vauc uiran de mal 
en peior, Que per dompna ni per seignor Nm me uolc trop 
mouer ded fais Arch. 33,329 a,46 oder 73 I Si per mm 
Sobretotz no fos Que'm ditz qu'ieu ehant e sia gays, Jad suaus 
temps, quan Verba nays, Ni pratz ni rams ni bosc(s) ni flors 
Ni durs senhers ni van' amors Nirm pogran metre en eslays 
MW. 1 , 203. 

Vielleicht sind es auch diese Stellen, aus denen Nostra¬ 
damus den Schluss zog, Guiraut habe nie, welchen Lohn 
man ihm auch anbot, in den Dienst eines Fürsten oder 
Herrn treten wollen; dass diese Nachricht ebenso irrig ist 
wie jene, zeigt 54 I Ops m'agra, Si m'o consmtis La 
sazos ded temps entenerc, , Qu'en cal que solatz m'esgauzis, 
Que cmtrad freit m'agr’ops vestirs, E cmtrad tort qu'eu 
prenc merces E cmtrad trop tazer chantars E cmtrad camje 
de'ls baros Francs seigner e cortes e bos B. Chr., 104/5. 

7. abrandar als intransitives Verbum, in der Bedtg. 
„entbrennen“, entsprechend dem afz. abrander (s. Godefroy 
s. v.) steht nicht im Lex. rom. 

10. Neben dem nach Diez, E. W., S. 177 im Afz. 
vorkommenden garandir existiert ein garandar verbürgen, 
das in dieser Bedeutung nicht im Lex. rom. vermerkt ist, 
wie etwa neben revertir das gleichfalls im Lex. rom. fehlende 
revertar zurückkehren, welches Stichel, Beitr. z. Lexiko¬ 
graphie des altprov. Verbums, A. u. A. 86 s. v. und Levy 
ZfrP. 15,543 durch eine Anzahl Beispiele belegen. — Aehn- 


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106 


lieh wie hier Alamanda sagt Guiraut in 9 V: E sors anc 
res que ioys fos Leu (ni) de cors? Arch. 36, 422. 

11. blandir heisst hier „wohlwollend entgegenkommend 
vgl. auch 3611: Car nuills fins amaire Non sap d'amor gaire 
Que leu s’irais; C Amors dona lei Com l'autrui fort blanda e 
mereei Arch. 33,313 a, 26. 

12. no crescha ni s’espanda. Perissologieen finden sich 
hier öfters, und zwar stets in den Worten der Alamanda: 
31 esdui’ e’us resconda, 42 chamjairitz ni leugera, 48 treva 
ni fi ni patz. — Vgl. mit dieser Stelle Guiraut 58 V: Ja 
non soans So que plus uols ni tfen feignas iratz; Que guerra 
toi souen so qu’adui patz Arch. 33,320 a 53 und 78 III: per 
pauc de meseap trasvai Amors d’amic e de senhor Rdlr. 
25,217, 41. 

13,14 und 16citiert Rayn. im Lex. rom. 4,16b, s. v. landa. 

15. Lo bes e'l mals = „Alles ohne Ausnahme“, wie v. 60 
ni vestida ni nuda — „ganz und gar nicht, in keiner Ver¬ 
fassung“ und VI 26 ni lo ser nvl mati = „niemals“; über 
diese Ausdrucksweise s. Stimming zu BBom 4,23, Perle, 
ZfrP. 2, 415 und Grosse, Franz. Stud. 1, 255. — In 71 II 
sagt Guiraut: Mas ieu sec sos manz, Sia m pros o danz, En’ai 
mal e be Arch. 34,398b. 

17 citiert Rayn. im Lex. rom. 3,513a s. v. gronhir. 

18. bei’ e blonda. Andere Beispiele von Allitterationen 
bei Guiraut sind feinz, fals e felos 15 I, benignes ebos 1511, 
pe o ponh 27 II, paucs pereatz 27 III, don e despenda 27 VIII, 
pretz prezans 31 V, jois ejovens 24 V, fis e ferms 33 VI, vol 
ni vir und lo cor nvl coratge 43 Ul, lo dampnatges e l dans 
55 I, frag e flor 5 I u. 67 III, falh e fui 73 I und die 
schon von Appel, P. Rog. in der Anm. zu S. 23 hervor¬ 
gehobenen afan ni fays, los defragz e’ls frunitz, esproar los pros. 

20. Mas ist wohl hier am besten in der Bdtg. von „da, 
weil“ aufzufassen, die es z. B. auch B. Chr. 51,14 und Flam. 
v. 2927 u. 4307 hat. Den Uebergang zu dieser auch von 


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107 


Diez in der Gramm. 3,351 Anm. angegebenen Bedeutung 
bilden nach Herrn Prof. Tobler Fälle, wo „aber“ den Grund 
angiebt der Art, dass die Kenntnis der Thatsache den 
andern sofort aufklärt; z. B. ich komme nicht, aber (du 
brauchst dich nicht zu wundern) es ist schlechtes Wetter. 

21. Welche Leiden dem Dichter die Liebe verursacht, 
geht z. B. aus 25 V hervor: non vezetz Los mals qu'ieu 
trac ni'ls plains ni'ls gems Q’ieu fatz la nuoich, qan sui col- 
gatz, E'l jom non puosc estar em patz Arch. 33,331b, und in 
59 VI sagt Guiraut in Bezug auf die Liebespein: Ab ma 
voluntat paurueha No m’ai ( m’a C) laissat cam ni sanc 
B. Chr. 108,9. 

23. Statt sen können verschiedene Schreiber, auch un¬ 
abhängig von einander, das paläographisch nahestehende 
und auch in v. 21 vorkommende tem eingeführt haben. 
— Die Wassersgefahr spielt in verschiedenen Gleichnissen 
Guirauts eine Rolle, so 60III: sui plus despers Per sobramar 
Que rums, qan uai tomban per mar Destreicha d’ondas e de 
uens; aissi'm destreing lo penssamens Arch. 51,19 b und 67IV: 
sobregabaire, Dins o defors son repaire, A pejor perilh que 
naus 1 MW. 1,197. 

27. vgl. dazu Guirauts Worte in v. 19. 

28. Der Satz ist als Sprichwort im Lex. rom. 4,485b 
und von Cnyrim S. 49 unter No. 873 citiert. — pelar ist wohl 
dasselbe wie das franz. peler, nämlich „abhaaren, die Haare 
abbrühen“ (s. Maetzner, Afz. Lieder S. 279), also „gänzlich 
enthaaren,“ während tondre „abscheeren“, d. h. nur „teil¬ 
weise der Haare berauben“ bedeutet; so heisst es in einem 
der heutigen Volkssprache angehörenden Satze in Sachs’ 
Wbch. s. v. peler: II n’y avait que quatre tondus et un 
pel6. In Bezug auf die Wiese wendet auch La Fontaine, 

1 StOssel, Bilder und Yergl. d. altprov. Lyrik, 1886 S. 51, No. 266 
liest aus diesem Satze fälschlich heraus, dass die Gefahr des Gross¬ 
prahlers «eine weit geringere* sei als die des Schiffers. 


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108 


Fabl. VII 1 tondre an, indem er sagt: Je tondis de ce pr6 
la largeur de ma langue. 

29. Dieser Vers und IV 27 sind Beispiele für das 
Verwachsen der den Inf. begleitenden Präpos. mit dem 
Artikel des von demselben regierten, ihm vorangestellten 
Nomens; vgl. Tobler, vrai aniel, S. 22 Anm. zu 5, Tobler, 
Verm. Beitr. 1. Teil, S. 75 und van Hamei zum Renclus 44,7. 

30—32 sind mit heissendem Spott gesagt; mit om cochatz 
spielt Alamanda auf Guirauts Worte in v. 2 an. 

34. Ueber mentir „die Treue brechen“ s. Tobler, 
Verm. Beitr. 1, 177 Anm. — Aehnliche Vorwürfe macht 
Guiraut seiner Dame wiederkolentlich: 4 III Svm fos d'atnar 
tont humana Cum ieu suy, ben cug m’ames. De talan uolgra'm 
camjes; Bom fora, s'a Heys plagues; Mas alons se fax grazir 
MG. 198; 33 DI Epesam car iois es faillitz, E uau per una cam- 
iaritz Desconortatz, Cuisui (fui V), mentrem semblet uertatz Sa 
mensonia, fis e xierais, En qu’ella'm galiet e’m trais Arch. 34,398a 
und 35 HI Ben son mane[i]nz de % l maltrag qe’m donaz Soffrir 
en patz, deu(s) m’en don älegrage, E soi paubres , quant uos 
no m’esgardatz Et a ls autres d'entern fax (1. fatz) bei usage 
(1. uisage) MG. 837. 

36—37. Guiraut giebt hier in der Erregung zu, dass 
der Vorwurf, den ihm seine Angebetete wegen seiner Treu¬ 
losigkeit (v. 4) gemacht hatte, berechtigt sei; daher lässt 
er auch die ihm durch Alamanda von ihrer Herrin über¬ 
mittelten Anschuldigungen (s. Str. VHI) unwiderlegt. Die 
„anderen Freundschaften“ scheint er aber nur zum Scheine 
eingegangen zu sein, um seine ungetreue Geliebte zu be¬ 
strafen und eifersüchtig zu machen; denn in 48 I u. VII 
sagt er: Mamigam mena estra lei; Non sai perque, Q’ieu 
non l'ax forfaich Baue ni re, Si dieus rrüaiut! Doncs per que 
m'azxra, Pois ieu nuill enoi no'il fatz? Car Ix platz! Dal res 
no’i sai; Eper so die que mespren E car encolpat no’m sen... 
Dane des l’ora q'ieu fui natz, Apenssatz, Sil s’o retrai, No'ü 
fraissi son mandamen Neseis ni ab escien Arch. 33,324al 


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109 


u. 825 a 73, in 58 IV Mas des que ui qe'l cors era camiatz, 
Camiera'l mieu , s’aissi no'i fbs fermatz Arch. 33,320 und in 
63 IY Cor flae e vuee D’essenhamen Ag'im, s’anc de s’amor 
m'estrays, Pos la vi, ni si de mentir L'ai cor Rdlr. 25,212, 
aber in dem Devinalh 80, Str. V Brutz ai estat una sazo 
Seines engan ab trario B. Chr. 104,1. 

39. na Berenguera. Berenguera ist, ein zu Guirauts 
Zeit in Stldfrankreich sehr häufig verkommender Name. 
Die Tochter Sanchos YI. von Navarra, an welche 
Selbach S. 56 bei dieser Stelle dachte, kann hier nicht ge* 
meint gewesen sein; sie heiratete 1191 den König Kichard 
Löwenherz und war vielleicht bei der Abfassung dieser 
Tenzone noch garnicht geboren. Möglich wäre es, dass die 
Dame Guirauts noch eine andere Zofe namens Berenguera 
hatte, möglich aber auch, dass Guiraut hier an die Eselin 
aus dem Roman de Renart dachte (s. ed. Martin 1, v. 780 
l’anesse Berenger) und andeuten wollte, dass Alamanda mit 
ihren schlechten Ratschlägen sich dümmer zeige als eine 
Eselin; das wäre eine Grobheit, die sich den unmittelbar 
vorhergehenden Schmähungen und Drohungen nicht Übel an¬ 
schlösse. — Herr Prof. Tobler glaubt, dass die Berenguera eine 
durch eine Novelle als schlechte Beraterin sprichwörtlich ge¬ 
wordene Frau ist. 

41. Levy schlägt im LgrP. 10, 182 die Lesung vor: 
L'ora vej’ieu „möchte ich doch die Stunde sehen“; aber 
Alamanda ist trotz der ihr von Guiraut zu Teil gewordenen 
Unbilden nach wie vor (v. 29, 57 u. 63) bemüht, den 
zwischen den Liebenden ausgebrochenen Zwist aus der Welt 
zu schaffen, so dass ihr ein derartiger Wunsch ferne gelegen 
hätte. 

43. Die Zofe giebt ihrer Verwunderung darüber Aus¬ 
druck, dass Guiraut bei solchem Verhalten, das doch nur 
geeignet sein könnte, ihn seiner Dame immer mehr verhasst 
zu machen, sich zu der Hoffnung versteigen könne, dass 
diese ihn um Versöhnung bitten werde. 

i 


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— 110 — 

44. Die Warnung, welche Alamanda nach meiner 
Auffassung dem Dichter in diesem Verse erteilt, wäre nach 
den vorausgehenden Zeilen wohl angebracht; dagegen läge 
in den Worten „ich glaube nicht, dass sie so zahm ist“ 
nichts Anderes, als was soeben ausgesprochen war. Aus einem 
cugetz des Originals konnte leicht cuges und eug ges ent¬ 
stehen, worin die Differenzen in den Hdss. begründet zu 
sein scheinen. 

47. Mit R lese ich Si l'en destrenh, das mit der 
v. 29, 57 u. 63 ausgesprochenen Bereitwilligkeit der Zofe 
im Einklänge steht und erst verstehen lässt, warum Guiraut 
in der folgenden Strophe Alamanda gegenüber einen so 
sanften Ton anschlägt und sie inständigst um Verzeihung 
und Hilfe bittet; si s’en destrenh, das, da s und l sich 
paläographisch sehr ähnlich sind, leicht für si l’en destrenh 
verlesen worden sein konnte, ergäbe zu v. 44 einen Wider¬ 
spruch. ABN mit. si iaus (statt si laus?) und das la in Q 
können die Lesart von R nur stützen. 

48. treva ist die Femininform zu dem von Guir. im 
Ged. 20 im Reime gebrauchten treus. 

55. Que he vos die bezieht sich wohl darauf, dass der 
Dichter die damit eingeführte Aeusserung in v. 21, wenn 
auch in anderen Worten, bereits gethan hat. — Auch in 
43 V heisst es Km fara murir, Sol q’en son atur no'm uir 
MG. 816. 

56. Guiraut mochte in seiner Angebeteten die in 
v. 36 angedeutete Vermutung nicht aufkommen lassen und 
für den Fall, dass sie nicht nachgebe, seinen Plan, sich 
durch Scheinfreundschaften an ihr zu rächen, nicht vereitelt 
sehen. Der Wunsch des Dichters, seinen Schmerz zu ver¬ 
leugnen, ist auch in 34 IV enthalten: leugieiramen se muda, 
Per saubuda m’estrai So qe'm fetz gai E me descapte. Merce 
No'il deman Mas uau m'alegran Com no’n conogues Ni saubes 
L'afan Arch. 33, 326,75. 

57. Vgl. dazu v. 29. 


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111 


58. ira8cuda ist das Fern, des Part. perf. von iraisser; 
dagegen kommt iratz v. 8 unmittelbar vom lat. Part, „iratus“ 
(s. dazu Sternbeck, Unricht. Wortaufstellungen u. Wort¬ 
deutungen in Rayn.’s Lex. Rom. S. 64). 

59. Ueber a saubuda und a saubut s. Stimming zu 
BBom 8,48 u. 12,40. 

61—62. Die verschiedene Auffassung des que scheint 
hier in den Hdss. die Verwirrung veranlasst zu haben; da 
die Worte s’autra'n preiatz mir nach dem kurz vorher da¬ 
gewesenen Cautra'n preietz etwas verdächtig schienen, als 
seien sie von einem Schreiber, der das Ner so sapchatz 
der Hdss. DGIK oder ihrer Quellen nicht verstand, zum 
Ersatz dafür eingeführt worden, während andere (so AßN) 
den v. 62 vielleicht aus demselben Grunde gänzlich aus- 
liessen, so wollte ich, zumal da auch So sapchatz den Ueber- 
gang in angemessener Weise vermittelt hätte, die Stelle 
lauten lassen „No fara donc } si no'us gic , que vencuda Ner? 
So sapchatz doch hält Herr Prof. Tobler das dann sich 
einstellende Enjambement für „schwer annehmbar.“ 

64. In 9 in gesteht Guiraut selbst ein, ohne Grund 
mit seiner Geliebten Streit angefangen zu haben: Fohrs fo 
ma sospeizos Ca trop meillors; no sofre re Cuiar de se. Be 
fatz doncs foV atendenza; Trop uiatz Me son camjatz. Non 
digatz Qu’ela's me tuella\ Qu’eu la’m tuell! Arch. 36,422; 
ähnlich sagt er 48 VI ieu li cre Mout auer forfait. Qui la 
fe, s’il platz que'n (1. que'm) tut? Mout m’en abellira Sus pe'l 
cap colps d’astellatz, ar sapchatz , E si's riestrai , semblara'm 
deschausimen. — Die mal? Oc! s’il o enten. Arch. 33,325a,57. 

66. Wie nachgiebig und demütig Guiraut hernach 
wurde, zeigen folgende Stellen: 25 VII E svm tenetz pres 
e m l liam E no'm ual forsa ni ualors, No'm deu ualer humili - 
tatz? Si fai , mas en re non trassaill Vostres mans Arch. 
33,331b; 60 V Aissrus clam merce humilmens , Bona dompna 
pros e udlens Arch. 51,20a und 12 VI Qu’ieu sui d’un 


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112 


latz Pe’l col lassatz, A vos donatz Et autreiatz, Quar tant 
eratz De hon aire MW. 1,195. 

n. 

(Inhaltsangabe S. 39, Text S. 83, Uebersetzung S. 96.) 

1. Bomelh hat e estreit, nicht wie Wiechmann, Üb. d 
Ausspr. des prov. e, Halle 1881, S. 14 aus der irrigen, jetzt 
durch Cornicelius in v. 319 (s. d. Anm.) geänderten Lesart 
von Bartsch (Chr. 226,30) schliesst, ein e lare. Salvini 
(s. Crescimbeni, Ist. 2, 99) hatte hinsichtlich des Namens 
„Bornelh“ an „Brunello“ gedacht. — Nach Chabaneau , H. L. 
10,352 Anm. 1. ist Bornelh vielleicht der heutige Name Bour- 
neix („l’x est lä sans valeur phonique ou etymologique“), den 
ein Excideuil nahegelegener Ort führt, aus dem Guiraut ge¬ 
bürtig sein könnte. — 

2. Statt per c’anatz schreiben Diez und Balaguer: 
que anatz. 

3. Über das trobar clus s. S. 41. — Bai.: percal. 

7. Die Form seraun bei Diez entstammt E, dem 
Chansonnier Peiresc: vgl. dazu P. Meyer, Rom. 9, 193/4. 

8. Senhe'n (mit dem Stützpunkt vor n) schreibe ich 
hier und in III 1 mit Stimming (zu BBorn* 7,73). — 
Dem prov. Senker en entspricht im Span. „Seäor Don,“ das 
Wiggers, Gramm, d. span. Sprache 2 , §16,5 S. 32 bespricht. 

10. es er jutjaire steht hier für jutjar wie in V 37 eser 
jauzire für jauzir. — Diez folgt E, und Bai. schreibt ohne 
Rücksicht auf das Versmass m’eis; will man bei ER bleiben, 
so muss man wenigstens me in eu ändern, da der Dichter 
nicht sich selbst beurteilt, sondern eine allgemeine Ansicht 
ausspricht, me aber bei eis, wie moi in moi-meme, in Nomi¬ 
nativ-Punktion kaum nachzuweisen ist (vgl. Bohnhardt, 
A. u. A. 74 S. 98). 

11—13. Denselben Gedanken äussert Guiraut in 7 I 
(cit. S. 42—3) und sagt in 32 I: Irop ualgra mais donar 


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113 


Mos gais sonetz ioyos Ab bels ditz et entiers Entendables e plas 
Que trop eseurs e sobrestorias MG. 241. 

13. venarsal schreiben D u. N*, uenansal schreibtE, während 
das Wort in der Vorlage von R wohl uemassal lautete. Im Lex. 
rom.Bd. 5 findet sich S. 486a,9 venassal = v6nal, vendable und 
S. 611a vemassal= bas, vil, bouffon, servile; sollten nicht etwa 
diese beiden Wörter identisch sein und wie vils bald „gemein = 
allen zugänglich“, bald „gemein=niedrig“ bedeuten? BGr. 
125,1 beginnt nach C (s. BGr.) Un sirventes leugier e ver- 
nassal, nach M (MG 106) Vill siruentes leugier e uenassal 
und vers legers e vemassals hat auch Guilhem von Cerveira 
gedichtet (s.Chab.,H.L. 10,365a) 1 . Hierb'edeutetdas betreffende 
Wort jedenfalls dasselbe, was in der nämlichen Verbindung 
vil bedeutet in Guirauts Ged. 45 I: Leu chanchoneta e ml 
Auria obs a far, Q’eu poges enuiar En Avergn'a'l Dalfi, 
Rom. Stud. 2,414. 

18. fatz ist weder hier noch in 30 II, wie Mann 

A. u. A. 41 S. 66 sagt, dasPart. praet. von faire; hier ist 
es = fatuos, in 30 II einmal = fatuus und dann = facio. 

21. So ist zugleich Obj. zu conoiso und Subj. zu chal. 

24. mazan bedeutet Unruhe (wie schon im Boethius, 

B. Chr. 4,14), Beunruhigung, Belästigung. Auch in 
5 II E per o ben a mais d’un an, Qu’om me pregava qu’ieu 
cantes; E fora hon que m n'esforses, Si'm pogues pagar de'l 
mazan MW. 1 , 189, wo es Diez L. u. W. 132 mit „Geräusch“ 
im Sinne von „Beifall der Welt“ wiedergiebt, ist mit jener 
Bedeutung auszukommen, ebenso wie in 74 III E sil cors 
gerne Se uira, no m’en cal Vas fols masans, Ab so que non 
sofer De salutz ni de mans MG. 1364. 

28. chaptal heisst hier, wie chatel im Afz. öfters 
(s. Godefroy, Dict. 2, 90 b), Gewinn, Vorteil. — Cnyrim giebt 
unter No. 908 die Worte von ades bis chaptal fälschlich als 
einen selbständigen Satz. 


1 „8. Mich Appel, Inedita S. 41 Z. 41“ T. 


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32—33. Der Satz drückt dasselbe aus wie die Worte 
Ciceros: Et quidem omnia praeclara rara (de amic. 21,79); 
die Verse sind im Lex. rom. 5, 544b und bei Peretz, Alt- 
prov. Sprichwörter S. 33 unter No. 105 als proverbe citiert; 
ausserdem bringt Rayn. sie im Lex. rom. 3, 61 a s. v.dieutat 
und Sternbeck S. 4. Dass dieutatz als selbständiges Wort 
im Prov. nicht existiert und in der Hds. R nur für deintatz 
(= afz. daintie „Leckerbissen“) verschrieben ist, darüber 
s. Tobler, Ein Lied Bernarts von Ventadour, Sitzungsber. 
d. Kgl. Preuss. Ak. d. Wiss. 1885, 2. Teil, S. 948 Anm. 
und Sternbeck a. a. O. — Den Wortlaut der Uebersetzung 
dieser beiden Verse verdanke ich Herrn Prof. Tobler. 

34. Wie Linhaure hier Gold und Salz, so stellt er 
(Raimb. von Aur.) in 389,6 v. 37 Gold und Sand einander 
gegenüber. 

36. „ fort de bo coselh ist = de fort bon conseil, d. h. ein 
guter Berater“. T. 

38—40 citiert Rayn. im Lex. rom. 5, 49 a s. v. enraumar 
und übersetzt: Pourtant ainsi me vaut plus de peine mon 
son elevö qu’un enrou6; ich fasse si als konditionale Kon* 
junktion auf und ziehe, da nur Fragesätze mit tonlosem 
Pronomen beginnen könnten, E pero zu Lom deisazec. 

39. Dass Guiraut das Dichten in der klaren Manier 
schwer ankam, zeigt ausser 45 I (cit. S. 97®) z. B. auch 4 I 
Aital cansoneta plana que [mos filhols e l ] quasqus s’i deportes, 
Feira, si far la saubes MG. 198, ferner 18 1 Cassi cum si 
nom chalia, Fatz leugiers sonetz, Que:l plus greus semba 
(1. sembla) que sia Bons e leus per faire Arch. 51,9 a, und in 
70 I spricht der Dichter von seinen leugiers digz ueziatz 
Sotils e menutz soudatz Arch. 33,331b. 

41—42. Auch zu dem an lo angehängten me könnte 
ad ome sesal die Apposition bilden; vgl. Stimming zu BBorn 
4,28. — deisazegar fehlt im Lex. rom.; dagegen ist es aus 

1 „Diese Worte werden za tilgen sein“ T. 


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115 


R. von Aur. 36 (B. Chr. 68,11) im Gloss. occ., im Glossar 
zu B. Chr. und bei Stichel, A. u. A. 86 S. 31a vermerkt; 
dort ist es refl. und bedeutet „sich lossagen“. Levy belegt 
es in trans. Verwendung in der Bdtg. von disloquer (LgrP. 10, 
Sp. 416); auch hier ist es trans. und bedeutet „ausein¬ 
andernehmen, zerlegen, zergliedern“, dann „eingehend be¬ 
sprechen“. Es entspricht dem afz. Vb. desaiver, das nur 
im Part, praet. und vom Erdboden gebraucht, in der Bdtg. 
d6fonc6 „aufgewühlt“, sich bei Godefroy belegt findet, deisa- 
zegar ist Kompos. von azegar, das bei Stichel S. 20 a auf- 
geführt ist; it. adeguare heisst auch oft „vergleichen, beur¬ 
teilen, schätzen“. — In 80 VIII verwendet Guiraut in ähn¬ 
lichem Zusammenhänge das Vb. desponre: No sai de que 
tn’ai fait chanso Ni cum, s’autre no m’o despo BChr. 104,19. 

48. fi joi natural. Diese Worte finden sich auch bei 
P. Rog. ed. Appel S. 41 v. 6 und dienen Bernart von Ven- 
tadour zur Bezeichnung seiner Geliebten, s. M. W. 1,13. 

50. virar l’escut ist eine Redensart, die öfter vorkommt, 
z. B. Lex. rom. 3,161b. — lovermelh de l’escut bezeichnet die 
mit Wappen bemalte Aussenseite des Schildes, welche man 
dem Feinde zuwendet (s. Alwin Schultz, das höf. Leben * 
2, 75); „jem. das Rote des Schildes zuwenden“ bedeutet 
danach: ihm feind sein. 

51. reblandir heisst nicht, wie im Gloss. von B. Chr. 
steht, „anbeten“, sondern „sich (durch Schmeicheleien, Ver¬ 
sprechungen) jem. wieder geneigt machen wollen“, vgl. dazu 
blandir in 58 VII: ‘E que rwm doptes (1. doptas) ni no'm 
blans?’ ‘Wo m’o demans, Qu’ieu non uolria hom pros pleuis 
So que mentis’ Arch. 33,320,70. Auch in 47 V nennt 
Guiraut seine Angebetete l’adreitz cors q’ieu uoill E desir 
e reblan Arch. 33,314,65. 

53. Vgl. 80 VIII: Cela m’a fait outracujar Que no’m 
vol amic apelar B. Chr. 104,23; 35 III: Forza d’amor mi fa 
dir la folia MG. 837 und 17 II: Tenia'l dreig per enuers, 
Tant fux ues amor esmers (enmers N) Arch. 51,5a. 


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66. metre „verursachen“ findet sich auch bei BBorn, 
ed. Stimming 15,60 (s. dort d. Glossar s. v.). — Gemeint 
ist Guirauts in v. 41—42 ausgesprochener Argwohn. 

56. Diesen Vers citiert Rayn., Lex. rom. 2, 454a und 
Übersetzt „Je ne me souviens pas comment il me fit comte“; 
jedoch heisst comtal hier „gräflich“ im Sinne von „dem 
Grafen gehörig“. Guiraut scheint sagen zu wollen, dass 
er ja garnicht Linhaures Untergebener im eigentlichen 
Sinne des Wortes sei: vielmehr sei dieser sein amics private 
(cf. 65 II); die Tornada des Ged. 72, welche unter den mir 
jetzt zugänglichen 4 Hdss. A, B, sowie Q (in Lamis Eatal. 
der Ricard, in Florenz, 1756 S. 218) und V nur letztere 
(Arch. 36,414) enthält, scheint sich mit den Worten querm 
fees comtals auch, wie das 2. Geleit zeigt, auf Guirauts 
Verhältnis zu dem in der Provence lebenden Grafen Linhaure 
zu beziehen; sie bedarf jedoch noch der Rekonstruierung, 
um zur Erklärung unserer Stelle herangezogen werden zu 
können. 

57. Der hl. Martial wird auch von R. von Aur. 
(389,6 v. 41) und vom Mönch von Montaudon (MG. 392,1) 
angerufen. Ueber den Heiligen s. den Artikel .von L. Duchesne 
in den Ann. du midi 1892 S. 289 ff. 

60. chabal heisst nach dem prov.-it. Gloss., ed. Stengel, 
88,28 „segnorile“; vgl. auch Levy, Prov. Supplementwbch. 
S. 176 a. — Der betr. Hof, an den sich Guiraut zu begeben 
gedachte, ist allem Anscheine nach der des Königs Alfons II. 
von Aragon (s. S. 60). 


HI. 

(Inhaltsangabe S. 52, Text S. R6, Uebersetzung S. 98.) 

1—3 citiert Zenker S. 56 als Zeugnis persönlichen 
Zusammenseins zweier Dichter. 

1. Unter Belassung des handschriftlichen Rem könnte 
man dem Verse die ihm fehlende Silbe auch durch Ein- 


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Schiebung "von en nach senher geben; vgl. BBom, ed. 
Stimming 39,1 Senher en coms. 

3. Milä : diguessetz. 

4—6 citiert Jeanroy, Ann. du midi 2, 294, um zu 
zeigen, dass der Dialog kein wirkliches Partim en sei, 
„raltemative n’y 6tant pas rigoureusement pos6e“. 

6. Aus v. 4 ist e l'amor hinter com zu ergänzen. 

7. Aus diesem Verse, sowie aus II 57 ergiebt sich 
der friedliche Charakter der Tenzonen; dass das Streit¬ 
gedicht als „dialogue concert6“ überhaupt nicht auf ernst¬ 
hafter Feindseligkeit der Interlokutoren beruhe, darüber 
vgl. Jeanroy, Ann. du midi 2, 290/1 und 452 ff. 

3. Rayn., Hist. litt, und Mil4 schreiben Aus statt 
Ans, Milä auch frauchamen. 

9—11 citiert Stimming zu BBorn 39,10 u. 26,38; in 
letzterer Anm. ist das Citat in seiner nunmehrigen 
Gestalt von 3 nach 2 zu versetzen. — Die Verbindung 
ves on, der noch im Nfz. vers oü entspricht (s. Littr6, Dict. 
unter vers 7 u. 9), begegnet im Prov. öfter: Vas on penre 
port? Augier, Cascus plor (Lex. rom. 4, 626 b); no sabes vas 
on cor Dalfin d’Auv. (Rayn. Ch. 2, 196). 

12. Hist. litt, übersetzt: „Je vous tiens pour atteint 
de folie“! — Försters Unterscheidung von afz. folor und 
folie (s. Löwenritter zu v. 1640) trifft hier nicht zu, wo 
folor eine einzelne Manifestation und nicht die habituelle 
Charaktereigenschaft bezeichnet. 

13—14 Ubs. Hist. litt, nach I folgendermassen: „Si 
vous croyez que ma puissance ravale un galant dont l’ex- 
t6rieur n’est pas trompeur“!? — Si-us cudatz heisst es auch 
in v. 4. — valera „taugen zu“; in diesem Sinne verwendet 
es auch Villehardouin CIX in dem bei Littrö, Dict. 4,2418 c 
citierten Beispiel: qui mieus vaudroit ä l’empire governer. 

Im Ital. ist valere a qualche cosa gleichfalls „zu etw. taugen.“ 

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15—16 citiert Rayn., Lex. rom. 3, 218b und 4, 155b. 

17. Milä: Dieu. 

19. Vgl. Guiraut 20 V: Ganc bons morseus No fo 
faxte, pos Amors Eguet l'aignel e l’ors ni per aver s’afrais 
Arch. 51,6a und 36 V: C’ Amors non uol c’om seignorei 
Arch. 33,313 b. 

23—24. Milä schreibt nos, ric home sobratissier, Non 
vollen, womit er die Str. abbricht. — Ueber die ric ome 
s. P. Meyer, Flam. S. 269 Anm. 1. 

25. Milä: Guirautze, non esta. Weder Milä, noch 
Emeric-David (Hist, litt.) hat die Frage erkannt; letzterer 
übersetzt „il n’est pas convenable . .“ und bemerkt infolge 
dessen: Cette pi&ce est motiväe sur l'opinion qui faisait 
tenir pour morte toute femme courtisäe par un haut baron. 

26. Milä: ric. 

27. Ueber den vermutlichen Ursprung von midons, 
sidons zur Bezeichnung der angebeteten Dame s. Chab. 
Rdlr. 31,444. — Milä: ab la poder. 

30. Hist. litt, übersetzt nach I: „Si eile ne trouve 
pas que les mauvaises qualitäs exc&dent (en lui le märite)“. 

31. Hist, litt.: Ja solon m dire'l reprovier; Milä: Ja 
solon me dire reprobier; Cnyrim, No. 146: Ja solon dir el 
reprovier. 

31—32 citiert ausser Cnyrim auch Knobloch S. 37, 
und Hist. litt, übersetzt diese Verse: „Quant ä moi les 
proverbes m’enseignent Qu’elle präföre celui qui vaut plus 
et mieux“! — Milä schreibt: Que eel val mais e mills pren.- 
Stimming, zu BBorn 4,48 führt v. 32 als Beispiel für 
die Verwendung der Konj. e zur Einleitung des Nachsatzes 
an. — Dasselbe Sprichwort findet sich auch bei Pons San- 
teuil de Toulouse; s. Lex. rom. 4, 627a. 

83. prendre mal ist = prendre dan (Schaden nehmen, 
s. Stimming, BBorn*, Gloss.), mit dem es in B. Chr. 325,2 
perissologisch verbunden ist. 


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34. Derselben Worte bedient sich der Dichter in 
74 I la cuida e Vesper, Qe'rn solia aiudar, Petri MG. 1364. 

37. plus maior. Den in der ZfrP. 2,142 zu Chev. II 
6p. Z. 196 angeführten Beispielen für ähnliche Verbindungen 
fügt Herr Prof. Tobler in seiner Vorlesung Uber „Histor. 
Synt. des Französ.“ noch folgenden Satz hinzu: Plus est 
pire le retolir que l’escondire (Rom. 8, 178, v. 827). Man 
vergl. auch Diez Gramm. 3,16 und Hammesfahr, Zur 
Kompar. im Afz., Strassb. Diss. 1881, S. 33. 

39. Derselbe Gedanke findet sich bei Guiraut 1 VH: 
si's gardes Dona ai traspas, ans quei passes, Ja vils ni 
sobriers ni savais No'il plagra MW. 1, 189 und 40 IV: Ben 
uolgrai conogues, Am c’ab lui s’agazaill Mi don gans ni 
fermaill Arch. 33,318 b. 

41. Mild ändert das ries der Hds. I, die ihm vorlag, 
in ric; dazu hat man jedoch kein Recht (vgl. Stimming zu 
BBom 1,6). Se depenher kommt auch bei Guiraut mit a und 
dem Nom. vor in 34 V: Q’a uer recrezen Men depeing Arch.' 
33,326,115. —Hist. litt. Ubs. fälschlich depeis mit „d6pr6ciez“. 

44. Hist. litt, stellt Met be um und übersetzt valor 
mit „ardeur“. 

45. Während Mahn in I se fan liest, was Stimming 
zu BBorn 1,6 S. 230 veranlasst hat, auf diesen Satz als 
Beispiel für s4 faire mit dem Nom. hinzuweisen, schreibt 
Hist. litt, nach derselben Hds. I se fon , das wohl eher gleich 
dem se son der anderen Hdss. ist als gleich se fan. 

47. Wie hier der König, so sagt R. de Vaqueiras: 
Non erezatz lauzengier M gilos malparlier De me Lex. 
rom. 1, 367. 

48. Mild : las bona! 

49. Solatz de Quer. Quer, auch Quier und Cher geschrieben, 
ist ein Schloss im Lande Foix (d6p. de l’Ariöge); s. H. L. 
6, 126. Seit 1159 war es im Besitze des Grafen Roger- 

Bernard von Foix und seines Sohnes Roger (H. L. 5,1228). 

8 * 


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120 


Im Jahre 1182 gaben Eoger-Bernard und sein SohnEaimon- 
Eoger die Besitzungen von Quer zu Lehen. Eoger-Bernard 
war der Vetter des Königs Alfons II. von Aragon, der ihm 
auch 1185 die Eegierung der Provence übertrug. Sein 
ältester Sohn Eoger wird nur bis 1174 in mehreren Ur¬ 
kunden erwähnt, 1182 war er bereits tot. Eoger-Bernard 
hatte 1151 geheiratet, und Eoger scheint ein Altersgenosse 
des 1152 geborenen Königs Alfons II. gewesen zu sein. Da 
wir nun S. 61 sahen, dass die Tenzone wahrscheinlich vor 
1174/5 gedichtet worden ist, so wäre eher Eoger als sein 
jüngerer Bruder Eaimon-Eoger, der seinem Vater 1188 in 
seinen Besitzungen folgte, unter dem Solatz de Quer zu 
verstehen. 

50. Ein „Herr Topiner “ war nirgends aufzufinden; der 
Name Topina kommt allerdings schon im 12. Jhd. vor; 
s. P. Meyer, Croisade 2, S. 524. Topina bedeutet Topf, so 
dass Topiner unserem Familiennamen „Töpfer“ entspräche. 

52. Milä: hoc ben d’amor!? Nach Herrn Prof. Toblers 
Auffassung gehört d’amar leuger zu dem vorhergehenden 
ameso. 

53. Milä: a mi no-m. 

54. Die fehlende Silbe ersetze ich durch u zwischen 
per und cen; per u cen bedeutet „hundert für einen, 
hundertfach“. 

IV. 

(Inhaltsangabe S. 65, Text S. 88, Uebcrsetzung 8. 100.) 

1. Milä, Edlr. 10,229: ( ) jui (?) damor. — Pagös, 
Ann. du midi 2, 524 liest Sia damor und schlägt in der 
Anm. 13 vor, Si anc d’amor zu lesen, obwohl er nur die 
ersten beiden Zeilen des Gedichtes kennt; anc geht aber 
nur auf die Vergangenheit (s. Diez Gramm. 3,424 Anm.), wie 
z. B. Guiraut in 65 I S’anc vorn agui ioi ni solatz, Ar sui 
iratz E per totz temps desesperatz Arch. 51,24a, ja dagegen 
auf die Zukunft, wie in 42 HI Que pois plaigneran, Si ia 


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121 


ioi cobres, Car non serai pres Arch. 33,316 a,33. In meiner 
Copie steht Si ja , was auch beizubehalten ist. 

2. Ueber den Zusammenhang zwischen Liebesfreude 
und Ehre bei den Trobadors s. Settegast, die Ehre b. d. 
Trob., 1887 S. 41. — Zu 1—3 sind in Bezug auf den In¬ 
halt zu vergleichen: 70 VI Per que % m par necietatz Q’ieu 
chant, si no m’en uenia Guizerdos o gratz Arch. 33,332 b 
und 62 HL Mas s’eu madol (1. m’ai dol) Ar caissim (Car aisvm U) 
fax Nvm ten Vamors don lo talanz Nos pari, cui serai danz? 
Mxeus er, cui sec Vaffanz El’ir’e lapaors; Tan tem c’ai cap 
dei cors Remaignai pros ei gratz MG. 947. 

4—5. Ausser den S. 69/70 aus 1.81 u. 72 angeführten 
Stellen könnte man noch 2 III und IV heranziehen: Oreu 
mi poira (poiria C) pro teuer De s’amor ia segon mon sen, 
Pois aman no’i trofo chausvmen Si cum fis arnaire. Mas 
noi gazaing gaire, Qe non ai giquida L’amor qe*m 
couida D'amar chascundia? Car nonpuoscmai! Per q’amarai, 
Que ben leu enqeras n’aurai De ioi a ma guia . Puois non 
puosc mais, ab bon esper Aleugarai h mal q’ieu sen Arch. 
51,25 b. 

7. Ganz ähnlich heisst es bei Giacomo da Lentini 
(Val. I 250): Core nol penseria ne diria lingua . — Ueber 
den Eindruck, den freundliches Entgegenkommen seitens 
seiner Geliebten auf ihn machen würde, spricht Guiraut 
wiederholen tlich: 2 V S’un pauc m'etz aizida, Joios a ma 
uida Serai , on q’ieu sia Arch. 51,25b; 60 II Ni anc Bordeus 
Non ac seignor tant fos gaillartz Cum ieu, si ia m’acuoill nvm 
partz Q’ieu sia sos dominis sers Arch. 51,19 b und 57 VIII 
Per o, dompna, ab que sofratz E uoillatz Mos precs e qe'ls 
m’acoillatz, Tost m’er coratges camiatz Arch. 33,330,71. — 
los gaugz e'ls bes kommt auch in einem Ged. von Pons de 
Capdueil MW. 1, 346,1 vor; für den häufigen Plural gaug 
führt Settegast, Joi , Berichte der säclis. Ges. d. Wiss. 1889 
S. 149 auch das Beispiel aus Arn. v. Marueil MW. 1, 166 


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122 


Str. II an, in welchem aber e la fan nicht, wie S. will, 
in a la fin , sondern einfacher in e Vafan zu ändern wäre. 

9—10. Auch sonst giebt es für Guiraut verschiedene 
Abstufungen der Liebesfreuden: 57 IV u. V E si saubes 
cant ni cora N’aurai luoc qu'a'lz precs m’eslais, Tot Vafan 
sofrira en patz, E sapchatz Cab meins rrietn tengra a paiatz 
Que uos non cuidariatz. Cobs es q’amics qui ben ama, Prendal 
meins e poing e'l mais Arch. 33,329 b. 

11. Die „Hilfe“, welche die Geliebte dem Liebhaber 
gewährt, ist mannigfacher Art; sie besteht 

1) in der Erlösung von der Liebespein, cf. 68 m no-m 
secor A ma cuita maior (Arch. 33,327 a) und 57 III E si 
no'ü platz que m’aeora , Non puosc mais sofrir lo fais Arch. 
38,329,25, 

2) in dem wohlthätigen Einfluss auf sein Wohlergehen 
im allgemeinen, cf. 25 IV ella*m fo uella e rems De mains 
encombriers c'aipassatz, En qe m m fora desesperatz Arch. 33,331a, 

3) in der Anregung zum Dichten, cf. 39 HI Qu’assatz 
miels chantera, Svl gens cors honratz Mx fos plus privatz 
MW. 1, 192; 32 II Qu 1 e'l temps de'ls ancias Joys (Liebes- 
freude), chans ensems eron quo*l (1. co'lh) palh’ed gras MG. 
241 1 ; 19 HI Ja ses ioi ben non chantarai, QxCenquera non 
eug qu'om chantes Ses amor, que'l cor no l mostres MG. 825; 421 
a ma fe , S'aissi s’endeue Cum dl q’ieu am m’a couen, Ben 
dei chantar plus souen Arch. 33,316,12; 63 HI Mas per lo 
bon respieg qu’ieu n'ay Deg ieu chantar . E si n euges plus 
gazanhar, Trop meliwrera'ls motz e'ls sos, Que, des qu'om a 


1 Stoessel S. 47, No. 253 missdeutet diese Verse, wenn er sagt: 
„Das Beisammensein fröhlicher Lieder vergleicht der Dichter mit dem 
Beisammenstehn der Strohhalme in den Kornfeldern, um damit anzu¬ 
deuten, wie ein fröhlicher Gesang dem andern folgte und wie zahlreich 
dieselben waren.“ Der Dichter sagt aber in Wirklichkeit: „Liebeslust 
und Gesang waren zusammen wie Stroh und Korn“, d. h. wie das Korn 
aus dem Stroh hervorgeht, so war Gesang die Folge des Liebesglflckes. 


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128 


luec cCalegrar, Li dobla poders e razos, E senher falb,, Qan 
pot pojar Los sieus e'ls laissa chazer jos Rdlr. 25,212 und 
schliesslich 59 I si faill mos chans, Vos n’auretz tort, 
mäT amiga B. Chr. 106,87. 

12. Wie hier cors, so findet sich in 2 Vli noms ver- 
wendet zur Umschreibung der Personenbezeichnung: Coms, 
fort mi plai, Car tant s’atrai Vostre noms uas fin pretz uerai; 
Q'en ren no'i's desuia Arch. 51,26 a. 

13. Vgl. 341:... Q’ieu am mais que re, Neis me Non am 
tan Arch. 325 a,8 und 7 VI Litges per uendre et per donar 
Uos ai estat MG. 689. 

14. com per orat ist eine Redensart, die auch MG. 134 V 
oder Rochegude, Parn. occ. S. 386 begegnet und „wie 
nach Wunsch“ bedeutet, also etwa dem nfz. comme il 
faut „wie sich’s gehört“ entspricht; ähnlich heisst es B. Dkm. 
174,17 Com si venian per orat. Oratz steht alsSbst. in der 
Bedtg. „priöre, oraison“ im Gloss. occ., fehlt aber bei Rayn. — 
Dass er nach der Aussöhnung alles vermeiden wolle, 
was seiner Dame irgendwie einen Anlass geben könnte, 
mit ihm unzufrieden zu sein, verspricht Guiraut auch in 
78 III: E s'aisvm volgues retener, Que no’m puesca nozer 
enjans , Pus de sai s’afina Vus pans, De l’autre pens que no 
s’dbays; Qu'aissvl serai fis e verays Qu'ochayzonar No'n cug 
que'm puesc’en ben amar, A mm viven, Ni de degun gäliamen 
Rdlr. 25,217. 

15. In der Hds. steht per levis, wofür ich um des 
Sinnes und Versmasses willen plevis schreibe, welche Form 
sich statt plevisc öfters, z. B. MG. 18 n, im Reime findet. 
Das per kann durch per in der vorhergehenden Zeile oder 
durch irrige Auflösung eines vermeintlichen j> entstanden sein. 

17. de negu nat de maire ist ein autre ergänzender 
appositioneller Ausruf. — Was die Umschreibung für „Mensch, 
Person“ anbetrifft, so findet sie sich ähnlich auch sonst bei 
Guiraut, z. B. in 64 VH Car la gensor que anc nasques de 


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124 


maireTencB.Chr. 103,10. —Inhaltlich zu vergleichen wäre hier 
8III SPill (E s'il H) plagues mos enquerers Ni mos preiars ni mos 
seruirs , Ja'l trop ueülar(s) nvl patte dormirs Nvlmal qu'ieu trat 
matis e sers No’m pogron ia (far H) parür de lor; Ans rriagra 
iois a seruidor E ia no % m fora greus lo fais Nid mals qvCe'l 
cor me brueilV o'm (e'm H) nais MG. 332. 

19 und 20 erinnern an 39 VI: Gar quvls dregz enten 
D'amor nrn sospira, Non pot aver sen De gran jattzimen, 
S*ab foldat no'y vai; Qu’anc drut savi gttai No vi, qu’ans 
esmera Lo sen la foudatz MW. 1, 193, sowie an 31 I u. II: 
Q'er appelV om foillia } Svm deport ni m ’esgau nvm chan 
Enon fatz so que Vautre fan . E no'm par e’om sia cortes 
Qe tot iom uol esser senatz; Mout m'agrada bella foudatz 
Longnada e retenguda , Si cum luocs e temps muda Arch. 
51, 14a. 

20. pesaire ist hier antonym zu gais , bedeutet also 
„bekümmert“; im Lex. rom. steht es 4, 496b, 23 nur als 
Subst. in der Bdtg. „peseur“. 

21—23. Älhor, die Nebenform von alhors, fehlt im 
Lex. rom.; Guiraut verwendet alhor auch in 8 und 52 im 
Reime. — Dass er seiner Geliebten seine Anhänglichkeit 
und Treue bis an sein Lebensende bewahren wolle, beteuert 
der Dichter an zahlreichen Stellen seiner Werke; angeführt 
seien von diesen hier nur 81 III E segon los plusors Feignens 
galiadors Non arnarai aillors, Sia sens o follors Arch. 51,19a; 
8 II Per o mos sens e mos sabers E mos parlars e mos bendirs, 
Mos esperars e mos sufrirs E mos celars e mos temers Magron 
lonc tems donad onor, S'ieu percases mon be aillor Mas sill 
que'm te en greu pantais, No uol qu 9 ieu Vam ni que m'en lais 
MG. 332; 16 III Tant sui fis amaire Qenan Vai rriamors 
ades meilluran Arch. 51,21b; 17 V Aras no 9 m letz, Quan me 
ualgrad preiars, Querre merce? — Si /ai, que mos trobars, Pois 
tant s y es m'amors africha , Cautra non quier nvn deman , Clamadl 
merce MG. 1353 und 43 III Amaire , si dieu ador, Soi eu 
fis e non remut Lo eoratge nvl biais D’amar lieis per cui son 


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125 


gai8, Ni len (1. m'eri) ml nvm uir Ni part lo cor nvl consir 
MG. 815. 

24 und 25 erinnern an 17 V Tot trobaras so qm 
quers Arch. 51,5 a. 

26. sarai, wie in der Hds. statt serai steht, findet sich 
dialektisch; s. Wolff, A. und A. 30, S. 39. 

27. ponhar hat de oder en m. d. Inf. nach sich 
(s. Levy zu G. Fig. 10,22), aber auch a mit dem Inf., z. ß. in 
dem im Lex. rom. 4,598 b, 24 citierten Satze des Uc von San 
Circ: Degra poignar ad finir. — Zur Konstr. s. d. Anm. zu 
I 29. Mit einer kleinen Aenderung des handschriftl. Textes 
könnte man aber auch lesen: Que’ls enemics ponharai e desfaire 1 .- 
Zum Inhalt vgl. 28 II Sil cui quer be, Cui eu sui plus fis 
Qu 9 Elena Paris MG. 949 und 66 V Sem enemics e guerriers 
No t falliran volontiers; Qm enoios fols parliere TroV om 
quascun dia f Fors {Per V) qu’ieu non soi sobransiers , Mas 
si la'n blasmav 9 Ogiers, Jeu Ven combatria MW. 1,200. 

30. ben a faire liest Herr Prof. Tobler statt des nicht 
existierenden benefaire der Hds.—Mit der elliptischen Redeweise 
wären die Worte aus Guiraut 75 V de bendir e de - far Rdlr. 
25,215, 56 und etwa auch der in Diez’ Gramm. 2,462 und 
von Th. Müller zum Rolandslied v. 1163 erwähnte Gebrauch 
des Suffixes mente in Verbindungen wie prov. suau e belamen , 
folamen et irada, afz. bele et cortoisement, wofür Rayn. im 
Choix 6,315 auch Beisp. aus dem Ital., Span, und Portug. 
beibringt, zusammenzuhalten. 

31. Folgende Charakteristik giebt Guiraut von seiner 
Dame in 13 H: Flors de domnas y c’om acli (1. aclin ’) e gratis, 
Es aisseUa que tan gen rrCa conquis , Dom’e bona , humil, de 
gran paratge, En faitz gentils, ab solatz avinen, Agradiva vas 
tota bona gen MW. 1,184. — Zu vergl. wäre zu 31—34 auch 


1 „Jedenfalls sind die zwei Präpositionen sehr seltsam. Man kann 
sich gefaUen lassen ponharai en (od. a) desf. los en. und dies umstellen; 
oder ponharai en los en. a desfaire (en ... o wie per . . . <*).“ T. 


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8 VI: ( C)ar ma semblans’e mos parers E mos euiars e mos 
albirs Man dig tos tems q’autr’enriqirs Ni autr’ onors Ni 
autr ’ auers No'm podon dar tan de rieor Com citt qe'm fai 
uiur' a(b) languor Studj di fil. rom. 5, 441—2 u. MG. 382. 

34. aver ist hier selbständiges Verbum und kann daher 
an die Spitze des Satzes treten. — galiat ist entweder als 
Partie, aufzufassen, dann wäre pauc Adv., oder aber es ist 
mit adjektivischem pauc als Subst. zu betrachten in der Bdtg. 
„Trug, Täuschung“; wie nämlich zu peccar sündigen neben 
peccaire Sünder peccatz die Sünde gehört, zu orar bitten 
neben oraire Bitter oratz der Wunsch (v. 14), so kann 
wohl auch zu galiar anführen, betrügen neben galiaire Be¬ 
trüger ein galiatz Betrug gehört haben. 

35 und 36 sind in der Hds. zusammengeschrieben; 
innerhalb des Satzes fehlen 2 Silben, von denen die eine, 
sei sie nun ein selbständiges einsilbiges Wort oder die zweite 
Silbe eines zweisilbigen, den fehlenden Reim auf is zu be¬ 
schaffen hätte; mir schien faitis, die Nebenform des aus fac- 
titius kommenden faititz (s. Diez, Gramm. 2, 317), die sich im 
Afz. u. Prov. oft im Reime findet (s. Godefroy, Dict. 3, 709 
und Rayn., Lex. rom. 3, 263a, 6), recht am Platze zu sein, zu¬ 
mal da dann ausgedrückt wäre, was Guiraut 2 V in die 
Worte fasste Dompna il gensser c'om pot uezer Arch. 51,25 b. 
Nach Herrn Prof. Tobler ist jedoch faitis für faititz bei 
Guiraut bedenklich. 

37. Ueber die Interjektion ai , welche auch in der 
Form a, z. B. BBorn 33,9 vorkommt, s. Stimming zu 
BBorn 1,1. Nicht Ausruf der Freude, sondern des Schmerzes 
ist der dort citierte Satz aus Guiraut 65,25 (Str. IV), wo 
der Dichter den Tod seines Freundes Linhaure beklagt: 
Ai! bels amics, ben enseignatz, Necis a’ls fatz E duitz e sauis 
a‘ls membratz, Per uos teing uil abril e mai E'l doutz temps 
gai Ni ia mais no m’alegrarai Ni non chantarai uolontiers, 
Mas no'us puosc ben plaigner estiers Arch. 51,24. — corteza 


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de Ion aire ist eine stereotype Redensart, die Guiraut in 
Bezug auf seine Angebetete auch in 2 V anwendet Dort 
schreibt die Hds. C (MG. 187) ebenso wie hier die Hds. S‘, 
während A (Arch. 51,25b) cortesa e de bon aire hat; auch 
im Choix 3,126 heisst es Ai! franca res, cortesa e de bon 
aire. Unbeschadet des Versmasses könnte man allerdings 
cortes' e de bon aire schreiben; es ist jedoch nicht nötig, 
die beiden verwandten Begriffe durch die Konj. zu ver¬ 
binden, da ähnliche unvermittelte Verbindungen im Prov. 
keine Seltenheit sind; vgl. darüber 0. Schultz in der 
ZfrP. 16,513 ff., wo auch Beispiele aus Guirautschen Ge¬ 
dichten ( risen jogan 79 1, pensan sofertan 16 V) beigebracht 
sind. An der handschriftlichen Schreibung ist also hier 
festzuhalten. 

38—39 decken sich mit dem, was Guiraut 47 IV sagt: 
enperis e regnats Es ses ioi paubretats Arch. 33, 314b, 63. 

40. sol kommt, wie im Span. (s. Diez, Gramm. 3,94), auch 
im Prov. u. Afz. (s. Suchier zur Reimpredigt 72 b, Morf, 
Rom. Stud. 3, 243 und dazu Tobler, ZfrP. 3, 145) zuweilen 
unflektiert vor. — Wollte man Et ab sol vos seri’ eu emperaire 
lesen, so wäre der Hiatus getilgt. — Derselbe Gedanke 
kehrt in 18 VHI wieder: Bella dompna, plus qerria Qem 
cossentissets Gun sol vom uos clames mia GArle ni Belcaire 
Arch. 51,9b und in 48 II: Petit eueiaiurl rei 1 Arch.33,324b, 12. 

V. 

(Inhaltsangabe 8. 67, Text 8. 90, Uebersetznng S. 101.) 

Str. I. Aehnliches besagen die Verse von R. Bistors: 
Cel qui ve son bon amic faillir, Molt Varna pauc, si no ül l'o 


1 MilA, De los trov. eu Bsp. S. 135 und Balaguer 3, 274 lesen 
dafür Perrin, ten via al rei und scbliessen daraus, Guiraut habe einen 
Spielmann namens Perrin an den König von Aragon gesandt etc. In 
Wirklichkeit wird aber in der Tornada ein Spielmann Joioe mit der Be¬ 
sorgung des Gedichtes an den König — ob an den von Aragon, ist 
nicht gesagt — betraut. 


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128 


(l.fo) ausa dir (Lex. rom. 3,252 b), sowie die des Bertran 
Carbonei (B. Gr. 82,68): Nulhs hom non porf amistat, Si son 
amic non repren En sieret, ean ditz foldat 0 li vey far falhimen 
B. Dkm. 23,19. 

7. „enardir ist für se enardir u T. 

9. Der Relativsatz steht statt eines Modalsatzes mit 
„indem“; s. F. Strohmeyer, Ueb. versch. Funkt, d. afz. Relativ¬ 
satzes, Berl. Diss. 1892, S. 31. 

11. taten (v. talentum) und talan (v. raXavrov) gebraucht 
Guiraut nach Belieben im Reime; ersteres z. B. in den 
Ged. 2. 3. 77, letzteres in 5. 6. 30. 31. 

14. Zu legen s. Tobler, Verm. Beitr. 1,37. 

16. si tot regiert in v. 5 u. 13 den Ind., hier aber 
ist der Konj. danach durch den Reim gesichert. Nach 
Diez, Gramm. 3, 361 „lässt sich prov. sitot überall nur 
m. d. Ind. betreffen, selbst da, wo man den Konj. erwarten 
könnte“; dass auch nach pusque und quan sich der Konj. 
findet, erwähnt Appel, Prov. Ined. S. XXV. — Das le der 
Hds. ändere ich in li, da tirar in der Bedtg. „ärgern“ auch 
sonst den Dativ regiert; so Guiraut 48 IV si res li tira 
undR. d’Aur. (B. Gr. 389,25 I) Si tot a me tira MG. 1028; 
cf. auch Diez, Gramm. 3,130. 

21 und 22 stimmen mit verschiedenen anderen Stellen 
aus Guirauts Gedichten überein, mit 3 I u. II Per qe't 
laissas de’l tot morir? Qar trop sui vergoinhos e fis MW. 
2,51; 81 Mas quar no'm uir {ni) wm biais, No uol Amor(s) 
qu'ieu sai (1. sia) iais MG. 332 und 72 I Mas aisso puosc 
dir ses dan Cane d’engan ni de nofe No’m membret, puois 
amei be; Ans n'ai sofertz de grans mals; Caissi s’auen a‘ls 
leials Arch. 51,10a. Andere prov. und it. Beispiele für 
den nämlichen Gedanken verzeichnet Casini zu Dantes Vita 
Nuova XEG 9. 

24. Mit aquel c’om no deu dir scheint, nach Guiraut 
73 III zu schliessen, der Teufel gemeint zu sein; dort heisst 


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es nämlich: Mal fon capdelada razos, Des qu’om tenc per pros los 
savays, E'ls fr an cs e'ls eortes e'ls verays Razonet hom per 
sordeiors; E moe la colpa de’ls aussors, Quant de vers 
(1. devers) brezillet ni frays; Qu’eras no sai per cui Toi hom 
l'onor selui Que n’era adreit(z) cazatz; E si'ls encoreillatz, 
Diran que ben estay; Mas seih qu'ieu no diray, Sera trop 
miells armatz (amatz AB) MW.. 1, 204. Demnach dürfte 
Guiraut auch in 6 IV den Namen des Teufels kaum aus¬ 
gesprochen haben; und heisst es auch da nach Rayn. De'l 
Diable qu’es plenfs) d’enjan , so lautet die Stelle schon anders 
in derjenigen Hds., welche Rayn. benutzte, als er im Lex. 
rom. 2,83 a citierte De'l doble trefan, plen d'enjan, anders 
auch in R, MG. 831. 

25. In 33 V sagt Guiraut la mal’ abeitaritz Camjet 
me datz Arch. 34,398a, und auch bei Uc Catola 1 VII 
heisst es: L’amors camia cubertamen los datz. — camjar los datz 
bedeutet wie das it. seambiare i dadi sein Wort zurück- 
nehmen, seine Meinung ändern, andere Saiten aufziehen. — 
Die Beziehungen des Würfelspiels zur Liebe, Uber welche 
Diez, L. u. W. 464 zu vergleichen wäre, finden auch ihren 
Ausdruck in den Worten des Raimon Jordan 404,10,5: on 
mielhs faue sos comans, Pert los datz a'l premier lans Appel, 
ProY. Ined., S. 289,5. 

27. Da Amors weiblich ist, aquel und dat aber männlich 
sind, so könnte fraire nicht „Brüder“, sondern müsste 
„Geschwister“ heissen, wie ja auch im Span, hermanos 
„Geschwister“ bedeutet (s. Wiggers, Span. Gramm.* § 11,4 
S. 20). Im It. ist fratello auch „Gefährte“, und das Gloss. 
occ. giebt nicht mit Unrecht dem Worte fraire die Bedeutung 
„pareil, semblable“, die es in P. Cardenal 69III hat: Fraire 
son tug, mas no son pas engals Las partz que'lhs (1. qu’ilh) 
fan de'ls bens de Jhesucrist MW. 2,238, und welche auch an 
unserer Stelle passt. 

28. Die Geliebte selbst bittet der Dichter gleichfalls 
um Linderung seiner Pein, z. B. in 25 IX: Dompna, merce! 


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180 


Car non pensatz Cum ieu non fos totz temps forssatz? Arch. 
33,331b. 

32. In v. 23.27 und 32 steht nach der Hds. cre; viel¬ 
leicht stand aber im Original in v. 23 par und hier etwa 
cut, da der Dichter wohl mit dem Ausdrucke mehr gewechselt 
haben dürfte. 

33—34. Dass sein Glück von dem Willen Amors ab- 
hänge, erklärt Guiraut auch 60 IV: Et tu, fin’ Amors, qi’m 
sofers, Qe deus gardar Los fins amans e chapdellar, Sias me 
capteins e garens A ma dompna, pos aissi'm uens Arch. 51,19b. 

35. posansa steht nicht im Lex. rom., findet sich da¬ 
gegen im Wörterverzeichnis bei Bastero, La Crusca prov. 
1,146, in den Podsies rel., ed. Levy v. 248 (Rdlr. 31,209), 
in B. Chr. 407, 21 und in der Form puisansa in Appels Ined. 
S. 56 v. 34; es entspricht dem afz. poissance und it. pos- 
sanza; hier kommt es in VI 33 noch einmal vor. 

40. Von dem trügerischen semblan Amors handelt 
der Dichter auch in 2 I: Ab semblan mi fai dechazer Amors 
e’m dona marrimen, Car semblant (1. semblans ) m’es de l ioi 
c'aten, Que ja l cor no m'esdaire. Car en trop ric repaire 
Bels semblans me guida, Qe’m ditz que iauzida N'aurai ses 
faillida; Mas so'm dechai, Don fort m’esmai, Car l’us semblans 
m’abriua lai E l’autre'm desuia Arch. 51,25 a. 

41. fadiar intr. oder refl. heisst „vergeblich warten, 
eine Enttäuschg. erfahren“, s. Stimming, BBorn*u. 0. Schultz, 
Briefe im Glossar. Hinsichtlich der Etymologie dieses 
Wortes dachte P. Heyer mit Raynouard an fastidicare 
(Jb. 11,130), während Diez, Gramm. 2,199 es von fatigare 
ableitet. Auch Herr Prof. Tobler sieht in fatigare das 
Etymon des Wortes und erklärt seinen Bedeutungswandel 
folgendermassen: Nachdem es anfangs „ermüden, belästigen,“ 
dann „ohne Erfolg belästigen, sich vergebens bemühen“ be¬ 
deutet habe, habe sich schliesslich, indem das erst hinzu¬ 
gekommene Element „vergeblich“ nunmehr besonders 


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181 


hervortrat, die Bedeutung „Enttäuschung erfahren“ (s. Don. 
prov. ed. Stengel 31,5 = repulsam pati) daraus ent¬ 
wickelt. Das Subst. fadia bedeutet dann „vergebliches 
Harren, falsche Erwartung, Enttäuschung“; auch in B. Chr. 
128,14 ist diese Uebersetzung des Wortes, und nicht „Ver¬ 
weigern“, wie es nach Bartschs Gloss. heissen soll, am Platze. 

42. fuir mit dem blossen Inf., wie it. fuggire (s. Vocke- 
radt, Lehrb. d. it. Spr., 1, § 271) mit oder ohne di und dem 
Inf., bedeutet „vermeiden“. 

44—45. Stellen aus Guirauts Gedichten, die ähnlichen 
Inhalt zeigen, sind 25 VI E pesara-m, si non sentetz Cum es 
iois freuolitz e sems, Quan de seruizi non ven gratz Cellui 
que n’es mout trebaillatz Arch. 33,381b und 62 II Tron 
(1. Tom) ferir en la pailla, Don esper que'l grans sailla, Que 
no*i fos la meisos, Com hom sobramoros MG. 947. 

46. Immer wieder erwacht in dem Dichter die Hoff¬ 
nung auf Aussöhnung mit der Geliebten; das bezeugen auch 
42 IX Ben es dreitz que longamen Espey- hom gran iauzimen 
Arch. 33,317a; 16 VI Non die ies, Anz que l tot perdes, Non 
esperes Arch. 51,22 a und 1II Lene tempsai amat em perdos, 
No puese sofrir no m’en planha, E non sai per qual{s) ochai- 
zos , Mai ben esperan(s) gazanha; Per qu'ieu aten, mas tart 
me par, Que Heys qui m’es de'l cor plus pres, Fas Amors 
tant humiliar Que m don ioy y quar no-m pot uedar Qu’ieu 
non V am, ab qu’ Uh no-m uolgues MG. 205; nach dem 
Friedensschlüsse müsse aber die Liebesfreude auch von 
Dauer sein: 76 I (S)ol q’Amors me pleuis Caissi co'ill fora 
fis, Matendes couinens } Encar mi trobera Dreit en sa 
carrera. Mas nö entenda ges Si, quan m’aura repres, Que'm 
fass’ un iorn iauzir E pois tot Van languir; Car no-m 
sembV auinens Aitals iocs ni sabens Com totz sos aus (l.aws) 
Do per dos o tres semblans . Mas si-m rendes Segon mon 
seruir met'ces, — Dompna iensor de ric pretz ai chauzida, 
Vas cui aclis fora tota ma uida Arch. 34,400 b. 


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132 


50—51. Die Tornada musste ich als mir unverständlich be¬ 
zeichnen; was ich in der Annahme, poi stehe für ein poi= 
poim (refl. poiar, nicht im Lex. rom., entspräche dann dem 
afz. soi puiier; Stichel S. 14 a belegt auch prov. se apoiar), 
noch aus dem handschriftlichen Texte herauszulesen ver¬ 
mochte, A, am! ilh val m’esperansa! Poi (wt’) e vos e mon 
afaire „Ach ich liebe! sie ist meine Hoffnung wert! Ich stütze 
mich auf euch in meiner Sache“, meinte ich nicht in den Text 
setzen zu können, zumal da Herr Prof. Tobler zu der 
Stelle bemerkt: „In dem aamilval steckt wohl ein Name. 
Ich möchte nicht gerade Alamanda vorschlagen; aber etwas 
der Art würde am besten passen.“ Sieht man demnach in 
den ersten 4 Silben des v. 50 einen Namen, so bedeutet das 
Uebrige „meine Hoffnung in meiner Sache beruht (poi’) auf 
euch“; poiar ist dann intr. gebraucht wie it. poggiare in dem 
von Petrochi, Diz. univ. 2,458 b angeführten Satze Su questo 
poggia l’edißcio della liberta! 


VI. 

(Inhaltsangabe S. 67, Text S. 92, Uebersetzung S. 102.) 

Wie S. 71 bereits bemerkt wurde, steht Ged. 77 seinem 
Tone und seiner Tendenz nach dem Sirv. VI nahe; auch 
in diesem Rügeliede klagt der Dichter Uber die schlechten 
Menschen und die traurigen Verhältnisse seiner Zeit. Da 
es nur in P 5 Arch. 33,305 (cf. Arch. 49,67 b XIV 5) sich 
findet, so benutze ich die Gelegenheit, es — als Gedicht 
Vn —bearbeitet hier wiederzugeben: 

]. Tals gen prezioh’e sermona II. Tals l’autrui tort no perdona 
Qua cor fals e maltalen, Qui sa partno*nget’ a*l ven, 10 

E tals autrui ochaizona E tals clama e tensona 

Qui sa colpa no repren, Qui no n’a de drech nien, 

E tals fera peitz de serpen 5 E tals sos fachs fai folamen 
Qui so coratg’empreizona, Qui parla gen e razona, 

Tals port’ umil vestimen Tals semena ben e gen 15 

Qu a volontat felona. So blat qui noi meisona. 

I. 1—2 Tals bis fals Lex. rom. 5,209 a,4. 

II. 15—16 cit. Lex. rom. 4,214b,5 u. 6,192a. 15 Arch.: Tals somena , 
Hayn, beide Male: Tal semena. 


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133 


HL Tals a gent’e fort persona 
Qu’a sofracha d’ardimen, 

Tals son amic abandona 
Qui n’a sofracha soven, 

E tals promet qui mal aten, 

E tals te pro qui pauc dona, 
E tals gran servizi pren 
Qui mal lo guizardona. 

IV. Tals cud’aver sazo bona 
A cui en vai malamen, 

Tals ponh fort et esperona 
Qu’a so chaval trop corren, 
E tals cuda für mantenen 
Quez a speransa bretona, 

E tals par anar trop len 
Que sos fais desazona. 


V. Tals quer d’emperi corona 
Qui nostra fe mal defen, 

E‘1 pap’entre ters’e nona 35 
20 S’endorm aisi plan amen, 

Qu’encontra sarazina gen 

No vei baro qui s’opona, 

Ans an per lor malvolen 

Qui d’aiso mot lor sona. 40 
25 VI. Jesucritz, per salvar la gen, 
Portet d’espinas corona, 

Ei papa so monumen 
Malamen abandona. 

VII. L’antecritz,cut,venrabreumen, 45 
30 Tan aonda gens felona, 

Car totz tems vei com aten 
La plueia, can fort trona. 


III. 18 Lex. rom. 5, 287a7 (aber sofrancha = sofracha!) 

IV. 27 E tals poing. 27—28 Lex. rom. 3, 179 a4. — 30 Qe sa 
sperans obretona (Cnyrim 974: o bretona ; obige Lesart gab Herr Prof. 
Tobler). 31—32 cit. Lex. rom. 2, 127a2. Rayn.: tro plen (falsche Auf¬ 
fassung der Stelle, 8. auch Stichel S. 34/5). 31 per annar ; „etwa 
par u (T.). 32 faig dessaixona. 

V. 35—36 Lex. rom. 5, 411b 7. Rayn. s'endorm ’. 37—38 Lex. 
rom. 4, 614 a,34. 

VII. 45—46 Lex. rom. 2, 394a,7. 46 gent , Rayn. gen. 47—48 cit. 
Cnyrim No. 805. 

1. Statt No's pot liest Milä Rdlr. 10,230 Pos per. 

2. mandazo (= mandamen) steht nicht im Lex. rom. — 
Andrerseits dürfe nach 4 VI der Mund nichts ohne Ge¬ 
nehmigung des Herzens äussern: Per pauc ma bocha no uana , 
Sri cor tan non o duptes , D'aquo don cossir ades MG. 198. 

4. Der Dativ des Art. a'ls erscheint nie in a los auf¬ 
gelöst; s. Diez, Gramm. 2,37. Ina los ist also a = hat; den 
Hiatus comanda a habe ich mir durch Einschiebung von sa 
vor com. zu tilgen erlaubt. — Ueber die Abhängigkeit der 
Glieder vom Herzen spricht auch n At 1 de Mons (ed. Bern¬ 
hardt) IH 103, wo es nach Appel, ZfrP. 11, 566 heissen 


1 oder Nat? s. 0. Schultz, ZfrP. 18, 124. 


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134 


soll: Si co las proprietatz de'ls menbres mou e fa lo cors. 

8. Dasselbe Bild gebraucht Guiraut 19 IV: seru la 
leng’ a'l cor et (1. ed') acor MG. 825. 

9. Vgl. dazu 73 II: Cella uetz erad segles bos, Quand 
per tot era acuillitz iais E cel grazitz cui n’erad mais, On 
pretz s’auenia e ricors; Q'er apell’ ompros lospeiors Esobrier 
cel que pieitz s’irais E cel que mais adui, Cum qu[e]vs pot 
de rautrui, Sera plus enueiatz Arch. 51,16a; 24 V: aissi 
cum fod comensamens De joi menar Pe‘ls plus ries, ar lo 
fan baissar, Tan paucs n’i a de coratjos De far honradas 
messios MW. 1, 212 und 55 III: Ar es pres (1. pretz) de 
raubar E de penre berbitz Arch. 51,7 b. 

10. perdizo (= perdemen) steht nicht im Lex. rom. 

13.14. It. l’un all' altro chini (Dante, Purg. 14,7) bedeutet 

„beide an einander geneigt, sich an einander lehnend.“ Sollte 
hier der Dichter beabsichtigt haben, sich der entsprechenden 
Wendung zu bedienen und zwar in übertragenem Sinne 
„einander unterstützend“? Dass ab, wie überhaupt alle 
dem lat. cum in den rom. Sprachen entsprechenden Par¬ 
tikeln, zur Bezeichnung reciproker Verhältnisse sich ver¬ 
wendet findet, darüber vgl. Diez, Gramm. 3, 192. 

14. Aendert man das rapis der.Hds. in tapis, so er- 
giebt sich für die Verse wohl ein ähnlicher Sinn, wie der, 
den 54 IV aufweist: E qui's fai de l’autrui cortes, Pos ded 
seu sera sobravars, Ges no m’es vis aport razos Ca lux re- 
paire guizerdos B. Ohr. 105,27. Der Dichter scheint hier 
Leute, wie es deren nicht wenige gab (s. Diez, Poesie 48), 
im Sinne zu haben, welche sich die Mittel für ihre Frei¬ 
gebigkeit auf unrechtmässige Weise erwarben. 

15. trufardia steht nicht im Lex. rom.; es gehört zu 
dem Adj. trufart, Gir. de Ross. ed. Hofmann (MW., ep. 
Abtlg. I) S. 79, v. 3674, nicht trefart, wie Rayn., Lex. rom. 
5,409b, 3 und Diez, Gramm. 2,386 schreiben. 

16. poestaria fehlt im Lex. rom.; altit. podesteria be¬ 
deutet „Besitz“; s. Petrocchi, Diz. un. 2, 547b u. — 


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135 


Herr Prof. Tobler setzt neben v. 13—16 ein Fragezeichen. 

17. „statt haben“ ist in der Regel aver luec , jedoch 
wäre luecs auch möglich. — An Stelle des handschriftlichen 
pro pendre vermutet Herr Prof. Tobler aprendre. 

18. Vielleicht wäre besser zu lesen Qui gen dizi'e son 
escrit. — Gemeint ist wohl Apostelgesch. 20,35. 

20. vendre in der Bdtg. „sich entgelten lassen“ findet 
sich auch 48 Vn Que lasse Ma ben uendut So qu'ieu li 
pleuira Arch. 33,325a und B. Chr. 390,13 Mais pueis nos 
ho a car uendut, sowie in den Lex. rom. 5, 484b citierten 
Sätzen, Rom. de Jaufre, fol. 52 ie* l car vendrai Verguel und 
Philomena crusselhement ho car vmdrei. 

21. no coselh demandar. Coselhar scheint hier den 
blossen Inf. zu regieren wie das span, aconsejar (s. Wiggers, 
Sp. Gr. 2 S. 254), wenn man nicht de a;ch xoiroi sein lassen 
will, wie Tobler, Verm. Beitr. 1,187 Anm. es in Bezug auf 
a für möglich hält in dem Satze Nulsne nule ne tent ammder 
(= a amender) son afaire . — Oder sollte no coselh de mandar 
jutgador zu lesen sein, indem man übersetzte „ich rate nicht, 
einen Richter zu entbieten“ und ergänzte „um ihn zu be¬ 
fragen“? —Von der Einholungeinesschiedsrichterlichen Urteils 
ist auch in 42 VII die Rede: Eros demandatz Midonz de 
Narbona De drut que randona Ni s fax trop cochatz , Qand 
Vaue Cuna uetz rete D'amor cal que iauzimen , S'il non en 
pert plus de cen Arch. 33,317 a, 98. 

23. 24. Ist der Inf. Subj. des Satzes und nicht vom 
Artikel begleitet, so braucht er nicht substantiviert zu 
werden, kann also flexionslos bleiben, s. Stimming zu BBorn 
2,19. Da überdies in v. 24 der flexionslose Inf. prendre im 
Reime steht, so bringe ich auch in v. 23 diese Form zur Ver¬ 
wendung; der nunmehr entstehende Hiatus erscheint nach 
Pleines, Hiat und Elision im Prov., Marburg 1885 S. 43 
auch sonst (Guir. Riq. 46,3 per penre hoxinmens; 66,5 penre 
anava pessius; 54,7 apenre assatz) gesichert. — Das hand¬ 
schriftliche prender in v. 23 ist wohl von dem span. Kopisten 

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136 


fälschlich eingeftlhrt worden. — Zur Sache sei Guiraut 54II 
erwähnt: si donars non fos, Ja non saubr’ om qui's forapros 
BChr. 105,13. 

25. son scheint der Kopist statt des paläographisch 
ähnlichen lor verlesen zu haben. 

26. Nach QU heisst es in 45 VII lo ser nvl mati No 
pot re meillurar Rom. Stud. 2,415. 

27. Statt pogran vermutet Herr Prof. Tobler die 
Futurform poyran. — mi findet sich bei Guiraut sonst nicht 
im Reime, wird aber da auch von BBorn neben- me ver¬ 
wendet. 

28. Vielleicht ist wegen des car in v. 29 hier besser 
que am Platze. 

30. quell habe ich in quen ändern zu müssen ge¬ 
glaubt. — garentia, das in v. 24 „Bürgschaft, Zeugnis“ be¬ 
deutet, ist hier = „Schutz“. 

31. In cuis meinte ich diejenige Form zu erkennen, 
welche nach Diez, Gramm. 2,83 aus lat. cuius hätte entstehen 
sollen. Nach Herrn Prof. Tobler ist diese jedoch nicht anzu¬ 
nehmen; das s könne nur da sich finden, wo das regierendes übst, 
ein Flexions-s hat, etwa wie bei lors. In der That verwendet 
Guiraut auch die entsprechende Form autruis nur bei Sub¬ 
stantiven, welche im Plural stehen, so 78 IV de'ls autruis 
dezenans Rdlr. 25,217 und-54 III quitrop cerc'autruis conres 
BChr. 105,19; das „plus tard“ in B. Chr. S. 433 ist für 
das von Bartsch selbst aus Guirauts Gedicht belegte autruis 
unberechtigt. — Seinem Hass gegen die schlechten Vor¬ 
nehmen verleiht Guiraut in ähnlichen Worten wie hier in 
27,75 Ausdruck: Eis ries malvatz preiatz queDieus dissenda, 
Qu’ilh non amon pretz ni don ni calenda Witthöft, sirv. jogl. 
S. 42. Der Dichter war selbst einmal das Opfer eines 
Ueberfalls geworden, cf. 46 III: fui raubatz ogan Entre tres 
reys prezatz MW. 1, 206. 

32. Dieser Vers ist in der Hds. verderbt; die Kon¬ 
jektur rührt von Herrn Prof. Tobler her. 


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137 


35. ab felh cor mal e brau heisst es auch in Appels 
Ined. 216,2 v. 25. — ab ist in den Hdss. häufig mit a ver¬ 
wechselt worden. 

38. In der Hds. steht los statt lor\ dies stimmt, da 
los für lor im Katalan. oft zur Verwendung kommt (s. Appel 
zu P. Rog. 1,19, S. 72), zu der von P. Meyer in der Rom. 6,151 
ausgesprochenen Vermutung, dass der Codex von Saragossa 
von einem katal. Schreiber herrühre. — Immer wieder er¬ 
mahnt der „poeta rectitudinis“ zur Befolgung des göttlichen 
Willens; in 41 V sagt er Couen, mentr' hom uxu ni dura, 
Ca dien sia obediens Arch. 51,23 b, nachdem er eb. Str. I 
sogar seine Kunstgenossen aufgefordert hatte, gleichfalls 
ihren Liedern eine moralisierende Tendenz zu geben Et es 
bes e chausimens Cusquecs chan e diga e mostra en chantan, 
Qan ric guizardon n'aten Cel q’a dieu seru bonamen Arch. 
51,23a, und 15 II III: Per o quant dem es obeditz, No's 
tarda'l gierdos nvll gratz, Quar qui ben amu, es ben amatz ... 
E doncs ben degr'esser seruitz Tant francs seingners e taut 
honratz MG. 832. 

41. de bo cor ses efansa soll wohl bedeuten „mit ernst¬ 
gemeinter Bereitwilligkeit“; zur Erklärung des ses efansa 
könnten vielleicht Guirauts eigene Worte in 56 V dienen*. 
Si tot si toma ira e tenssars Saber en sen d'enfanssa Arch. 
33,328 a. 

42—43. anheus und ors sind wie hier und in der zu 
III 19 citierten Stelle 20 V auch in 60 IV im Gleichnis 
verwendet: Dompn\ aissicum us paucs aigneus Non a forssa 
contra un ors, Sui ieu , ses (1. si) las uostras ualors Non ai, 
e plus flacs q'us rauseus Arch. 51,19 b. 

44. Die Besserung des da un der Hds. in d’aver ist 
von Herrn Prof. Tobler eingeführt. 

45. Von der Vergeltung im Jenseits ist auch in 41IV 
die Rede: Anz n’ auran Segon so que seruiran, Li bon ben 
e'il mal tormen Senes fin durablamen Arch. 51,23b, ferner 
in 75 IH anc nulhs rix malvatz Non fon per Dieu salvatz 


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138 


Rdlr. 25, 214 und in 241 E chascus ponhe, ab plans esfortz, 
Qu’elh (1. Qu'eri) sia lauzatz e grazitz Tant adreg(s) guitz, 
Cui terr'e mars e plun e vens Serv e sap esser obediens; 
Equvl ten car, Benpot esser fis qiicvl paguar Venra eentismes 
gazardos; Ja'l servizis non er tan bos MW. 1,211. 

46. vSeine jetzige Gestalt verdankt der Vers Herrn 
Prof. Tobler. 

47. nomansa fehlt im Lex. rom., findet sich aber in 
Basteros Crusca (im Wörterverzeichnis 1,146 fl.) in derBedtg. 
von lat. nomen, fama aufgeführt und entspricht dem it. 
nomanza (f. nominanza) = Name, Ruf. 

48. In 47 H III bespricht Guiraut den umgekehrten 
Fall, dass nämlich einem guten Vater auch ein schlechter 
Sohn beschieden sein könne: E svl pair fo lauzatz El fills 
se fai maluatz , Mi par tortz e pechatz Caia las heretatz . 
Doncs cals dreitz o acuoill Que l fills aia atretan De renda 
e % l pretz soan 1 , Ni cals razos adui Que mieills rwis taigna 
autrui? Arch. 33,314a. 

49. In 46 X heisst es: Seigner f li dui Bertran Sai 
ben qe uos diran Qe m us etz mal conseillatz y Si de chan uos 
laissatz Arch. 51,13b und in 58 VI: Vus de'ls Bertrans Non 
es tant ferms ni tant ben enseignatz y Caz aitals paz non fos 
totz issarratz Arch. 33,320a. Ob einer von diesen Bertrans 
(vgl. S. 49, Anm. 2) hier gemeint sei, ist nicht nachzu¬ 
weisen. 

50. ab , das nach dem Gloss. occ. „avec, auprös, en 
comparaison“ bedeutet, ist hier „im Vergleich zu“. Wie hier 
gan , so verwendet Guiraut als Ausdrücke hyperbolischer 
Verkleinerung in 57 \'II una mora , in 20 III us ous und in 
41 V dos aguilens . 

51. qui ist hier wie in den von Tobler ZfrP. 4,160 ge¬ 
gebenen Beispielen in causalem Sinne verwendet. 

52. Der Hiatus wäre zu meiden, wenn man e'l tenhatz 
e membransa lesen wollte. 

1 Das von Bartsch, Dkm. 329 zu 137,9 ff. ungedeutet gelassene 
Reimwort soneira wöxe also in soan zu bessern. 


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189 


Lexikalisches. 


Ab im Vergleich zu VI 50. 
abrandar intr. entbrennen I 7. 
alhor anderswohin; hg. zu einer 
anderen IV 22. 

Blandir wohlwollend entgegen- 
kommen I 11. 

Chabals herrlich II 60. 
chaptals Gewinn, Vorteil II 28. 
clts im übertrag. Sinne geneigt? 

eser dis ab unterstützen? VI 13. 
comtals gräflich, dem Grafen ge¬ 
hörig II 66. 

coselhar raten, mit blossem Inf.^?) 
VI 21. 

Deisazeqar (transit.) zergliedern, 
eingehend besprechen II 41. 
denhtatz Kostbarkeit, Leckerbissen, 
„Futter für Kenner“ (T.) II 33. 
Esmansa Schätzung V 8; d’un’e. 
gleich sehr(?). 

Fadia vergebl. Harren, falsche Er¬ 
wartung, Enttäuschung V 41. 
fraire s. m., plur. Geschwister, 
Gefährten; gleich V 27. 
fuir m. Inf. vermeiden V 42. 
Galiatz s.(?) Trug, Betrug, Täuschung 
IV 34. 

garandar (transit.) verbürgen I 10. 
garentia Bürgschaft, Zeugnis VI 24; 
Schutz VI 30. 


Mals s.;prendre mal Schaden nehmen 

III 33. 

mandazos Auftrag VT 2. 
mas conj. da, weil I 20 (S. 106). 
mazarnt Unruhe, Belästigung II 24. 
mentxr die Treue brechen I 34. 
metre verursachen II 55. 

Nomansa Name, Ruf VI 47. 

Oratz s. Wunsch; com per orat wie 
es sich gehört IV14. 

Velar gänzlich enthaaren I 28. 
perdizo8 Verderbnis VI 10. 
pesaire im adj. Sinne: bekümmert 

IV 20. 

poestaria Besitz VT 16. 
posansa Macht V 35, VT 33. 
preisar bedrängen S. 19, Z. 26 u. Anm. 
preons tief, unergründlich, schwierig 
I 25. 

Reblandir sich jem. wieder geneigt 
machen wollen JT 51. 

Si tot obgleich, mit dem Konj. V 16. 
Trufardia Betrügerei VI 16. 

Valer mit a taugen zu III14. 
venasals (?) = vils II 13. 
vendre sich entgelten lassen VT 20. 
virar lo vermelh de Vescut {a) feind 
sein II 50. 

viutatz Wohlfeilheit, Billigkeit, All¬ 
täglichkeit II 32. 


Namenregister. 


Aamilval(?) 92. 

Ademar V. v. Limoges 55. 

Agoult 46 u. 

Aimeric v. Pegulhan 7 1 . 

Alamanda 18 ff., 28/9, 34 ff., 77, 94, 
104, 132. 

Alexander III., Papst 50. 

Alfons I., Kg. v. Aragon 54,66 l . 
Alfons II., Kg. v. Aragon , 27, 46 u., 
49, 50, 54 ff, 60, 60, 61, 116. 
Alfons I., Graf v . Provence 56 l . 
Alfons VIII., Kg. v. Castilten 56. 
Aragon 57, 58, 61, 127 K 
Arle 127. 

Arnaut Daniel 6, 7, 13. 

Ara&ut v. Marsan 23. 


Arnaut v. Maruelh 121. 

Arnaut Plagues 35. 

At (oder Nat) de Mons 133,145. 
Audiart 46. 

Augier 117. 

Aurenga 46 1 ,145. 

Baux 46, 49, 50, 60. 

Belcaire 127. 

Bellebuissonne 46. 

Bels Senher 25. 

Berenger 109. 

Berenguera 79, 95, 109. 

Bernart A moros 6 4 , 7, 8. 
Bernart Jourdain 23. 

Bernart v. Ventadorn 114, 115. 
Berneth 24. 


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140 


Bertran 49 2 , 93, 138. 

Bcrtran de Baux I. 49 2 . 

Bertran v. Born 5, 29, 35, 39, 57 1 , 
58, 60, 62, 116, 126, 135, 136. 
Bertran Carbonei 128. 

Bertran v. Lamanon 69. 

Blacatz 66. 

Bonifaci Calvo 7 l . 

Bonifaz (I.) v. Monferrat 12. 
Bornelh (Bourneix) 112. 

Cher 119. 

Courteson 50. 

Delphin v. Alvernhe 61, 113, 117. 
Dordogne 73 l . 

Douce, Gräfin v. Urgel 63 1 . 

Ebles de Saignes 61. 

Engles 46. 

Ermengaud VII., Graf v. Urgel , 63 l . 
Escaruenha 12, 22, 23, 25 ff. 
Esiduelh 38 l , 112. 

Esquiu de Menerba 12. 

Estanc 18. 20, 22, 25, 26, 29. 

Fis Jois Naturais 115. 

Flors de Lis 22, 25. 

Foix 119. 

Friedrich 71. 

Gaucelm Faidit 38, 45, 46 u., 66. 
Gasconha 18, 20, 23. 

Gavaudan 60. 

Girart de Rossilhon 134. 

Gui 35. 

Gui y. Limoges 28. 

Guillaurae d’Omelas 48. 

Guilhem Augier 12, 13. 

Guilhem v. Baux 46. 

Guilhem v. Berguedan 35. 

Guilhem v. Cerveira 113. 

Guilhem v. Menerba 12. 

Guilhem v. Mur 15 2 , 69. 

Guilhem v. S. Didier 49 2 . 

Guilhem v. S. Gregori 66. 

Guiraut 49. 

Guiraut v. Cabrera 61. 

Guiraut Riquier 15 2 , 69, 135. 
Heinrich II., Kg. v. England 50. 
Hermentöre, Mönch 58. 

Hugo Marschall 49 2 . 

Hygnaure 51. 

Ignaure 45*, 145. 

Isle-Jourdain 23, 29. 

Jacob I., Kg, v. Aragon 57. 

Jaufre 135. 


Jaufre de Bretanha 36 l 
Joios 127 1 . 

Jois(?) 23, 25. 

Jourdain 23. 

Laucata 49. 

Lers 46. 

Linhaure (—Raimbaut v. Aurenga) 
39, 44, 84ff., 96 ff., 114, 116, 145. 
Marsal 50, 86, 98, 116. 

Menerba (Minerve) 12, 13. 
Montaudon, d. Mönch v. 36 1 , 55, 116. 
Moruello (I.) 12. 

Narbona, Midonz de (Ermengard 
1143—1192) 135. 

Nat (oder At)deMons 133 (Nato 145). 
Navarra 57 1 . 

Olivier 48. 

Orange 46, 49 2 . 

Ot de Moneada 35. 

Paulus 92, 102. 

Peire II., Kg. v. Aragon 54 ff. 
Peire III., Kg. v. Aragon 54. 

Peire v. Alvernhe 6, 13, 24, 47, 
60, 63. 

Peire Bremon 35. 

Peire Cardenal 39, 129. 

Peire Rogier 48, 60, 115. 

Peire Vidal 12, 57 1 , 59, 61. 
Perigord 5, 64. 

Perpignan 49. 60. 

Perrin(?) 127 1 . 

Philomena 135. 

Pons v. Capduelh 121. 

Pons Santeuil v. Toulouse 118. 
Provence 46, 49 2 , 50, 58, 60, 62,116. 
uer, Quier 58, 88, 100, 119. 
aimbaut v. Aurenga 44 ff., 60, 63 1 , 
114, 115, 116. 

Raimbaut v. Vaqueiras 7 l , 46, 66, 
119. 

Raimon v. Agot 45. 

Raimon Bernart de Rovigna 27 1 . 
Raimon Jordan 129. 

Raimon v. Miraval 12, 46. 
Raimon-Roger 120. 

Raimon V. v. Toulouse 50. 

Raimon VI. v. Toulouse 46. 
Raimon Vidal 23, 38, 73 8 . 

Ralmens Bistors 127. 

Rambertin v. Bovavel(?) 66. 

Rassa 36 1 . 

Renart 109. 


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141 


Richard Löwenherz 27, 55, 109. 
Riqueira 79, Var. zu I 36. 

Robert I., Delphin v. Alvemhe 61. 
Roger 119. 

Roger-Bernart 119. 

Saignes 61. 

San Honorat, Kloster 58. 

San Marsal 50, 86, 98, 116. 

Sancho d. Weise, Kg.v. Navarra 57 l . 
Sancho d. Starke, Kg. v. Navarra , 
57 l , 109. 

Segurs 25. 

Senher 25. 


Serveri v. Gerona 9 l 
Sobretotz 27 1 , 

Solatz de Quer 53, 58, 88,100,119. 
Sordel 7 l , 69. 

Spanien 57, 60. 

Ti bürge 49 2 . 

Tomier 39. 

Topina 120. 

Topiner 53, 88, 100, 120. 

Uc Catola 129. 

Uc v. Sau Circ 35, 66, 125. 

Urgel 63 1 . 

Wilhelm IV. v. Orange 46 u. 


Rimarium. 

zu Ged. 1—YII (S. 77-93 u. 132- 133). 
aire: retraire veiaire maire pesaire desfaire faire aire empe- 
raire IV; malfaire amaire fraire paire guizardonaire aire afaire V. 

al: comunal egal venasal mal (bis) chal val cal chaptal sal atretal 
sesal natural escoral desleial comtal Marsal nadal reial chabal II. 

an: blasman semblan talan aitan tan gran afan (bis) mazan enan 
espan contrarian resplan parlan reblan coman II; talan an tan (bis) 
coronan(?) gan VI. 

anda: Alamanda demanda truanda comanda desmanda abranda 
ran da garanda blanda espanda landa manda I. 

ansa: desmezuransa esmansa pesansa benanansa malanansa dansa 
amansa posansa setnblansa enansa fiansa esperansa V; posansa venjansa 
onransa bombansa efansa pesansa nomansa egansa doptansa membransa VI. 
at: grat malmenat donat orat volontat trobat meitat galiat IV. 
atz: coselhatz iratz crezatz amatz lauzatz chabdelatz eserchatz 
cochatz chalatz donatz diatz patz pesatz descobratz preiatz mesclatz 
afiatz tolhatz I; diatz prezatz (bis) amatz fatz lauzatz trobatz platz viutatz 
denhtatz levatz enraumatz natz trobatz pesatz outracudatz II; diatz 
paiatz privatz (bis) senatz comandatz renhatz paubretatz IV. 
eis: reis mezeis pareis genseis domneis depeis III. 
elh: Bornelh corelh trepelh velh aparelh coselh solelh vermelh II. 
en: franchamen argen jauzimen pren enten finaraen prezen cen III; 
umilmen drechamen talen repren seguramen sofren torroen cosen aper- 
tamen descreisen V; maltalen repren serpen vestimen ven nien folamen 
gen (ter) ardimen soven aten (bis) pren malamen corren mantenen len 
defen planamen malvolen monumen breumen VII. 

endre : aprendre vendre rendre prendre defendre escoisendre fendre 
entendre(?) VL 


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142 


er: lezer ver saber tener valer aver temer poder esper jazer con- 
querer retener III. 

er: chavaler guerrer vertader dener mester sobranser sobrer reprover 
premer sobreleuger er lauzenger Quer Topiner leuger parer III; lauzenger 
fer verger cosirer VI. 

era: parlera primera sofera nesera fera Berenguera mera leugera 
enquera manera derera ofera I. 

i: aisi vezi mati mi VI. 

ia: dia trobaria companbia volria fadia V; dia (bis) senhoria bauzia 
cortezia manentia trufardia poestaria VI. 

%r; falhir enardir sofrir tir dir languir (bis) trasalbir albir fuir 
servir jauzir V. 

ire: dire sofrire servire martire jauzire V. 

1 s: servis auzis plevis vis quis fis faitis(?) abelis IV; vezis devis 
clis(?)tapis(?) VI. 

o: mandazo baro perdizo bando VI. 

ona: sermona ochaizona empreizona felona (bis) perdona tensona 
razona meisona persona abandona (bis) dona guizardona bona esperona 
bretona desazona corona (bis) nona opona sona trona VII. 

onda: gronda blonda aonda segonda cofonda onda preonda responda 
jauzionda tonda dezironda resconda I. 

or: amor onor folor ricor emperador amador senhor valor (bis) 
entendedor maior galiador III; Amor lauzor secor onor temor alhor ricor 
emperador IV; jutjador lauzor sordeior lor VI. 

uda: aiuda covenguda aguda muda druda perduda volguda irascuda 
saubuda nuda vencuda mantenguda crezuda renduda I. 


Verzeichnis der Citate aus den übrigen Werken Guirants. 

Ged. 1 Str. III S. 69; IV 30,69; V 30,70; VII 119. 2 1 130; 
II 104; III 121; IV 30,121; V 121,127; VI 67; VII 123. 8 I 128 

II 128. 4 1 114; 1132; III 108; IV 104; VI 133; VII 23. 5 II 24,113; 

V 27; VI 24; VII 36; VIII 27. 6 IV 129; IX 66. 7 I 42; II 131; 

VI 32,123. 8 I 128; II 124; III124; VI 126. 9 I 70; in 111; V 106. 

10 VII 41. 11 I 43; II 43,47; III 43; V 26. 12 IV 30; V 30; VI 111. 
18 I 22: n 22,126; IV 26. 15 II 137; III 137; VII 66. 16 I 42; 

III 124; V 127; VI 131. 17 II 24,116; 111 33; V 124,126; VI 80; 

Vin 46.181114; VIII127. 19 III 122 ; IV 134. 20 III 138; V 118 ;VI 22 . 
24 1138; V 134. 25 III 30; IV 122; V 107; VI131; VII 111; 1X129; 
27 IX 136. 28 II 27,125; VI 27. 29 IV 32; VI 32; VII 32. 81 1124; 
n 124; IV 26; V 104; VI 27. 82 I 112; II 122. 88 HI 108; IV 70; 

V 31,129 . 84 I 123; IV 110; V 119. 85 I 26; II 32; UI 108,116; 


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143 


Y 37; VI 25; VII 49*. 86 II 32,106; V 118. 87 IV 33; VI 106. 
39 I 35; III 122; VI 124. 40 IV 31,119; V 31; VI 35. 41 I 137; 

V 137 (bis), 138. 42 I 122 ; II42; III 42/3,120; IV 31; VII 135; IX 131 
48 I 104; II 63«; III 124; V 63«,110; VI 63«; VII 63«. 44 I 62« 

III 22,26,62«; IV 33; 1X 22,23. 45 I 97»,113; VII 136. 46 III 136; 
* V31: X 49 2 ,138. 47 II 138; III 138; IV 127; V 27,116. 48 I 108; 

II 127; IV 128; VI 111; VII 108,135. 49 I 62; II 37; III 37; IV 6«. 
51 III 32; M 41; IX 41. 58 IV 30. 54 I 105; II 136; III 136; 

IV 134. 55 I 28,66; III 134; VIII 28; IX 55. 56 V 137. 57 III 122; 

IV 122; V 122; VII 13,138; VIII121. 58 IV 109; V 106; VI 49»,138; 
VII 116. 59 I 29,123; V 29; VI 33,107; VII 33. 60 II121; III 30,107; 
IV 130.137; Vlll. 62 II 131; III 6»,121. 68 III 122; IV 109. 64 VII123; 

65 I 120; II 51; IV 126; V 48/9; VI 48/60; VII 48,51; VIII 48; X 60. 

66 III 42; IV 30; V 126; IX 61«. 67 IV 107; V 36»; VII 57». 

68 III 122. 70 I 114; III 57; V 32; VI 7,104,121. 71 II 106; V 26. 

72 I 70,128; VI 42; IX 116. 78 I 105; II 134; III 128. 74. 1 119; 
m 113. 75 III 137; V 125. 76 I 131; III 106. 78 III 123; IV 136; 
79 I 42,57/8,127; II 57; UI 31. 80 IV 13; V 109; VIII 116. 81 II 70; 
UI 124; IV 70. _ 

Erklärung der Titelabk&rzungen. 

A. n. A.: E. Stengel, Ausgaben und Abhandlungen aus dem Gebiete der 

roman. Philologie, Marburg seit 1882. 

Ann. du Midi: Annales du Midi, Revuo archöoL, hist, et philol. de la 
France mörid., p. p. Antoine Thomas seit 1889. 

Appel, Inedita: Prov. Inedita aus Pariser Hdss. herausg. v. Carl Appel, 
Leipzig 1890. 

Appel, P. Rog.: Das Leben u. d. Lieder d. Trob. Peire Rogier bearb. 
y. Carl Appel, Berlin 1882. 

Arch.: Herrig bez. Waetzoldt und Zupitza, Arch. f. d. Studium d. neueren 
Sprachen und Litteraturen, Braunschweig. 

Balaguer: Don Victor Balaguer, Historia pol. y lit. de los trovadores, 
6 Bde., Madrid 1878—1880. 

Bastero: Bastero, La crusca provenzale, 1724. 

BBorn: Bertran de Born, sein Leben u. seine Werke m. Anm. u. Gloss. 

herausg. v. Albert Stimming, Halle 1879. 

BBorn 2 : Bertran von Born herausg. v. A. Stimming, Roman. Bibi. VIII, 
Halle 1892. 

B. Chr.: Karl Bartsch, Chrestom. prov., quatri&me £d., Elberfeld 1880. 

B. Dkm.: Karl Bartsch, Denkmäler d. prov. Litt., Bibi. d. litt. Ver. in 

Stuttgart, XXXIX, Stuttgart 1856. 

B. Gr.: K. Bartsch, Grundriss z. Geschichte d. prov. Litt.« Elberfeld 1872. 


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144 


B. Lb.: K. Bartsch, Prov. Lesebach, Elberfeld 1855. 

Canello, A. Dan.: U. Canello, La vita e le opere del trovatore A. Daniel, 
Halle 1883. 

Chab., H. L. 10: Chabaneau, Histoire gdnörale de Languedoc 2 10. Note 38. 

Cnyrim: Sprichwörter, sprichwörtl. Redensarten und Sentenzen bei d. 
prov. Lyrikern, A. u. A. 71, Marburg 1888. 

Coruicelius: Raimon Vidal, So fo e*l temps c’om era iays herausg. 
v. M.Cornicelius, Berl. Diss., Berlin 1888. 

Diez, E. W.: Etymologisches Wörterbuch der rom. Sprachen von Friedr. 
Diez, 4. Ausg., Bonn 1878. 

Diez, Gramm.: Diez, Grammatik der rom. Sprachen, 4. Aufl., Bonn 1876. 

Diez, L. u. W.: Diez, Leben und Werke der Troubadours, 1. Aufl., 
Zwickau 1829. 

Diez, Poesie: Diez, Die Poesie der Troubadours, 1. Aufl., Zwickau 1826. 

Fauriel, Hist.: Histoire de la po6sie prov. p. Fauriel, Paris 1846. 

G1os8. occ.: Rochegude, Essai d’un glossaire occitanien, Toulouse 1819. 

Godefroy: Dictionnaire de l’ancienne langue fran^aise p. Fr. Godefroy, 
Paris, seit 1880. 

Gröbers Grundr.i Grundriss der roman. Philologie herausg. v. G. Gröber, 
Strassburg seit 1888. 

H. L.: Histoire gendrale de Languedoc p. dom CI. Devic et dom J. Vaissete 
Neue Ausg., Toulouse 1875 ff. 

Hist, litt.: Histoire littöraire de la France, t. 17, Paris 1832. 

Jb.: Jahrbuch f. rom. und engl. Litt., 15 Bde., 1859 — 1875. 

Jeanroy: La tenson prov. p. Jeanroy, Ann. du midi 2, Toulouse 1890. 

Knobloch: Die Streitgedichte im Prov. und Altfranzös., Bresl. Diss., 
Breslau 1886. 

Lex. rom.: Raynouard, Lexique roman ou Dictionn. de la langue des troub., 
6 Bde., Paris 1838/44. 

LgrP.: Literaturblatt für german. u. roman. Philologie herausg. v. Behaghel 
u. Neumann, Leipzig seit 1880. 

Littrd: Dictionnaire de la langue fran$aise, 4 Bde., Paris 1873. 

MG.: Mahn, Gedichte der Troubadours, 4 Bde., Berlin 1856/73. 

MW.: Mahn, die Werke der Troub., 4 Bde., Berlin 1846/85. 

Maus: Peire Cardenals Strophenbau nebst Verzeichnis sämtl. Strophen¬ 
formen der prov. Lyrik, A. u. A. 5, Marburg 1884. 

Mild: MilA y Fontanals, De los trovadores en Espana, Barcelona 1861. 

Millot: Histoire des troubadours, 1774. 

Parn. occ.: Le Pamasse occitanien, Toulouse 1819. 

Petrocchi: Dizionario universaledella lingua italiana, 2 Bde., Milano 1887/91. 

Rayn. Choix: Raynouard, Choix des po4sies originales des troubadours, 
6 Bde., Paris 1816/21. 


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145 


Rdlr.: Revue des langues romanes, Montpellier u. Paris, seit 1870. 

Rom.: Romania, Recueil trimestriel, p.p. P. Meyer et G. Paris. 

Rom. Stud.: Boehmer, Rom. Studien, Strassburg 1875/7. 

Schultz, Briefe: D. Briefe des Trob. R. de Vaqueiras an Bonifaz I., 
herausg. v. O. Schultz, Balle 1893. 

Schultz, Dichterinnen: Die Provenzal. Dichterinnen, Biographieenu. Texte 
v. O. Schultz, Leipzig 1888. 

Selbach: Das Streitgedicht in der altprov. Lyrik, A. u. A. 57, Marburg 1886. 

Stichel: Beitr. z. Lexikographie d. altprov. Verbs, A. u. A. 86, 
Marburg 1890. 

Studj di fil. rom.: Studj di filologia romanza, pubbl. da E. Monaci, 
Roma seit 1884. 

Thomas: Po6sies completes de Bertran de Born, Bibi. Mdrid. 1, 
Toulouse 1888. 

Tobler, Verm. Beitr.: Vermischte Beiträge z. franz. Gramm, von A. Tobler, 
1. Reihe 1 , Leipzig 1886. 

Zenker: Die prov. Tenzune, Leipzig 1888. 

ZfrP.: Zeitschrift f. rom. Philologie herausg. v. Gröber, Halle seit 1877. 


Nachträge und Berichtigungen. 

Zu S. 11. Die jetzt in Paris bei Lamirault et Cie erscheinende 
grande encyclopddie enthält (Bd. 7, S. 432), worauf mich Herr Dr. Naetebus 
gütigst hinweist, über G ui raut von Bornelh einen Artikel von A. Thomas, 
nach welchem Guirauts Alba schon genügen würde „a mettre son auteur 
höre de pair“. — Zu S. 18. Die Biogr. und die razos sind nach Chabaneaus 
Biogr. des troub. auch in Monacis Testi ant. prov. S. 55 abgedruckt. — 
Zu 8. 45 l . Betreffs der Etymol. von Aurenga vgl. man jetzt 0. Schultz 
ZfrP. 1894 S. 425. — Der Name Ignaure (dies teilt mir Herr Prof. 
Freymond in Bern freundlichst mit) kommt ferner in Crestiiens 
Rom. du chev. de la charr. v. 5788 vor; 0. Schultz ZfrP. 1894 S. 126 
nimmt ebenfalls an, Lignaure „ist = ursprgl. n'lgnaure , dessen Etymol. 
selbst freilich nicht auf der Hand liegt“. — Zu S. 83. Ged. II wird sich 
auch (ebenso wie I u. 242, 46. 60. 64. 65. 80) in Appels Prov. Chrest. 
finden: — Zu S. 133*. Seinen Artikel über nAt oder Nat ergänzend, 
schreibt mir Herr Dr. Oscar Schultz: „Im Cartulaire de l’ögl. cath^dr. 
Notre Dame de Nimes ed. Germer-Durand erscheint S. 22 in einer Ur¬ 
kunde von 909 als Archidiakonus Nato und derselbe auf S. 85 ebenfalls 


1 Die 2. Reihe ist vor kurzem erschienen, die 3. Reihe nimmt 
soeben in der ZfrP. 18,402 ihren Anfang. 


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146 


Nato genannt, auf S. 33 z. J. 921 Natone (wahrscheinlich derselbe).* — 

S. 5, Z. 3 oberhalb der Anm. lies „Grundriss“ 1 ; 9, 6 v. u.: manuscrits; 
25,6 : 43 IV bez. V; eb. streiche 79 III; 33,11 lies c’a m$; 35,5 v. u.: 
Berguedan; 55,12: Sirv. 55 (statt Sirv. 52); 66,7 v. u.: Arch. 35, 100a 
(statt Arch. 35, 101a); 73, Abschn. IL, Z. 1 tilge 1.; 90, Z. 1 (v. 33) 
lies Qu’en (statt Q’en); 108,16 Out sui (statt Cuisui); 108,6 v. u.: per 
que (statt perque); 119, Z. 4 der Anm. 41: Accus, (statt Nom.); 132,16: 
Petrocchi (statt Petrochi). 


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Inhalt. 


Seite 

Vorbemerkung. 6—10 

Einleitendes. 10—15 

Zur Biographie des Guiraut von Bornelh 10. Guirauts 
poetischer Nachlass 11. Die Dichtgattungen 14. 

Die 6 zu edierenden Gedichte 

1. Die 3 Tenzonen. 15—63 


I. (242,69). Dichter und Zofe: a) Inhalt 16. b) Das 
Liebesverhältnis des Dichters 17. c) Dichtgattung und 
Autorschaft 33. d) Metrisches 38. 

1L (242,14=287,1). Die dunkle Manier, a) Inhalt 39. 

b) Das trobar clus u. die Veranlassung zu d. Gedichte41. 

c) Dichtgattung u. Autorschaft 43. d) Metrisches 52. 

IH. (242,22=324,1). Der König als Liebhaber: a) Inhalt 52. 

b) Dichtgattung und Autorschaft 53. c) Metrisches 59. 
Datierung der 3 Tenzonen 60. 

2. Die 3 bisher unbekannten Gedichte. 63—71 

IV. (Si ja d’Amor). Ersehntes Liebesglück: a) Inhalt 65, 
b) Metrisches 65. 

V. (Bedeuom). Amors Schuld: a) Inhalt 67, b) Metrisches 67. 

VI. (No*s pot sofrir ma lenga). Die Schlechtigkeit der Welt: 


a) Inhalt 67, b) Metrisches 68. 

Datierung der 3 bisher unbekannten Gedichte 69. 

Zur Orthographie. 71—74 

Text der 6 Gedichte I 77, II83, III 86. IV 88, V 90, VI92. 74—93 
Uebersetzung I 94, 13 96, III 98, IV 100, V 101, VI 102. 94—103 
Anmerkungen I 104, II112, III 116, IV 120, V 127, 

VI (mit Ged. VII=242,77) 132 . 104—138 

Lexikalisches.. . 139 

Namenregister. 139—141 

Rimarium . . ... 141—142 

Verzeichnis der Citate aus den übrigen Werken Guirauts 142—143 

Erklärung der Titelabkürzungen. 143—145 

Nachträge und Berichtigungen. 145—146 


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Diese Arbeit hat als Promotionsschrift der hohen Philosophischen 
Fakultät der Kgl. Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin Vorgelegen. Thr 
erster Teil (bis zur Seite 63) ist bereits im Mai d. J. als „Dissertation“ im Drucke 
erschienen. Denjenigen Herren Gelehrten, welche mir inzwischen verschiedene 
einschlägige Mitteilungen gemacht, mir flir eine eventuelle Fortführung des 
Werkes handschriftliches Material bereits übersandt oder ihre Unterstützung 
bereitwilligst in Aussicht gestellt haben, besonders den Herren C. Appel — 
Bresldn, C. Frati — Modena, E. Freymond-Bern, O. Hecker—Florenz, 
E. Le vy — Freiburg i. B., W. Mey er-Lübke —Wien, G. Naetebus ^ Halle, 
O. Schultz —Berlin und R. Zenker—Würzbarg sage ich für die mir damit 
bewiesene Freundlichkeit aufrichtigen Dank. 

Berlin, den 24. Juli 1804. 

A. K. 


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